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Die Weihnachtsarbeiter Laute Nacht, heilige Nacht

 ·  Sie arbeiten, wenn andere frei haben. Sie laufen zur Höchstform auf, wenn andere zur Ruhe kommen. Vom Kneipenwirt bis zur Kantorin: Fünf Menschen über einen ungewöhnlichen Arbeitstag.

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„Weihnachtsdekoration?“ Claudius Albustin verzieht das Gesicht. „Das habe ich ein einziges Mal ausprobiert. Und es kam bei den Gästen gar nicht gut an.“ Der Inhaber der Kneipe „Die Röhre“ in Moers am Niederrhein verbringt seit 15 Jahren den Heiligen Abend hinter der Theke – anfangs als Kellner, mittlerweile als Inhaber der Gaststätte.

Bekannt ist „Die Röhre“ für ihre legendären Weihnachtspartys. Bei lauter Musik und Flaschenbier treffen sich Gäste verschiedensten Alters, die den Heiligen Abend nicht oder zumindest nicht vollständig zu Hause feiern möchten: Schüler, die gegen die Eltern rebellieren, Weggezogene, die ihre alten Freunde nur über die Feiertage in der früheren Heimat wiedersehen, Weihnachtsmuffel, die froh sind, Schlips und Kragen gegen Jeans und Turnschuhe zu tauschen.

Weihnachten bedeutet für Claudius Albustin Stress und Geschäft. „An Heiligabend und am ersten Weihnachtstag machen wir so viel Umsatz wie ansonsten in einem ganzen Monat.“ Fünfstellig seien die Einnahmen in den beiden Partynächten. Von seinen elf Kellnern können maximal drei frei nehmen; eigentlich bräuchte er jede Arbeitskraft. Selbst der Vorratsraum platzt aus allen Nähten; Nachschub-Bierkästen lagern in einem Lkw draußen vor der Tür.

Zum Feiern kommt Claudius Albustin weder an Heiligabend, noch am ersten Weihnachtsfeiertag. „Am 24. bauen wir hier den ganzen Tag auf“, sagt er. Zwar öffnet er erst um 22 Uhr – „weil um 18 Uhr nur frustrierte Alleinstehende kommen, die sich betrinken und hinterher Ärger machen.“ Trotzdem bleiben für ihn und seine Frau nur etwa zwei Stunden zwischen acht und zehn Uhr abends, um schnell ein paar Geschenke auszutauschen. Durchgearbeitet wird bis etwa acht Uhr morgens. Wenn dann die letzten Gäste weg sind, bringt Albustins Frau selbstgemachten Kartoffelsalat in die Kneipe – das Weihnachtsessen für ihn und seine Kellner.

Erst am zweiten Weihnachtstag trifft Albustin die Familie zum Weihnachtsbratenessen. „Leider traditionell um 13 Uhr, wenn ich kaum ausgeschlafen habe und mir am liebsten Streichhölzer in die Augen stecken würde.“ Doch in seinem konservativ-katholischen Elternhaus gibt es in dieser Hinsicht kein Pardon. „Weihnachten in der Kneipe – meine Eltern haben das nie verstanden“, sagt Albustin. „Nur weil sie wissen, dass ich damit meinen Lebensunterhalt verdiene, tolerieren sie es.“

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