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Existenzgründung Eine Idee, sechs Wochen Zeit

 ·  Gründerwettbewerbe sind eine wertvolle Hilfe für den Start des eigenen Unternehmens. Dabei geht es nicht nur ums Preisgeld: Eine Patenschaft oder ein Coaching bewirken manchmal mehr als eine Finanzspritze.

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Die Semesterferien haben längst begonnen, aber im altehrwürdigen Senatssaal der Ludwig-Maximilians-Universität in München schwitzen noch 30 Studenten. Sie haben die letzte Gelegenheit, die Jury des "5-Euro-Business"-Wettbewerbs von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen. So wie Clea von Ammon, Nathalie Winking und Ludwig Haberda: Die drei Lehramtsstudenten haben ein Internetportal entwickelt, auf dem Studenten ersteigert werden können - für Nebenjobs. "Das bringt bei der Jobsuche eine enorme Zeitersparnis gegenüber den üblichen Pinnwänden - und garantiert den Studis außerdem den besten Stundenlohn Münchens", sagt Clea von Ammon. Startkapital der drei waren fünf Euro. Daraus sollte innerhalb von sechs Wochen ein kleines Unternehmen werden, so will es der Wettbewerb. Insgesamt sieben Teams haben es ins Finale geschafft: Eines von ihnen wird am Ende 1000 Euro für die eigene Unternehmensgründung gewinnen.

Nur wenige Kilometer entfernt von der Universität befindet sich das Büro des Internet-Start-ups "Andunite", mit dem die Gründer Christian Schmidkonz und Bernd Storm van's Gravesande die Suchmaschinen-Bedienung revolutionieren wollen. Sie haben damit geschafft, wovon die Studenten von "Studi-Auktion" noch träumen: Im Frühjahr gewannen sie den Gründerwettbewerb "Mit Multimedia erfolgreich starten" des Bundeswirtschaftsministeriums und wurden auf der Cebit ausgezeichnet. "Als im Februar das Telefon klingelte und eine freundliche Dame uns sagte, dass wir den Wettbewerb gewonnen haben, habe ich mich gefühlt, als hätte ich im Lotto gewonnen", erzählt Storm van's Gravesande. Dabei hatten die beiden nie ernsthaft an einen Sieg geglaubt: Zuvor hatten sie schon bei kleineren, regionalen Wettbewerben teilgenommen und kein Glück gehabt. "Wir haben eine verrückte Idee und deswegen brauchten wir auch einen verrückten Juror, der das mitmacht", sagt Schmidkonz.

Auf ihrem Internetportal bieten sie die Möglichkeit, sich in der Internetrecherche mit anderen zu vernetzen, die mit den denselben Begriffen in Suchmaschinen gesucht haben. "So können sich ganze Teams bilden, innerhalb deren man die Suchbegriffe weiterleitet und direkt Kontakt aufnimmt", erklärt Storm van's Gravesande. "Wir bringen so die soziale Komponente in die Internetsuche." Finanziert wird die Seite über Kooperationsverträge mit den großen Suchmaschinen wie Google. Andunite steht erst am Anfang, festangestellte Mitarbeiter gibt es noch nicht. Deswegen waren die 25 000 Euro Preisgeld ein wichtiger Baustein für ihr Geschäft. "Aber das Geld ist nicht das auslösende Moment. Wichtig war uns vor allem eine Bestätigung unserer Idee von außen", sagt Storm van's Gravesande. Mit dem Sieg haben sie nicht zuletzt auch die Öffentlichkeit erreicht und wichtige Kontakte mit potentiellen Kunden geknüpft.

Wer mit seiner Geschäftsidee an einem Gründerwettbewerb teilnehmen möchte, der sollte sich zunächst einen Überblick über die verschiedenen Wettbewerbe verschaffen. Das Angebot ist sehr vielfältig und zum Teil auch unübersichtlich. So existieren neben Multimedia-Wettbewerben auch spezielle Wettbewerbe für Gastronomen, Chemiker und Techniker. Eine gesicherte Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums über die Anzahl der Wettbewerbe gibt es nicht. Kein Wunder: Jedes Jahr kommen mindestens zwei neue dazu. Die Mehrheit solcher Wettbewerbe ist regional oder sogar kommunal gebunden. Dies ergab eine vergleichende Studie von 67 ausgewählten Gründerwettbewerben aus dem Jahr 2007 von VDI/VDE/IT, einer Gesellschaft für Forschungsförderung im Hightech-Bereich. Laut der Studie ist die Zahl der bundesweiten und regionalen Wettbewerbe seit 2002 gestiegen. Das Preisgeld variiert zwischen 1000 Euro und sechsstelligen Beträgen.

Hilfe in der Suche nach dem richtigen Wettbewerb bietet das Portal "Biz-Awards". Insgesamt 90 Gründerwettbewerbe sind hier aufgelistet. "Allerdings haben wir kleinere Stadtpreise bisher nicht aufgeführt - da würde der Überblick schnell verlorengehen", sagt Mario Böhl von Biz-Awards. Neben der Auflistung hilft das Portal Gründern bei der Auswahl des richtigen Wettbewerbs, der Anmeldung bis hin zur Erarbeitung des Business-Plans, der in solchen Wettbewerben eingereicht werden muss. "In der letzten Zeit stellen wir eine verstärkte Nachfrage fest. Das Klima für Gründer hat sich wieder verbessert", sagt Böhl.

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