Tabledance in London
Weihnachtsfeiern in der Londoner City sind legendär. Es gibt kaum eine Chance, in der Vorweihnachtszeit ein ruhiges Restaurant zu finden: überall grölende und kreischende Mitarbeiter der Bankenmeile, an langen Tischen zusammengedrängt, Papierkronen auf dem Haupt, knallende Weihnachtscracker in der einen Hand, Sekt in der anderen Hand und hoch die Tassen. Wenn es rüder wird, tanzen die Frauen auf dem Tisch, und die Männer saufen, was spätnachts die Passagiere mit der feuchten Bescherung auf dem Boden der U-Bahn erdulden müssen. Aber es ist zünftig geworden. Die Finanzkrise hat zugeschlagen. Die Luxusfeiern, die große Investmentbanken für ihre „Masters of the Universe“ früher in den teuersten Hotels Londons abhielten, gehören weitgehend der Vergangenheit an. Was waren das noch für Zeiten, als sich die Banker der City im dunklen Anzug gegenseitig für ihren schönen Erfolg und ihre noch schöneren Bonuszahlungen auf die Schultern klopften, auf die Zockerei des nächsten Jahres tranken und nebenbei einer schönen Hostess am Ausschnitt tätschelten. Ach ja, die Hostessen: Da es in der City nur von Männern wimmelt, wurden zu den Weihnachtsfeiern der Banken oft Hostessen eingeladen - damit es lustiger wird. Als dann aber immer mehr Damen in den Bankenetagen aufstiegen und die Kolleginnen ebenfalls auf die Weihnachtsfeiern drängten, wurde es kompliziert. Im Schummerlicht des Empfangs konnten die Banker oft einfach nicht erkennen, welche Schönheit mit tiefem Ausschnitt nun Hostess und welche die leitende Mitarbeiterin im Fixed Income Sales war.
Banker im Township
Manager oder Banker aus der Kapstädter Innenstadt verirren sich normalerweise eher selten nach Gugulethu. In dem Township lebt auch heute fast ausschließlich die arme schwarze Bevölkerung. Doch vor „Mzoli’s Place“, dem bekanntesten ansässigen Lokal, parkt in der Vorweihnachtszeit eine Limousine hinter der anderen. „Es ist ein Trend, die Leute wollen einfach mal etwas anderes erleben“, erzählt Eigentümer Mzoli Ngcawuzele. Seit Wochen ist sein Township-Wirtshaus für Firmenweihnachtsfeiern ausgebucht. Anders als die feineren Etablissements in der Stadt macht Mzoli nicht viel Aufhebens um ein Weihnachtsmenü oder gar Weihnachtsdekorationen. Es gibt, was es immer gibt: Pap, ein Maismehlbrei, Chakalaka, ein scharfes Gemüsegericht, und vor allem: Unmengen von Fleisch. Letzteres wird auf einem offenen Holzkohlenfeuer gegrillt, dem in Südafrika überaus populären „Braai“. Salate oder Nachspeisen sind in diesem Teil der Welt etwas für Schwächlinge und tauchen daher erst gar nicht auf der Speisekarte auf. Allgemein halten die Südafrikaner ihre Firmenweihnachtsfeiern gerne in einer entspannten Atmosphäre ab. Oft trifft man sich am Wochenende mit der ganzen Familie zum Picknick, sitzt auf Klappstühlen, schaut den Kindern auf der Wasserrutsche zu und unterhält sich über den anstehenden Urlaub. Anfang Dezember fangen in Südafrika die langen Sommerferien an. Weihnachtliche Stimmung kommt da eher selten auf, selbst wenn ein Weihnachtsmann - wie bei der Feier von South African Airways - in einer Cessna einfliegt und bei 30 Grad Geschenke verteilt.
Wichteln in Singapur
Weihnachten ist am Äquator Party-Zeit. Zumindest hinter geschlossenen Türen. Zwar strahlt die Einkaufsmeile Orchard Road in festlichem Lichterglanz, und in den Supermärkten erklingen Choräle. Doch auf den Weihnachtsfeiern der Firmen, die ein Muss sind, ist es mit der Festlichkeit schnell vorbei. Alkohol strömt, Karaoke-Wettbewerbe werden abgehalten und Preise für die beste Verkäufer, den clownigsten Mitarbeiter oder die netteste Sekretärin ausgelobt. Keine Weihnachtsfeier aber ohne Geschenke: Normalerweise gibt es die traditionellen „door gifts“, eine Überraschungstüte vor dem Nachhausegehen für jeden Mitarbeiter. Mehr und mehr wird auch in der Tropenstadt Singapur gewichtelt. Oder jeder Mitarbeiter bekommt im Vorfeld einen Geschenke-Partner zugelost, für den es dann einkaufen gehen heißt - was die Singapurer sowieso gerne tun. All das macht den Inselbewohnern aber nur Spaß, wenn es rund um ein mehrgängiges Abendessen geschieht. Meist sind es traditionelle chinesische Speisen: Fisch, Ente, die teure Haifischflossensuppe dann, wenn das Unternehmen gut verdient hat, im Nachgang Reis und zum Abschluss Mangopudding. Alle sind pünktlich fertig: Denn in Preußisch-Asien steht schon auf der Einladungskarte das Ende der Veranstaltung vermerkt. Nach dem Pudding heißt es aufspringen und zur U-Bahn hetzen. Schließlich wird morgen wieder Geld verdient.
