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Frauen in der IT Der Fluch der Klischees

03.03.2009 ·  Eigenbrötler in ihrer virtuellen Welt, die Pizza mit Extrakäse und Mengen von Cherry Cola verschlingen, sie prägen oft noch das Image der IT-Berufe. Nur 17 Prozent der Informatikstudenten weiblich. Langfristig sinkt der Frauenanteil in der IT sogar.

Von Anna Loll
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Franziska Bündgens blickt in ihr Weinglas und überlegt. "Manchmal hört man das schon: Du bist Informatikerin? Das hätte ich ja nicht gedacht", erzählt die 28 Jahre alte SAP-Beraterin. "Irgendwie denken viele bei IT-Interessierten an Freaks, die extrem schüchtern sind." Eine Vorstellung, die für Bündgens so sehr an der Realität vorbeigeht, dass sie über diese Vorurteile kaum nachdenkt. Weder Vor- noch Nachteile hätte sie in ihrem Berufsleben wegen ihres Frauseins erlebt.

Den Zahlen nach ist die junge ITlerin eine Exotin. Gerade einmal 17 Prozent der Informatikstudenten sind weiblich. Ungeachtet von Schulprojekten und Wirtschaftsinitiativen sinkt sogar der Anteil der Frauen in der IT. 2003 gab es dem Statistischen Bundesamt zufolge immerhin fast 15 Prozent Frauen in der Branche, aktuell sind es lediglich 13 Prozent.

Auch auf internationaler Ebene sind Frauen in der IT schwach vertreten, insbesondere in den hohen Positionen. "Ich war unter den Direktoren immer eine von wenigen Frauen", sagt Thérèse Torris, die bei der internationalen Preisvergleichmaschine Twenga verantwortlich für das Produktangebot ist. Außerdem ist Torris im Vorstand des European Professional Woman's Network. Ein bis zwei Frauen in hohen Positionen stünden in der Regel zehn bis zwölf Männern gegenüber, meint die 53 Jahre alte Französin. Dass sich immer weniger Frauen für eine Tätigkeit im Bereich der IT interessieren, erstaunt sie. "Zu meiner Zeit galt die Technologiebranche als ein angenehmes Feld für Frauen", sagt Torris. "Man hatte das Gefühl, dass man anders als in Branchen wie dem Handel oder in einer Bank wirklich eine Karriere nur durch Kompetenz machen konnte."

Erklärungen für das zurückgehende Interesse sind kaum zu finden. "Insgesamt haben die IT-Berufe einfach mit einem äußerst schlechten Image zu kämpfen", meint Barbara Schwarze, Professorin für Gender und Diversity Studies an der Fachhochschule Osnabrück. Die IT-Branche gelte als menschenfern und wenig kommunikativ, erklärt die Wissenschaftlerin. Dass Softewareentwickler oft in engen Teams zusammenarbeiteten, würde völlig übersehen. Schon im Kleinkindalter beginne die Prägung, dass Mädchen sich besonders kommunikativ und sozial orientierten, meint Schwarze. "Für sie gibt es eben noch viel zu häufig die nette rosa Spielecke im Kindergarten", sagt sie mit leichter Resignation.

"Viele verbinden mit ITlern Leute, die eigenbrötlerisch nur in ihrer virtuellen Welt leben, Pizza mit Extrakäse verschlingen und dazu Mengen Cherry Cola in sich hineinschütten", erzählt Maya Biersack, Geschäftsführerin des IT-Dienstleisters EsPresto aus Berlin. "Dabei trifft das, wenn überhaupt, auf vielleicht ein Prozent von uns zu." Selbst Biersack hatte allerdings als Informatikstudentin anfangs ein bisschen Angst, in einem menschenfernen Beruf zu arbeiten. Jedoch verflog diese schnell. Schon im Studium stand viel Teamarbeit auf dem Stundenplan. Diskriminiert sei sie im Berufsleben nie worden als Frau. Nur im Studium gab es unangenehme Momente. Zum Beispiel als Biersack mit männlichen Kollegen im Seminar nach vorne ging, um gemeinsam ein Referat zu halten. "Da meinte einer aus der Runde zu einem meiner Mitreferenten: Hast du deine Sekretärin mitgebracht?", erzählt sie. Aber das sei nun auch schon 20 Jahre her, sagt die 43-Jährige. An sich würde sie ihre Kollegen als auffallend umgängliche und offene Menschen erleben.

Karin Duermeyer hat es selbst mit einem untypischen Lebenslauf nach oben geschafft: Studiert hatte Duermeyer Mathematik und Geographie auf Lehramt, um später an Gymnasien zu unterrichten. Weil es zu wenig Stellen für Lehrer gab, begann sie ein Traineeprogramm bei IBM. Damals vor 25 Jahren gab es außer ihr kaum Frauen in dem IT-Unternehmen. 1992 war sie die erste weibliche IT-Architektin bei IBM. Heute ist die 50-Jährige Global Services Consultant und trägt den Titel IBM Distinguished Engineer, die höchste Auszeichnung im technischen Bereich. Damit gehört sie weltweit zur obersten Führungsriege. "Es hat sich viel verändert", sagt Duermeyer.

Verantwortlich ist sie unter anderem für die 2500 IT-Architekten der Region Nordeuropa. Diese erstellen etwa technische Baupläne. Ein anspruchsvoller Beruf. Dass von ihren 2500 Mitarbeitern nur 5 Prozent Frauen sind, bedauert die Hamburgerin. Man dürfe jedoch auch nicht zu stark Rückschlüsse aus den Zahlen der Informatikstudiengänge und IT-Ausbildungsberufe ziehen. In der IT-Branche arbeiteten ja nicht ausschließlich reine IT-Spezialisten. IBM zum Beispiel stelle nicht nur Absolventen aus den Informatikstudiengängen ein. Sowohl in der Beratungssparte als auch im Vertrieb ihres Unternehmens hätten ebenso Naturwissenschaftler, Wirtschaftsabsolventen oder auch Experten mit einschlägigen Branchenkenntnissen Karrierechancen. Das sei alles nur nicht so bekannt.

Wie überhaupt die Möglichkeiten einer Laufbahn in der Branche. Ständig könne man Neues ausprobieren, meint Duermeyer. "Wir lösen Probleme und machen Sachen besser. Das ist ein gutes Gefühl." Und das in eigentlich allen Branchen, von der Wissenschaft über das Gesundheitswesen bis hin zur Terrorismusbekämpfung. Langweilig werde einem sicherlich nicht, wenn man die Daten der Geheimdienste verknüpfen solle, versichert die Norddeutsche. Mitbringen müsse man sicherlich die Lust an Naturwissenschaften und eine gute Portion logischer Fähigkeiten. Aber sie selbst habe beispielsweise in der Schule Physik gar nicht gemocht - und Kunst lieber als Mathematik.

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