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Veröffentlicht: 05.09.2013, 06:40 Uhr

Flexible Arbeitszeit Bin jetzt ganz für euch da

Ist flexible Arbeitszeit wirklich familienfreundlich? Dieser Frage haben sich Forscher der Universität von Minnesota gewidmet. Das Ergebnis: Nennenswert mehr Zeit für die Kinder haben flexibel arbeitende Eltern nicht.

von Martina Lenzen-Schulte
© dapd Mehr Zeit für die Kinder? Flexibel arbeiten, heißt nicht unbedingt, dass dieser Wunsch Wirklichkeit wird.

Flexible Arbeitszeiten sind zum Synonym für familienfreundliche Arbeitszeiten geworden. Ein Gutachten des Institutes zur Zukunft der Arbeit (IZA) vom November 2010 dient sie dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als Mittel an, den Fachkräftemangel zu bewältigen. Der „Acht-Stunden-Job“ sei auf dem Rückzug, verkündet auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie auf der Homepage des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung: Bereits vier von fünf Unternehmen gingen mit der Zeit, und ließen ebendiese von ihren Mitarbeitern flexibel gestalten.

Familienmediziner und Soziologen der Universität von Minnesota in Minneapolis verpassen jedoch den naiven Hoffnungen, auf diese Weise ließen sich die grundsätzlichen Schwierigkeiten von Eltern beheben, denen die Doppelbelastung von Berufstätigkeit und Kindererziehung zusetzt, einen Dämpfer. Wechseln berufstätige Eltern von starren Arbeitszeitmodellen zu flexiblen, haben sie dennoch nicht nennenswert mehr Zeit für die Kinder und das Familienleben - wenn man die tatsächlich mit dem Nachwuchs verbrachte Zeit nicht nur subjektiv beurteilen lässt, sondern objektiv misst. Sie haben lediglich mehr Zeit für sich selbst und fühlen sich weniger unter Stress (“Journal of Marriage and Family“).

Kaum Unterschiede im Familienleben

Die Wissenschaftler nahmen die Einführung eines flexiblen Arbeitszeitmodells in einem großen Unternehmen in den Twin Cities in Minnesota zum Anlass, die sich daraus für Familien ergebenden Konsequenzen genauer zu untersuchen. Im Rahmen dieses ROWE-Modells - Results only Work Environment - wird nicht eine starre Arbeitszeit zugrunde gelegt und gemessen, sondern es wird geprüft, ob bestimmte Aufgaben erledigt wurden. Insgesamt wurden 107 Mütter und 118 Väter im Verlauf von sechs Monaten nach dem Wechsel zu diesem flexiblen Arbeitszeitmodell über ihre Erfahrungen befragt und beobachtet.

Was die Väter anging, so ergaben sich keine Unterschiede im Familienleben. Weder verbrachten sie tatsächlich mehr Zeit mit ihren Kindern, noch hatten sie den Eindruck, sich länger mit ihnen zu beschäftigen. Bei den Müttern drifteten subjektive Wahrnehmung und objektiver Tatbestand indes auseinander. Sie hatten zwar das Gefühl, ihren Kindern mehr Zeit zu widmen, aber offensichtlich war dies eher ein Wunschdenken, denn die Messdaten konnten das nicht bestätigen.

Für einen Teil der Mütter ließ sich eine geringfügige Änderung feststellen, was die Häufigkeit der Abendmahlzeiten anging. In jenen Familien, in denen die Mutter pro Woche nur dreimal mit ihren Kindern gemeinsam zu Abend aß, tat sie das unter den geänderten Arbeitsbedingungen öfter. Aber für Mütter, die auch schon zuvor mehr als drei Abendmahlzeiten mit ihren Kindern verbrachten, änderten die flexibleren Arbeitszeiten auch daran nichts.

Vorteile für die Eltern selbst

Wenngleich für die Kinder damit alles in allem nicht mehr Zeit zur Verfügung stand, ergaben sich aus der neuen Regelung immerhin Vorteile für die Eltern selbst. Abgesehen von der emotionalen Entlastung der Mütter, die sich zumindest subjektiv nicht mehr so unter Zeitdruck fühlten, berichteten die Befragten - auch die Väter -, dass sie weniger unter Stress standen. Sie waren zudem offenbar am Arbeitsplatz zufriedener. Das zumindest wollten die Autoren der Studie an der im Vergleich zu vorher geringeren Zahl von Versuchen, den Arbeitsplatz zu wechseln, ablesen.

Die Eltern gaben außerdem an, dass sie mehr Zeit für sich selbst hatten, und dass die Regelung ihrer Gesundheit zugute kam, weil sie mehr schlafen konnten und körperlich aktiver wurden. Die Wissenschaftler, die diese Daten erhoben haben, weisen darauf hin, dass man die Ergebnisse derzeit nicht verallgemeinern dürfe, denn es handele sich um Probanden, die eine gute Ausbildung besaßen und als „white collar“ Berufstätige eher einer gut bezahlten Arbeit nachgingen, die meisten hatten sogar eine Leitungsfunktion inne. Die Studie wirft gleichwohl die Frage auf, ob flexible Arbeitszeiten im Hinblick auf die Berufstätigkeit der Mütter unkritisch als Allheilmittel gelten dürfen, das automatisch verhindert, dass die Kinder zu kurz kommen.

Das gilt auch für die Betreuung anderer Angehöriger in einer Familie. Soeben werden in Großbritannien prononciert flexible Arbeitszeiten für Personen gefordert, die sich um ihre Familienmitglieder kümmern, zusammengefasst in dem jüngsten Bericht zur Situation der Pflege von Angehörigen, an dem Regierung, Arbeitgeberverbände und Selbsthilfeorganisationen beteiligt waren. Darin heißt es, dass das Recht auf flexible Arbeitsplatzgestaltung nicht nur Eltern, sondern allen Personen zustehen müsse, die jemanden aus der eigene Familie pflegen und betreuen (“British Medical Journal“, Bd. 347, S. f5320). Jeder Beschäftigte, der länger als 26 Wochen ununterbrochen an einem Arbeitsplatz tätig sei, solle künftig darauf pochen dürfen.

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Quelle: F.A.Z.

 

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