Home
http://www.faz.net/-gyl-6rp6v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Frauen in Führungsetagen Daimler-Chef kritisiert Frauenquote

„Wohin soll ich all die Männer aussortieren?“ fragt der Vorstandsvorsitzende von Daimler Dieter Zetsche angesichts der geplanten Frauenquote. Doch Ministerin Schröder will noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorlegen.

© dapd Ob so bald eine Vorstandssitzung aussehen könnte? Bundesfamilienministerin Schröder hält jedenfalls an der Frauenquote fest

Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche hat scharfe Kritik an den Plänen der Politik für eine staatlich vorgegebene Frauenquote geübt. In drei bis vier Jahren auf einen Frauenanteil von 40 Prozent in den Führungspositionen zu kommen sei nicht realisierbar, sagte der Zetsche in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Wohin soll ich all die Männer aussortieren? Alle zwangsweise in Rente schicken, damit überhaupt so viele Stellen frei werden?“ Zetsche betonte, dass bei Daimler ohnehin bis 2020 jede fünfte leitende Position von einer Frau besetzt sein werde. Mit internen Programmen werde mehr erreicht als mit gesetzlichen Vorgaben.

Die Unternehmen in Deutschland müssen weiterhin mit einer verpflichtenden Frauenquote in ihren Führungsetagen rechnen - wenn auch mit einer von ihnen selbst gesetzten Quote. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) machte deutlich, dass sie an ihren Plänen für eine sogenannte flexible Quote festhält und noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorlegen will. „Die Zeit der reinen Selbstverpflichtung ist vorbei“, sagte sie der Zeitung „Welt am Sonntag“. Es müsse eine rechtsverbindliche Verpflichtung für die Führungsebene geben. „Wer das selbst gesteckte Ziel verfehlt oder sich gar nicht erst eine Quote setzt, muss mit harten Sanktionen belegt werden“, drohte Schröder.

Sanktionen statt Selbstverpflichtung

Solche Sanktionen könnten aus Sicht der Ministerin Geldstrafen oder die Unwirksamkeit von Beschlüssen zur Aufsichtsratsbesetzung sein. Konkret schwebt Schröder ein Stufenplan vor: Sollte sich der Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten bis 2013 nicht verdreifacht haben, müssten etwa 1000 Unternehmen eine zu ihrer Situation passende Frauenquote vorschlagen, zu der sie dann verpflichtet würden.

Am 17. Oktober will Schröder sich zum zweiten Mal mit den Vorständen der 30 im Aktienindex Dax notierten Unternehmen treffen. Im März hatten die Firmenchefs der Ministerin bei einem ersten Treffen zugesichert, sich unabhängig von Schröders Plänen für eine Quote in den Spitzengremien freiwillig eine Quote für den gesamten Betrieb zu geben. Dieses Versprechen der Unternehmen werde am 17. Oktober eingelöst, sagte eine Sprecherin des Ministeriums am Sonntag. Die selbstgewählten und später dann verpflichtenden Quoten für Führungspositionen würden dagegen erst später veröffentlicht, wenn das Gesetz auf den Weg gebracht sei.

Geringe Quote für Stahlkonzern, hohe für Medienunternehmen

Dass die Wirtschaft bei dem Treffen mit Schröder freiwillig Gesamtquoten vorstellen will, liegt an dem gewachsenen politischen Druck. Vor allem wollen die Firmen verhindern, dass eine starre gesetzliche Quote eingeführt wird - dass also zum Beispiel ein Stahlkonzern den gleichen Frauenanteil im Vorstand vorweisen muss wie ein Medienunternehmen. Schröder lehnt eine solche starre Quote ab und setzt darauf, dass sich die Unternehmen auch so ehrgeizige Ziele setzen, die aber zur Situation in der jeweiligen Branche passen.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) beharrt dagegen auf eine 30-Prozent-Quote in Vorständen und Aufsichtsräten bis zum Jahr 2018; auch EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat Schröder bereits mit einer fixen Quote gedroht.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Werbung Die Invasion der älteren Models

In der Werbung fängt das Alter schon früh an. Alles dreht sich um die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Doch jetzt regt sich Widerstand gegen den Jugendkult der Branche. Mehr Von Julia Löhr

21.06.2015, 14:29 Uhr | Wirtschaft
Bundestags-Beschluss SPD feiert Frauenquote

Ungeachtet der Kritik aus der Wirtschaft hat der Bundestag eine gesetzliche Frauenquote für die Führungsetagen großer Unternehmen beschlossen. Für das Gesetz stimmten die Fraktionen von Union und SPD, Grüne und Linke enthielten sich. Ihnen gehen die Regelungen nicht weit genug. Mehr

06.03.2015, 17:14 Uhr | Politik
Rede des Bundespräsidenten Gauck fordert mehr Großherzigkeit gegenüber Flüchtlingen

Bundespräsident Gauck positioniert sich in der Debatte um hohe Flüchtlingszahlen. Er fordert die Deutschen auf: Erinnert Euch an die eigenen Erfahrungen und seid offen für die Flüchtlinge von heute. Mehr

20.06.2015, 12:27 Uhr | Politik
Rekordtransfer Wolfsburg verteidigt Schürrle-Transfer

Mit der Verpflichtung von André Schürrle ist dem VfL Wolfsburg ein echter Coup gelungen. Sportlich sinnvoll, findet Sportdirektor Allofs. Und auch die hohe Ablöse sei gerechtfertigt. Mehr

02.02.2015, 21:51 Uhr | Sport
EU-Gipfel Keine verbindliche Quote für Flüchtlinge

Der EU-Gipfel hat die Verteilung von 40.000 Flüchtlingen auf freiwilliger Basis beschlossen. Dem italienischen Regierungschef ist das nicht genug: Er fühlt sich allein gelassen. Kanzlerin Merkel spricht von einer der größten Herausforderungen ihrer Amtszeit. Mehr

26.06.2015, 04:27 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.09.2011, 14:00 Uhr