19.03.2008 · Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern wird die Unternehmen bald noch viel härter treffen, als bisher angenommen. Bis 2010 verlieren sie 37.000 Ingenieure, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln errechnet. Doch nur 40.000 Absolventen rücken jedes Jahr nach.
Nach Einschätzung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) droht sich der Fachkräftemangel erheblich zu verschärfen. Bis zum Jahr 2010 würden jährlich etwa 37.000 Ingenieure aus dem Berufsleben ausscheiden, hat das IW errechnet. Nach 2015 steige die Zahl sogar auf 43.000.
Und der Nachwuchs aus den Universitäten ist rar: Jedes Jahr würden nur rund 40.000 junge Leute ein Ingenieur-Studium abschließen, schätzt das IW. „Sie decken somit gerade einmal den Ersatzbedarf der Unternehmen“, sagte IW-Forscher Oliver Koppel. Schon heute stünden kaum genug junge Ingenieure bereit, um ältere Kollegen zu ersetzen, die in den Ruhestand gehen.
Der Ausweg: Einwanderung?
Die Bundesregierung müsse deshalb die Einwanderung hoch qualifizierter Arbeitskräfte erleichtern. Andernfalls werde das Wirtschaftswachstum durch einen immer größer werdenden Nachwuchsmangel gebremst.
Schon heute suchten die Unternehmen händeringend nach technischen Fachkräften - vor allem im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektroindustrie. „Hier gibt es weniger Arbeitslose als offene Stellen“, sagte Koppel. Ein Grund sei, dass ingenieurwissenschaftliche Studiengänge bei jungen Leuten nicht hoch im Kurs stünden.
Verluste durch entgangene Aufträge
Allein zwischen 1998 und 2005 sei die Zahl der Absolventen um zwölf Prozent gesunken. „Deutsche Studenten meiden den steinigen Weg zum Dipl.-Ing.“, schrieb das IW. Bereits im Jahr 2006 konnten etwa 165.000 Stellen für Hochqualifizierte nicht besetzt werden - der Großteil betraf Jobs für Ingenieure oder Techniker.
Die Betriebe koste dies bares Geld: Sie müssten teure Überstunden zukaufen und notfalls Aufträge absagen. Die wirtschaftlichen Verluste durch den Fachkräfteengpass beziffert das IW für das Jahr 2006 auf 18,5 Milliarden Euro - 0,8 Prozent des erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukts.
Die IW-Forscher empfehlen den Politikern nicht nur, mehr Zuwanderung zu ermöglichen. Sie sollten auch das „schlummernde Fachkräftepotenzial“ der Frauen wecken: „Ein weiblicher Ingenieur ist eher selten, doch könnte dies sich ändern, wenn Beruf und Familie noch besser vereinbar wären.“