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Duales System Ausbildung made in Germany

Lange verkannt, wird das deutsche duale System im Kampf gegen die grassierende Jugendarbeitslosigkeit zum Exportschlager. Die Hoffnungen im Ausland sind groß, die Gefahren zu scheitern aber auch.

© Cyprian Koscielniak Vergrößern

Barack Obama - einen besseren Werbeträger könnte sich das deutsche Handwerk nicht wünschen. Und bezahlen ließe sich der Präsident der Vereinigten Staaten vermutlich auch nicht. Aber die Frage stellte sich auch gar nicht, denn der mächtigste Mann der Welt rührte gratis die Werbetrommel, als er vor wenigen Tagen in seiner „Rede zur Lage der Nation“ ausgerechnet für die duale Ausbildung in Deutschland eine Lanze brach. „Diese deutschen Kids sind bereit für den Job, wenn sie die Schule abschließen“, sagte Obama. Deutsche Jugendliche verließen die Schulen mit einem handwerklichen Abschluss, der den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes auch entspreche. Für amerikanische Verhältnisse anscheinend ein kühner Ansatz, wenn ihn der Präsident derart hervorhebt und zum Vorbild für das eigene Land erklärt.

Das duale Ausbildungssystem, dass mit seiner typischen Mischung zwischen Schul- und Werkbank außer in Deutschland auch in Österreich und der Schweiz bekannt ist, mutiert zum globalen Hoffnungsträger. Die Weltwirtschaftskrise hat die Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern in die Höhe schnellen lassen. Allein in Europa suchen offiziell fast 6 Millionen junger Menschen unter 25 Jahren nach Beschäftigung. In Spanien und Griechenland liegen die Quoten längst über der Marke von 50 Prozent. Sozialer Sprengstoff, der die Politiker in den betroffenen Ländern gehörig unter Druck setzt. Also schauen sie nach Deutschland, das mit 8 Prozent die niedrigste Quote des Kontinents aufweist. Lerne von den Besten, heißt das Motto. Und als Schlüssel zum Erfolg gilt die duale Ausbildung. „Unser erfolgreiches System der beruflichen Bildung kann für viele Länder ein wichtiger Schlüssel zur Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit sein“ - mit solchen Aussagen hat etwa die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan die Erwartungen im Ausland noch geschürt. Zumal sich die Arbeits- und Sozialminister der G-20-Länder schon im Herbst 2011 in Paris brennend für die deutsche Erfolgsformel interessierten.

Lange war der Ruf eher zweifelhaft

Ein erstaunlicher Wandel, genoss die duale Ausbildung doch lange Zeit international eher einen zweifelhaften Ruf. Die OECD in Paris rüffelte Deutschland jahrelang für seine niedrige Akademikerquote und ignorierte konsequent die Hinweise deutscher Bildungsfachleute, dass sich ein deutscher Geselle mit seinen Fähigkeiten nicht hinter einem italienischen Dottore verstecken müsse.

Heute kann sich die deutsche Politik vor Nachfragen aus dem Ausland kaum noch retten. Einige sprechen schon spöttisch vom „Ausbildungstourismus“. Auf einer Fachveranstaltung der Bundesagentur für Arbeit im Januar in Berlin berichtete Arbeitsministerin Ursula von der Leyen von einem Besuch in Italien, das gerade die duale Ausbildung einführt. Auch Schweden, das sonst häufig als Musterknabe gilt, leidet unter einer hohen Jugendarbeitslosigkeit. Deshalb wird das Land bald die duale Ausbildung einführen, wie Eva Lindh-Pernheim sagt, die Leiterin der nationalen Arbeitsverwaltung. „Es ist ein Versuch“, räumt die Schwedin ein und ist sich selbst nicht sicher, ob die hohen Erwartungen erfüllt werden können. Ihre spanische Kollegin Reyes Zatarain del Valle ist da schon optimistischer. Die Iberer haben mit Deutschland eine Berufsbildungskooperation abgeschlossen und sind mit der Einführung entsprechender Strukturen weit vorangeschritten. Viele deutsche Unternehmen bilden in Spanien schon entsprechend aus, so zum Beispiel der Autohersteller Volkswagen in seinem Tochterunternehmen Seat. Der Staat unterstützt vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, die ausbilden. Die Sozialabgaben werden zum Beispiel um 1500 Euro je Lehrling im Jahr gekürzt, bei Frauen sind es sogar 1800 Euro weniger. „Denn schaffen müssen die Ausbildungsplätze natürlich die Unternehmen“, weiß Zatarain del Valle.

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Um der steigenden Nachfrage aus dem Ausland noch nachkommen zu können, richtet das Bundesbildungsministerium gerade eine zentrale Anlaufstelle ein. Diese wird beim Bundesinstitut für Berufsbildung, kurz BIBB, angesiedelt sein. Der Bund will über diese Beratungsstelle sichergehen, dass der Ruf der „Marke deutsche Berufsbildung“ erhalten bleibt.

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Veröffentlicht: 26.02.2013, 08:37 Uhr