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Fachkräftemangel Generationenvertrag für Ingenieure

 ·  Ingenieure sind heiß begehrt und gerade Mittelständler haben im Wettbewerb mit Weltkonzernen oft das Nachsehen. Die Festo AG, ein schwäbischer Automatisierungsspezialist, lockt nun mit einem eigenen Bildungsfonds und hofft auf Nachahmer.

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Mit einem eigenen Bildungsfonds will die Festo AG dem Nachwuchsmangel bei Ingenieuren abhelfen. 5 Millionen Euro hat das Unternehmen dafür aufgebracht. Peter Speck, früher Personalchef von Festo, kümmert sich im Auftrag der beiden Gesellschafterzweige des Automatisierungsspezialisten mit Sitz in Esslingen als Geschäftsführer um den "Festo Bildungsfonds". Die Eigentümerfamilien Stoll - vertreten durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Wilfried Stoll und seinen Stellvertreter Kurt Stoll - haben das Geld zur Verfügung gestellt, um begabte Ingenieurnachwuchs zu fördern.

"Festo versteht sein Engagement im Sinne einer Corporate Educational Responsibility. Wir sind der Meinung, dass Bildung nicht nur Aufgabe des Staates ist. Die Gesellschafterfamilie möchte mit dem "Festo Bildungsfonds" eine Lösung aufzeigen, wie unternehmerisches Engagement auch im Bereich der Bildung einen wertvollen Beitrag leisten kann", sagt Speck im Gespräch mit dieser Zeitung.

Weiterbildung wird gefördert

Im Gegensatz zu einem Stiftungsmodell hat Speck mit dem Studienfinanzierungsspezialisten Career Concept den ersten firmeneigenen Bildungsfonds in Deutschland umgesetzt. Der "Festo Bildungsfonds" finanziert Lebenshaltungskosten und Studiengebühren von Studierenden und Doktoranden aus den Ingenieurwissenschaften und der Technik mit bis zu 40.000 Euro und unterstützt so ein zielgerichtetes Studium und eine kurze Studiendauer. Die spätere Rückzahlung hängt rein vom Einkommen ab, ist auf einen Maximalbetrag begrenzt und somit günstiger und flexibler als ein Studienkredit. Die Rückzahlungen der Studierenden werden im Sinne eines Kreislaufs für Auszahlungen an weitere Studierende verwendet. Die Besonderheit des "Festo Bildungsfonds" ist neben der Bereitstellung finanzieller Mittel über das Rückzahlungsmodell insbesondere die Förderung der berufsorientierten Qualifikation der Jungakademiker: Studierende und Doktoranden profitieren von einem exklusiven Netzwerk technisch orientierter Unternehmen sowie - hoffentlich - stets engagierter Professoren.

Ein Ziel ist es, neben der Förderung und Qualifizierung des Ingenieurnachwuchses ein unternehmensübergreifendes Netzwerk zu schaffen. "Unser Ziel ist es von Anfang an, den Fonds nicht zu nah an ein Unternehmen zu binden", sagt Speck. Als weitere Unternehmen, die den Studenten (Masterstudiengänge) und Doktoranden die Möglichkeit zum direkten Kontakt mit Führungskräften und der betrieblichen Praxis bieten wollen, stehen Dräger, die Edag, Heideldruck und die SGL Group gegenwärtig bereit. Mit anderen Unternehmen würden Gespräche über die Erweiterung des Unternehmensnetzwerkes geführt, meint Speck.

Zustimmung von den Hochschulen

Neben der Praxis haben sich auch bekannte Hochschullehrer der Idee des Bildungsfonds geöffnet. Die Professoren Jürgen Gausemeier (Universität Paderborn), Dieter Spath (Universität Stuttgart), Jürgen van der List (Hochschule Esslingen) und Hartmut Hoffmann von der Technischen Universität München haben sich wie die Praktiker verpflichtet, Vorträge zu halten und Exkursionen zu begleiten. Ziel dieses Netzwerkes ist es auch, den Teilnehmern ein Zusatzangebot zu offerieren, das ihre Beschäftigungsfähigkeit steigern soll. Dies gilt vor allem auch durch die Bearbeitung von Fallstudien und Projekten, bei denen der Ingenieurnachwuchs auch erste Erfahrung mit eher betriebswirtschaftlichen Themenstellungen machen kann. Im direkten persönlichen Kontakt mit Managern erhalten die Studierenden und Doktoranden einen direkten Einblick in die Realitäten der Praxis und durch Vorträge und Kolloquien der Netzwerk-Professoren interessante Einblicke in die wissenschaftliche Forschung. Parallel hierzu können sie an Seminarangeboten - auch E-Learning-Plattformen - mit spezifischen, berufsvorbereitenden Inhalten teilnehmen.

Das neue Modell soll weitere Unternehmen motivieren, einen Beitrag zum Abbau des akademischen Fachkräftemangels und für die Zukunftssicherung des Standortes Deutschland zu leisten. Der Partner Career Concept setzt bereits seit fünf Jahren Bildungsfonds um, in die bisher vor allem von vermögenden Privatpersonen und Stiftungen investiert wurde. Mit dem "Festo Bildungsfonds" engagiert sich nun erstmals auch ein Unternehmen mit einem Betrag. Damit liefert der "Festo Bildungsfonds" als Best-Practice-Beispiel die Antwort auf ein Problem, auf das wiederholt von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft hingewiesen wurde. Dem Beispiel von Festo folgend, haben bereits weitere Unternehmen ihr Interesse an einem unternehmenseigenen Bildungsfonds angemeldet. "Die Wirtschaft muss und wird sich in den kommenden Jahren verstärkt um die Förderung ihrer zukünftigen Mitarbeiter kümmern. Unternehmen müssen aktiv werden und innovative Wege gehen, wenn sie ihre Chancen auf beste Nachwuchsmitarbeiter wahren und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung angemessen gerecht werden möchten", sagt David Schmutzler, Vorstandsvorsitzender von Career Concept.

Quelle: F.A.Z., 16.07.2007, Nr. 162 / Seite 18
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