Arbeitsfrei am 23. - weil der japanische Kaiser Geburtstag hat
Wer in Japan im Dezember abends in eine Kneipe geht, wird fast überall Menschen treffen, die in Gruppen feiern. Belegschaften treffen sich, Freunde. Doch mit den Weihnachtsfeiern im westlichen Sinne hat das nichts zu tun. Das Christentum spielt in Japan keine Rolle. Japaner feiern im Dezember Bonenkai - mit gutem Essen und viel Alkohol. Auf ihren Bonenkai-Feiern verabschieden sie das alte Jahr. Und Weihnachten in Japan? Yukio Yoshida zögert. „Das ist das Fest, an dem sich Paare einen romantischen Abend machen“, sagt sie. Auch wenn in den Kaufhäusern der Hauptstadt Tokio seit Wochen amerikanische Weihnachtsmusik dudelt, wenn selbst in kleinen Geschäften bunt beleuchtete Weihnachtsbäume stehen und manche Getränkefirma sogar Weihnachtstee verkauft, religiöse Bedeutung hat Weihnachten in dem ostasiatischen Land nicht, in dem die Shogune jede christliche Mission mit Gewalt unterbanden. Nur rund 1 Prozent der Japaner sind Christen. Der 23. Dezember ist arbeitsfrei, weil der Kaiser Geburtstag hat. An den Weihnachtstagen wird normal gearbeitet - und abends die Ehefrau oder die Geliebte romantisch zum Dinner eingeladen und beschenkt. So gesehen, ist Weihnachten in Japan tatsächlich so etwas wie das Fest der Liebe.
Selbstzahler in New York
Was ist das verrückteste, das Sie jemals über eine Weihnachtsfeier oder ein Betriebsfest gehört haben? Das wollte der amerikanische Personalvermittler Creative Group kürzlich in einer Umfrage unter Marketingmanagern wissen - und bekam ein paar wilde Antworten: „Jemand ist nackt auf einem Riesenrad gefahren“, „alle Chefs kamen in Boxer-Shorts“, „einer brachte seine Python.“ Offen blieb, wann sich diese Dinge zugetragen haben sollen. Es ist aber zu vermuten, dass die Eindrücke nicht mehr ganz taufrisch sind, denn ausschweifende Weihnachtsfeiern scheinen in Amerika aus der Mode zu kommen. So waren Wall-Street-Banken früher für rauschende Feste in den trendigsten Clubs von New York bekannt. In den vergangenen Jahren ging es deutlich bescheidener zu: Wenn es überhaupt Feiern gab, mussten die Mitarbeiter ihre Rechnung oft selbst bezahlen. Der Pharmakonzern Pfizer lud seine Mitarbeiter früher zu opulenten Weihnachtsfeiern im New Yorker Nobelhotel Waldorf-Astoria ein. Damit ist seit etwa zehn Jahren Schluss, wie eine Mitarbeiterin erzählt, und seither wurde schrittweise der Gürtel immer enger geschnallt. Abteilungen feierten in kleinerem Rahmen erst in recht teuren Restaurants, dann in billigeren Lokalen, und für dieses Jahr wurde das Budget noch einmal so weit gekürzt, dass einige Teams nur noch ein Mittagessen organisieren. Das hat auch den charmanten Nebeneffekt, dass nicht erklärt werden muss, warum anders als früher kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird. Denn das scheint sich zu einem neuen Trend zu entwickeln: Immerhin ergab eine Umfrage des Personalberaters Battalia Winston, dass jedes fünfte Unternehmen nur noch „trocken“ feiern will.
Steife Ansprache in Italien
Wer sich die Italiener immer locker und fröhlich vorstellt, könnte auch bei einer Weihnachtsfeier Überraschungen erleben. Denn in Italien zählen Form und Etikette im offiziellen Leben weit mehr als anderswo. Wenn in italienischen Unternehmen mit Prosecco angestoßen und ein Stück „Panettone“ gereicht wird, ist eher eine steife Ansprache zu erwarten, danach noch Getuschel über die Einzelheiten, die diplomatisch verbrämt zwischen den Zeilen versteckt waren. Wie ernst die Förmlichkeit genommen wird, zeigt sich manchmal im Familienunternehmen. Wenn der Chef den Damen frohe Weihnachten wünscht, womöglich mit dem italienisch-unverbindlichen „Bussi-Bussi“ rechts und links, dann bedeutet das für die Mitarbeiterinnen vorher einen Besuch beim Friseur.
