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Formelle Anrede Der Doktortitel gehört nicht zum Namen

 ·  Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass der „Dr.“ - anders als der „Professor“ - ein Namensbestandteil sei. Das ist er nicht, wie Bundesgerichtshof und Bundesverwaltungsgericht schon vor mehr als 50 Jahren entschieden haben.

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© dpa Vergrößern Es gibt keinen Anspruch darauf, mit „Herr Dr.“ oder „Frau Dr.“ angesprochen zu werden.

Der Doktortitel ist in Deutschland vorerst gerettet: CDU/CSU und FDP haben vor zwei Wochen einen Vorstoß von SPD, Grünen und Linksfraktion abgelehnt, die zwei Buchstaben aus Personalausweis und Reisepass zu streichen. Selbstverständlich war das nicht: Während der großen Koalition hatten Union und Sozialdemokraten noch gemeinsam dasselbe Vorhaben verfolgt, waren aber am Widerstand der Bundesländer gescheitert.

Ein verbreitetes Missverständnis ist allerdings, dass der „Dr.“ - anders als der „Professor“ - ein Namensbestandteil sei. Das ist er nicht, wie Bundesgerichtshof und Bundesverwaltungsgericht schon vor mehr als 50 Jahren entschieden haben. Vielmehr handele es sich nur um einen akademischen Grad.

„Anredefähig“ - aber der Promovierte hat keinen Anspruch darauf

Der Saarbrücker Rechtsanwalt Wolfgang Zimmerling kommt daher in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass der Doktorgrad zwar „anredefähig“ sei - dass aber der Promovierte keinen Anspruch auf Anrede damit hat. Zimmerling schließt seine Abhandlung mit der kleinen Einschränkung: „Fragen der Höflichkeit sind vorliegend nicht zu diskutieren.“

Für Arbeitnehmer gilt eine Besonderheit. Das Bundesarbeitsgericht urteilte nämlich im Jahr 1984, diese hätten „aufgrund des verfassungsrechtlich geprägten allgemeinen Persönlichkeitsschutzes“ einen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber einen von ihnen erworbenen akademischen Grad „im Geschäftsverkehr nach außen in seiner konkreten Ausgestaltung korrekt verwendet“. Das leiteten die Bundesrichter aus der „Achtung des Ansehens und der sozialen Geltung“ der Beschäftigten her.

Der „Diplomingenieur (FH)“ ist okay

Allerdings gingen sie in dem Rechtsstreit nicht so weit wie zuvor das Landesarbeitsgericht von Baden-Württemberg. Dieses hatte den TÜV dazu verurteilt, aus den Visitenkarten und Dienststempeln eines Diplomingenieurs den eingeklammerten Zusatz „FH“ zu streichen, der ihn als „bloßen“ Absolventen einer Fachhochschule kenntlich machte.

Der Prüfkonzern wolle seine Kunden damit lediglich darüber informieren, welchen Ausbildungsgang der jeweilige Ingenieur durchlaufen habe und über welche Fachkenntnisse er verfüge, befand das Bundesarbeitsgericht. „Eine Herabsetzung des Klägers oder auch nur eine Relativierung des von ihm erworbenen Diplom-Titels wird damit nicht bezweckt“, schrieb es und billigte damit dem TÜV „überwiegende schutzwürdige Interessen“ zu  (Az.: 5 AZR 501/81).

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