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Veröffentlicht: 31.01.2017, 12:45 Uhr

Digitalisierung Kollege Roboter soll aussehen wie ein Mensch

Sitzen in 20 Jahren Roboter im Vorstand von Konzernen? Der Telekom-Personalchef kann sich das vorstellen - und macht seine Belegschaft mit ungewöhnlichen Maßnahmen fit für diese Zeiten.

von
© Deutsche Telekom AG/Norbert Itte Demnächst Vorstandskollegen? Christian Illek mit Roboter Pepper.
 
Der Telekom-Personalvorstand Illek kann sich vorstellen, dass Roboter in die Konzernvorstände einziehen
 
Die Telekom macht Mitarbeiter fit für die Digitalisierung und führt neuerdings Buch über Kompentenzlücken
 
Schon heute diskutiert ein Chatbot bei T-Mobile Austria mit Kunden - er soll auch nach Deutschland kommen

Der Telekom-Personalchef Christian Illek kann sich vorstellen, eines Tages mit einem Roboter als Vorstandskollegen zusammenzuarbeiten. Er ist nicht allein mit dieser Meinung: Mehr als 20 Prozent der Führungskräfte in deutschen Unternehmen können sich in 20 Jahren einen Roboter im Top-Management vorstellen. 39 Prozent glauben dagegen, dass dies unmöglich ist. Diese Einschätzungen hat die Telekom per Umfrage unter 1000 Entscheidern in großen und mittelständischen deutschen Unternehmen herausgefunden, die sie beim Meinungsforschungsinstitut TNS in Auftrag gegeben hat.

Nadine Bös Folgen:

In etwa jedem fünften Unternehmen sind demnach schon jetzt Roboter oder Algorithmen im Einsatz. 18 Prozent der Befragten können sich Roboter schon heute als Kollegen vorstellen. Vielerorts ist künstliche Intelligenz allerdings auch noch gar kein Thema: 44 Prozent der Betriebe planen gar keinen Einsatz von intelligenten Maschinen.

Gefragt nach den Wunscheigenschaften von Roboterkollegen legt fast die Hälfte der Führungskräfte Wert auf Berechenbarkeit. Und jedenfalls äußerlich soll der Roboter gern an ein echtes Teammitglied erinnern. 37 Prozent sagten, sie würden es schätzen, wenn die künstlichen Kollegen „menschliche Züge“ aufwiesen. Allzu menschenähnlich dann aber doch wieder nicht: Auf die Frage, ob sie lieber männliche oder weibliche Roboterkollegen hätten, antwortete die klare Mehrheit, dass ihnen ein neutrales Geschlecht am liebsten wäre.

Fast ein Drittel der Befragten würde sich freuen, wenn die Roboterkollegen mehr Wissen hätten als sie selbst. Furcht davor, selbst von Robotern ersetzt zu werden, herrscht bei weniger als einem Fünftel der Befragten. Allerdings glauben 26 Prozent der Führungskräfte, dass in den nächsten zehn Jahren mehr als 40 Prozent der Tätigkeiten in ihrem Unternehmen durch intelligente Maschinen überflüssig gemacht werden.

Künstliche Kollegen auf dem Vormarsch

Auch im Telekom-Konzern selbst sind künstliche Kollegen auf dem Vormarsch: Bei T-Mobile Austria kommuniziert seit zwei Jahren der Chatbot „Tinka“ mit Kunden. Das Computer-Dialogsystem kann mit Textnachrichten auf Fragen antworten, zum Beispiel, wenn Kunden ihre Rechnung unklar ist. Die menschlichen Berater müssen mit Tinka Hand in Hand arbeiten und Fälle übernehmen, in denen die Anfragen zu komplex werden. Demnächst soll Tinka mit Hilfe von künstlicher Intelligenz sogar selbst dazulernen. Und das System soll in Zukunft auch nach Deutschland kommen, wie Illek ankündigte.

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Werden Systeme wie Tinka menschliche Kundenberater irgendwann überflüssig machen? Paul Stuefer von T-Mobile Austria beruhigt mit der Aussage, dass Tinkas Einsatz noch keine Stellen gekostet habe. Im Gegenteil sei die Zahl der Kundenanfragen rapide gewachsen, weil die Kunden gemerkt hätten, dass ihre Anliegen schnell und effizient bearbeitet würden. So hatten am Ende auch die menschlichen Berater wieder mehr zu tun.

Fit machen für die Digitalisierung will die Telekom ihre Mitarbeiter gleichwohl. Von Februar an startet sie ein Pilotprojekt. Jedem Mitarbeiter, der teilnimmt, wird dabei ein individuelles Profil zugeordnet, das festlegt, was er heute und künftig können soll. Er selbst und seine direkte Führungskraft bewerten anschließend, was erfüllt ist und was nicht. Das gemeinsame Ergebnis kommt in eine Datenbank, die am Ende viel über die Mitarbeiter wissen wird - auch über ihre Kompetenzlücken. Die Erkenntnisse über Lücken würden nicht dazu genutzt, im Falle von Entlassungen zu identifizieren, wer als Erstes dran sei, sagte Personalchef Illek. Das werde schon dadurch verhindert, dass nur der direkte Vorgesetzte Zugriff auf die Daten habe.

Nadine Bös

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