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Veröffentlicht: 01.02.2016, 08:52 Uhr

Burnout Wenn die Seele zurückschlägt

Auf einmal ging nichts mehr: Jürg Wenger, Betriebswirt mit guter Position warf sich mitten im Einkaufszentrum auf den Boden, fuchtelte mit den Armen und schrie. Hilferufe eines Mannes, der psychisch am Ende war. Hier erzählt er, wie sich der Burnout anfühlt.

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© dpa Regenwetter für die Seele: Wie sich der Burnout anfühlt.

Das sogenannte Burnout kennen die meisten, zumindest vom Hörensagen. Das Syndrom ist kein anerkanntes Krankheitsbild, sondern umfasst psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen. Die Burnout-Diagnose beschreibt einen Zustand emotionaler Erschöpfung, Widerwillen gegen die aktuelle Tätigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit.

Jürgen  Dunsch Folgen:

Und doch hat jeder Fall seine eigene Geschichte. Für den Schweizer Jürg Wenger, einen sportlichen Typen im Alter von 46 Jahren, wurde der 7. Februar 2013 zum Schicksalstag. Während des Mittagessens in einem Einkaufszentrum ging nichts mehr. Der studierte Betriebswirt mit guter Position im Netzwerkausrüster Cisco warf sich auf den Boden, fuchtelte mit den Armen und schrie - Hilferufe eines Mannes, der psychisch am Ende war. Der begleitende Kollege rief den Krankenwagen, der Wenger in ein Krankenhaus brachte.

Wenn der Schweizer heute über seine damaligen Rufe „Ich kann nicht mehr“ spricht, dann erinnert er sich genau. Ihm war klar, dass er seine Karriere ruinieren würde, aber es war ihm gleichgültig geworden. Den Zusammenbruch konnte und wollte er wohl auch nicht mehr verhindern. Die Ärzte schrieben ihn für zwei Wochen krank. Sie sagten, somatisch sei er gesund, aber er benötige psychotherapeutische Hilfe. Die erste erhielt er über die telefonische Nothilfe seines Arbeitgebers, wo ihn ein verständnisvoller Gesprächspartner etwas stabilisieren konnte. Daneben brachte die empfohlene Atemtherapie eine leichte Besserung. Aber alles war nur eine Art Erster Hilfe. Mehr lag nicht drin.

Klaustrophobische Anfälle im Flugzeug, Angstzustände in der Nacht

Warnzeichen für den heraufziehenden Zusammenbruch hatte es zuvor gegeben, aber sie waren ihm nicht klar, erzählt der ehemalige Leiter der Servicesparte von Cisco in der Schweiz, wo er Anfang 2012 begonnen hatte. Sie hatten etwa vier Monate vor dem Kollaps begonnen. Ein Alarmsignal waren Schlafstörungen. Als noch deutlich schlimmer entpuppten sich die Panikattacken, auch wenn sie nach drei bis 30 Minuten wieder vorüber waren. Wenger nennt klaustrophobische Anfälle im Flugzeug und im Zug sowie Angstzustände in der Nacht. Endgültig aus der Bahn warf ihn dann die Ablehnung eines Ferienantrags, verbunden mit der Mitteilung seines Vorgesetzten, er könne nicht mehr an den Quartalsenden Urlaub nehmen. Wenger erkannte schnell: Damit waren Ferien mit seiner Frau und den zwei schulpflichtigen Kindern bis auf weiteres passé.

 
Die meisten kennen den #Burnout nur vom Hörensagen. Hier erzählt ein Manager, wie er sich anfühlt.

Wenn der Manager rückblickend seine Situation analysiert, dann spricht er von einem negativen Zusammenspiel aus Arbeitsumfeld, Anforderungen an ihn und eigener Persönlichkeitsstruktur. Nicht gerade hilfreich dürfte gewesen sein, dass er bei seinem vorhergehenden Arbeitgeber nicht heimisch geworden war und jetzt unter dem Druck stand, sich selbst und seinem Unternehmen eine gute Wahl zu bescheinigen. Er definiere sich keineswegs nur über seine Arbeit, stellt Wenger klar, aber er habe stets hohe Ansprüche an sich gestellt.

Die Absicht war eindeutig: Er wollte alle möglichen Erwartungen erfüllen. Entsprechend ging das Burnout mit einem „Machtverlust gegen seine eigene Psyche“ einher, wie der Gesprächspartner im Rückblick formuliert. Jürg Wenger glaubt, dass das Burnout eines Angestellten für den Arbeitgeber grundsätzlich schwierig zu handhaben ist. Er zeige Anteilnahme, fühle wohl auf unbestimmte Art und Weise ein Stück Mitverantwortung, kenne die Antwort aber nur vage und sei von der Persönlichkeit des Betroffenen zu weit entfernt. Wenger findet den Vergleich mit Kondolenzbezeugungen in einem Trauerfall ziemlich passend. Sie betreffen ein schlimmes Ereignis, das jedoch von der eigenen Befindlichkeit ziemlich weit weg ist.

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