14.11.2007 · Das neue Elterngeld kommt bei Vätern an. Fast 10 Prozent nutzen die Chance auf eine Auszeit - die allerdings in den meisten Fällen nur zwei Monate beträgt.
Von Uta RascheDas zu Jahresbeginn eingeführte Elterngeld hat die Anzahl der Väter, die Elternzeit nehmen, von 3,5 Prozent im Jahr 2006 auf derzeit 9,6 Prozent ansteigen lassen. Die Mehrzahl der Männer (57 Prozent) beantragt allerdings nur zwei "Vätermonate", jeder fünfte ein ganzes Jahr. Von den Müttern beantragten 86 Prozent das Elterngeld für ein Jahr, nur ein Prozent für zwei Monate, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Anteil der Väter, die Elternzeit nehmen, liegt in Berlin (12,4 Prozent) und Bayern (11,2 Prozent) am höchsten, am niedrigsten im Saarland (5,8 Prozent).
Die Einführung des Elterngeldes ist die erste familienpolitische Maßnahme, deren Effekte im Auftrag des Familienministeriums zeitnah erforscht werden. Denn die Bundesregierung verspricht sich nicht nur eine stärkere Beteiligung der Väter an der Säuglingspflege, sondern auch eine Steigerung der Geburtenrate - insbesondere unter gut ausgebildeten Frauen, die bisher durchschnittlich am wenigsten Kinder bekommen. Entsprechend erfreut zeigte sich am Dienstag die Familienministerin: "Wir sehen, dass das Elterngeld den richtigen Ansatz verfolgt", sagte Frau von der Leyen (CDU) in Berlin.
Geburtenzahl geht trotzdem zurück
Der Effekt auf die Geburtenzahl ist hingegen weniger deutlich: Im ersten halben Jahr 2007 wurden 313.079 Kinder geboren. Das waren 0,2 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Geburtenzahl sinkt also weiter, wenn auch in geringem Tempo. Das Familienministerium sieht auch dies als Erfolg. Denn die Zahl der Frauen im "gebährfähigen Alter", also zwischen 15 und 45 Jahren, habe zwischen 1996 und 2006 um 900.000 abgenommen. Daraus errechnet es eine steigende Geburtenrate, die allerdings das Statistische Bundesamt auf Nachfrage nicht bestätigen kann.
Ein Drittel der Mütter und Väter erhält den Mindestbetrag des Elterngelds (300 Euro monatlich), fünf Prozent bekommen 1500 Euro oder mehr. Familienverbände kritisieren am Elterngeld, dass es gutverdienende Mütter bevorzugt. Zweit- und Drittgebärende, die nach dem ersten Kind nicht wieder gearbeitet haben, würden benachteiligt, weil sie nicht 67 Prozent ihres letzten Nettogehalts erhalten, sondern nur den Minimalbetrag zuzüglich eines eventuellen Geschwisterbonusses.