14.10.2007 · Wer ein Fachbuch veröffentlicht, kann seinen Ruf im Unternehmen verbessern. Autoren klettern auf der Hierarchieleiter schneller nach oben. Finanziell lohnt sich die monatelange Arbeit an einem Buchprojekt dagegen kaum.
Von Julia LöhrJörg Schwerdtfeger hat die Stunden nicht gezählt, die er an seinem Buch „Die steuerliche Behandlung von Kapitalanlageprodukten“ geschrieben hat. „Aber ein halbes Jahr war es bestimmt, neben der laufenden beruflichen Tätigkeit“, erinnert sich der 40-Jährige, der als Senior Manager bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC arbeitet. Durchtippte Wochenenden am heimischen Computer, Urlaubstage in Bibliotheken mit steuerlicher Fachliteratur — es gibt schönere Freizeitbeschäftigungen. Trotzdem habe sich die Arbeit gelohnt. „Ein Buch ist ein guter Weg, um innerhalb des Unternehmens auf sich aufmerksam zu machen und nach außen Kompetenz zu zeigen.“
Nicht nur Vorstandsvorsitzende und Managementgurus können sich mit einem Buch ein Denkmal setzen. So wie Schwerdtfeger erschreiben sich auch viele Berufstätige aus mittleren Hierarchieebenen ein kleines Stück Ewigkeit. Wer träumt nicht davon, einmal seinen Namen auf einem Buchdeckel gedruckt zu sehen? Zwar schaffen es die fachspezifischen Titel in der Regel nicht auf die Bestsellerlisten von Spiegel & Co. Um sich einen Namen in der Branche zu machen, eignen sie sich aber allemal.
Aussicht auf lukrative Vortragsjobs
„Eine Buchveröffentlichung kann die Karriere beschleunigen“, bestätigt Literaturagent Oliver Gorus. Er hat sich auf die Vermittlung von Sachbüchern spezialisiert und bei seinen Autoren die Erfahrung gemacht, dass Bücher Türöffner für eine Beförderung oder den Wechsel zu einem interessanteren Arbeitgeber sind. Die gestiegene Bekanntheit kann sich zudem bei Gehaltsverhandlungen auszahlen.
Die Mehrzahl der Sachbuchautoren sind allerdings nicht Angestellte, sondern Freiberufler. Besonders für Trainer und Berater eignen sich Bücher als Marketinginstrument. „Sie erleichtern die Kundenakquise“, weiß Jürgen Hesse, Leiter des Büros für Berufsstrategie und selbst Autor mehrerer Ratgeber. Auch Kongressveranstalter suchen gerne in den Programmen der Verlage, wenn sie gutdotierte Vortragsjobs zu vergeben haben. Manch selbständiger Autor kann außerdem bei seinen Auftraggebern höhere Tagessätze aushandeln.
Doch nicht jede Veröffentlichung führt automatisch zu einem Karriere- und Verdienstsprung, warnen Personalprofis. Entscheidend ist, in welchem Bereich jemand tätig ist. „Wer strategisch arbeitet, etwa in einer Unternehmensberatung oder in einer Anwaltskanzlei, dem hilft ein gut geschriebenes Fachbuch zweifellos bei der Karriere“, sagt Eberhard von Rundstedt, Geschäftsführer der gleichnamigen Personalberatung. „In operativen Bereichen sieht das anders aus.“ Bei Vertriebsexperten und Ingenieuren könne es schnell als Zeichen akademischer Abgehobenheit missverstanden werden. Für den Personalberater spielen Buchveröffentlichungen bei der Suche nach geeigneten Köpfen nur eine untergeordnete Rolle. Interessant seien sie vor allem dann, wenn der Lebenslauf eines Kandidaten noch nicht allzu viele berufliche Stationen aufweist oder wenn sie zeitliche Lücken erklären.
Aus der Masse abheben
Ob ein Buch das Image beflügelt, hängt auch davon ab, in welchem Verlag es erscheint. Ein anerkannter Name sollte es unbedingt sein. Zu den renommiertesten Adressen für Wirtschaftsbücher zählen zum Beispiel Campus, Econ und Schäffer-Poeschel. Gelingt einem Autor dort der Sprung aus der Masse der unverlangt eingesandten Vorschläge ins Programm, ist das für Außenstehende bereits Qualitätssiegel genug. Da kommt es auf den Inhalt gar nicht mehr so an. Aber auch nur unter Insidern bekannte Spezialverlage können sich für eine Veröffentlichung eignen.
Die Lektoren achten bei der Auswahl neuer Titel in erster Linie auf ein innovatives Konzept. Das kann eine provokante These sein oder eine neuartige Gliederung. Hauptsache, es gibt so etwas noch nicht auf dem Markt. Das x-te Standardwerk zum Thema Projektmanagement dürfte dagegen auf wenig Gegenliebe stoßen.
