http://www.faz.net/-gyl-6rp6v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.09.2011, 14:00 Uhr

Frauen in Führungsetagen Daimler-Chef kritisiert Frauenquote

„Wohin soll ich all die Männer aussortieren?“ fragt der Vorstandsvorsitzende von Daimler Dieter Zetsche angesichts der geplanten Frauenquote. Doch Ministerin Schröder will noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorlegen.

von , Berlin
© dapd Ob so bald eine Vorstandssitzung aussehen könnte? Bundesfamilienministerin Schröder hält jedenfalls an der Frauenquote fest

Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche hat scharfe Kritik an den Plänen der Politik für eine staatlich vorgegebene Frauenquote geübt. In drei bis vier Jahren auf einen Frauenanteil von 40 Prozent in den Führungspositionen zu kommen sei nicht realisierbar, sagte der Zetsche in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Wohin soll ich all die Männer aussortieren? Alle zwangsweise in Rente schicken, damit überhaupt so viele Stellen frei werden?“ Zetsche betonte, dass bei Daimler ohnehin bis 2020 jede fünfte leitende Position von einer Frau besetzt sein werde. Mit internen Programmen werde mehr erreicht als mit gesetzlichen Vorgaben.

Die Unternehmen in Deutschland müssen weiterhin mit einer verpflichtenden Frauenquote in ihren Führungsetagen rechnen - wenn auch mit einer von ihnen selbst gesetzten Quote. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) machte deutlich, dass sie an ihren Plänen für eine sogenannte flexible Quote festhält und noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorlegen will. „Die Zeit der reinen Selbstverpflichtung ist vorbei“, sagte sie der Zeitung „Welt am Sonntag“. Es müsse eine rechtsverbindliche Verpflichtung für die Führungsebene geben. „Wer das selbst gesteckte Ziel verfehlt oder sich gar nicht erst eine Quote setzt, muss mit harten Sanktionen belegt werden“, drohte Schröder.

Sanktionen statt Selbstverpflichtung

Solche Sanktionen könnten aus Sicht der Ministerin Geldstrafen oder die Unwirksamkeit von Beschlüssen zur Aufsichtsratsbesetzung sein. Konkret schwebt Schröder ein Stufenplan vor: Sollte sich der Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten bis 2013 nicht verdreifacht haben, müssten etwa 1000 Unternehmen eine zu ihrer Situation passende Frauenquote vorschlagen, zu der sie dann verpflichtet würden.

Am 17. Oktober will Schröder sich zum zweiten Mal mit den Vorständen der 30 im Aktienindex Dax notierten Unternehmen treffen. Im März hatten die Firmenchefs der Ministerin bei einem ersten Treffen zugesichert, sich unabhängig von Schröders Plänen für eine Quote in den Spitzengremien freiwillig eine Quote für den gesamten Betrieb zu geben. Dieses Versprechen der Unternehmen werde am 17. Oktober eingelöst, sagte eine Sprecherin des Ministeriums am Sonntag. Die selbstgewählten und später dann verpflichtenden Quoten für Führungspositionen würden dagegen erst später veröffentlicht, wenn das Gesetz auf den Weg gebracht sei.

Geringe Quote für Stahlkonzern, hohe für Medienunternehmen

Dass die Wirtschaft bei dem Treffen mit Schröder freiwillig Gesamtquoten vorstellen will, liegt an dem gewachsenen politischen Druck. Vor allem wollen die Firmen verhindern, dass eine starre gesetzliche Quote eingeführt wird - dass also zum Beispiel ein Stahlkonzern den gleichen Frauenanteil im Vorstand vorweisen muss wie ein Medienunternehmen. Schröder lehnt eine solche starre Quote ab und setzt darauf, dass sich die Unternehmen auch so ehrgeizige Ziele setzen, die aber zur Situation in der jeweiligen Branche passen.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) beharrt dagegen auf eine 30-Prozent-Quote in Vorständen und Aufsichtsräten bis zum Jahr 2018; auch EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat Schröder bereits mit einer fixen Quote gedroht.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Abgas-Werte Nun gerät auch Daimler ins Visier der Amerikaner

Droht Daimler eine Abgasaffäre wie bei VW? Nach dem Eingang von Sammelklagen mehrerer Kunden fordert das amerikanische Justizministerium Ermittlungen. Mehr

22.04.2016, 03:55 Uhr | Wirtschaft
Hauptversammlung Daimler blickt trotz Rekordergebnissen vorsichtig in die Zukunft

Mehrere Faktoren hätten das Wachstum von Januar bis März beeinträchtigt, erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Hauptversammlung in Berlin. Das zweite Halbjahr werde wie in der Vergangenheit jedoch deutlich besser laufen als das erste. Mehr

06.04.2016, 17:06 Uhr | Wirtschaft
Abgasskandal Sind jetzt alle Autofirmen Betrüger?

Fast die ganze Fahrzeugbranche hat beim Abgas getrickst. Aber nur Volkswagen hat betrogen. Dafür sichern sie sich dort jetzt ordentliche Boni. Das hat System. Mehr Von Rainer Hank und Georg Meck

23.04.2016, 19:58 Uhr | Wirtschaft
Lebensmitteltafel Zu Gut für die Mülltonne

Die Tafel verteilt gespendete Lebensmittel an Bedürftige. Doch bevor Gemüse, Brot und Frischware in den Ausgabestellen abgeholt werden können, heißt es für die Mitarbeiterinnen in Oberursel: Aussortieren und Verpacken. Mehr

20.04.2016, 15:00 Uhr | Wirtschaft
Abgas-Manipulation Untersuchungen in Daimler-Werken

Bis vor Kurzem hatte der Autobauer Abgas-Manipulationen vehement bestritten. Nach einem Bericht untersuchen interne Ermittler nun Werke des Konzerns. Und auch der Ton wird vorsichtiger. Mehr

29.04.2016, 12:30 Uhr | Wirtschaft

Gründen für vegane Hipster Für gute Pizza verzichten sie auf 150.000 Euro im Jahr

Matthias Kramer und Marc Schlegel wollten eigentlich eine Dating-App herausbringen. Warum sie statt dessen ein Unternehmen für veganen, glutenfreien und kalorienarmen Pizzateig gegründet haben. Mehr Von Jonas Jansen 6 11