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Veröffentlicht: 20.11.2010, 07:05 Uhr

Englische Arbeitszeugnisse „You will be lucky to have him“

Die Bankenwelt ist international. Englische Arbeitszeugnisse werden deshalb immer beliebter. Doch sie haben ihre Tücken. Denn schlecht übersetzte Floskeln wirken oft ironisch.

© dapd Dienstort London: Wer hier anheuern will, muss mehr als Schulenglisch können

Es gibt Empfehlungen, die mehr schaden als nützen: „He left us with enthusiasm“ oder „You will be lucky to have him to work for you“ gehören zweifellos dazu - besonders wenn sie als gutgemeinte Abschiedsformeln am Ende eines englischen Arbeitszeugnisses stehen. Im besten Fall wird der potentielle neue Arbeitgeber über solche allzu direkten Übersetzungen deutscher Zeugnisformeln schmunzeln, im schlechtesten Fall kommt er zur Überzeugung, der Bewerber konnte es kaum erwarten, den alten Arbeitgeber zu verlassen. Zu einer Einstellung werden solche Empfehlungen wohl kaum führen.

Das Problem: Schlecht übersetzte Floskeln in Arbeitszeugnissen wirken oft ironisch. Aber auch sonst hat die Übertragung von Arbeitszeugnissen in die englische Sprache ihre Tücken. Dabei nimmt der Bedarf an englischen Arbeitszeugnissen besonders in der Finanzbranche immer mehr zu. „Fünf Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland wünschen sich Arbeitszeugnisse in englischer Sprache“, sagt Hochschullehrer Arnulf Weuster, der schon mehrere Ratgeber zu diesem Thema verfasst hat. In Zeiten der Globalisierung gehen Beschäftigte häufiger ins Ausland, und mehr ausländische Mitarbeiter kommen nach Deutschland - viele brauchen deshalb ein Arbeitszeugnis in englischer Sprache. Doch das ist einfacher gesagt als getan: Die codierte deutsche Zeugnissprache lässt sich nur schwer so übersetzen, dass die Bewertungen auch im Ausland richtig verstanden werden. „Es gibt in der deutschen Zeugnissprache die ein oder andere Feinheit, die nur schwer zu übersetzen ist“, sagt Weuster; deshalb bleibt die Interpretation im Ausland schwierig.

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Erkundigung direkt am Telefon

In den meisten Ländern haben Arbeitszeugnisse einen geringeren Stellenwert als in Deutschland. Häufig sind einfache Arbeitszeugnisse ohne Beurteilungen üblich. Aber auch im Ausland informieren sich Unternehmen über Bewerber. Wer sich bei Banken oder Versicherungen im angelsächsischen Raum bewirbt, wird erfahren, dass sich die Arbeitgeber am liebsten direkt per Telefon beim früheren Chef erkundigen. Grenzüberschreitend ist diese Art, Informationen einzuholen, allerdings mühsam, deshalb werden Referenzschreiben und Zeugnisse immer beliebter. In Englisch verfasst sind sie nicht nur im angelsächsischen Raum und anderen englischsprachigen Gebieten wie Indien oder Hongkong einsetzbar, sondern international; das heißt auch in nicht anglophonen Ländern von Skandinavien bis Südeuropa.

Im Gegensatz zu Zeugnissen in Deutsch sind Arbeitgeber selten dazu verpflichtet, ein Zeugnis in Englisch auszustellen. Anspruch auf ein Zeugnis in einer Fremdsprache hat ein Arbeitnehmer nur, wenn diese das Arbeitsverhältnis maßgeblich geprägt hat. Viele Unternehmen stellen trotzdem englische Zeugnisse aus. „Ein Großunternehmen kann über Zeugnisse in englischer Sprache sein Image als attraktiver Arbeitgeber oder als internationales Unternehmen mitprägen. Zeugnisse sind Visitenkarten des Unternehmens“, schreibt Weuster in seinem Praxisleitfaden „Arbeitszeugnisse in Textbausteinen Deutsch-Englisch“.

Die Form wahren

Prinzipiell sollte bei Arbeitszeugnissen eine bestimmte Form gewahrt werden. Am Anfang eines Arbeitszeugnisses steht eine Einleitung, die vor allem Name, Tätigkeitsfeld und Dauer des Beschäftigungsverhältnisses beinhaltet. Darauf folgen eine Aufgabenbeschreibung und die Beurteilung von Leistung und Erfolgen. Da Fachbegriffe auch in Deutschland häufig in Englisch beschrieben werden, ist hier besondere Vorsicht geboten, ob es sich um international übliche Begriffe handelt oder anglisierte deutsche Ausdrücke.

Wichtig ist auch die Bewertung des Sozialverhaltens. Ein Schlussabsatz sollte sich mit der Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses, Empfehlungen und Zukunftswünschen befassen. Vor allem dieser Teil eines Zeugnisses ist wichtig. Fehlt eine Empfehlung am Schluss, verliert auch ein sonst perfektes Zeugnis an Aussagekraft.

Quelle: F.A.Z.

 

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