Wie es geht, zeigt das Beispiel Ralph Scheuss. Er überzeugte mit seinem „Sprung des Drachen“ den Campus-Verlag. „Mir hat die Gliederung sofort gefallen“, sagt Rainer Linnemann, Lektor für Wirtschaftsfachbücher bei Campus. Dass er von dem Autor vorher noch nichts gehört hatte, störte ihn nicht. In diesem Herbst zählt das Buch über den Umgang mit chinesischen Wettbewerbern zu den Spitzentiteln des Verlags im Bereich Business & Management.
Von der Veröffentlichung auf eigene Faust — etwa bei Books on Demand — raten Experten dagegen ab. „Das ist selten sinnvoll“, meint Karriereberater Hesse. Nicht nur, weil es Geld kostet. Wer im Eigenverlag veröffentlicht, läuft auch Gefahr, als Versager wahrgenommen zu werden. Falls die namhaften Verlage absagen, rät Literaturagent Gorus dazu, die Gliederung zu überarbeiten, statt auf gut Glück loszuschreiben. „Es gibt kein Buchkonzept, das auf Anhieb durchgewunken wird“, tröstet er.
Geduld brauchen Autoren auch dann, wenn sie einen der begehrten Verlagsverträge ergattert haben. Allein das Schreiben nimmt oft drei bis sechs Monate in Anspruch. Bei komplexen Themen kann es sogar ein Jahr sein. Mindestens ebenso lange dauert es, bis sich der erhoffte Imagegewinn einstellt, der Titel in wissenschaftlichen Arbeiten zitiert wird oder Seminarveranstalter ihn als Hintergrundlektüre empfehlen.
Reich wird man selten
Was den finanziellen Erfolg angeht, ist Demut gefragt. Abgesehen von eventuellen Gehaltssteigerungen lässt sich mit Büchern kaum Geld verdienen. Je verkauftem Exemplar erhalten die Autoren in der Regel zwischen 5 und 10 Prozent des Nettoladenpreises. Das klingt auf den ersten Blick nicht schlecht. Doch da Sachbücher häufig nur in Auflagen von 1000 bis 3000 Stück erscheinen, springt in vielen Fällen noch nicht mal ein Monatsgehalt bei der Sache heraus. Glücklich kann sich schätzen, wer einen Vorschuss aushandelt. Den darf der Autor nämlich unabhängig vom Verkaufserfolg behalten. „Das hängt von der Marktkalkulation des Verlags und der Stellung des Autors ab“, erklärt Lektor Linnemann.
„Bücher machen nicht reich“, bekräftigt PWC-Experte Schwerdtfeger. Das Honorar sei zumindest nicht der Grund, warum er zum Wiederholungstäter geworden ist. Inzwischen sitzt Schwerdtfeger als Co-Autor bereits am dritten Buch, diesmal geht es um die Aktivitäten von Auslandsbanken in Deutschland. „Wenn ein Manuskript fertig ist, sage ich mir jedes Mal: ,Nie wieder.‘“ Aber dann werde er doch wieder schwach. Warum? „Der Spaß kommt mit dem Erfolg.“
Wege zum Erfolg:
- Wer ein Buch veröffentlichen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten: Entweder schickt er das Konzept samt Gliederung und Lebenslauf direkt an die passenden Verlage. Oder man schaltet einen Literaturagenten ein. Die Vermittler erhalten im Erfolgsfall zwischen 15 und 20 Prozent der Einnahmen. Bei Angestellten kümmert sich gelegentlich auch der Arbeitgeber um die Suche nach einem Verlag.
- Ist der Verlagsvertrag unterschrieben, benötigen selbst geübte Autoren mindestens acht Wochen bis zur Abgabe des Manuskripts. Neulinge sollten mindestens sechs Monate einkalkulieren. Meist dauert es ohnehin länger als geplant. Ghostwriter sind aus Kostengründen nur für etablierte Autoren interessant. Vor der Abgabe empfiehlt es sich, einen Kollegen den Text auf fachliche Fehler gegenlesen zu lassen.
- Wenn das Buch auf dem Markt ist, sollten die Autoren die Vermarktung im Blick behalten. Verlage unterscheiden A-, B- und C-Titel, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung konzentrieren sich auf die Top-Bücher. Weniger wichtige Autoren erhalten aber in der Regel eine bestimmte Zahl von Freiexemplaren. Nicht nur interessierte Kollegen und Vorgesetzte freuen sich über eines, sondern auch Fachzeitschriften und Universitäten.