15.11.2008 · In ihrer Branche halten alle die Luft an. Auch für sich selbst hat die Bankerin große Bedenken: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich nicht mehr lange dabei bin, ist größer als die, dass ich bleiben kann.“
„Jeder Banker sorgt sich in dieser Finanzkrise um seine Zukunft“, sagt die Bankerin. „Viele Jobs werden verlorengehen. Alle Kollegen halten die Luft an.“ Sie ist Investmentbankerin bei einem deutschen Institut und fühlt sich gestraft durch die Finanzkrise: „Niemand hier kann sich sicher sein, dass er seinen Job behält.“
Die Bankerin hat für sich selbst große Bedenken. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich nicht mehr lange dabei bin, ist größer als die, dass ich bleiben kann.“ In diesen Zeiten zählten nicht nur Leistung und Qualität, sondern auch Seilschaften: „Das ist Kamikaze.“
„Die sind sicherlich nicht cool“
Dennoch fühlt sie sich nicht am Schlimmsten getroffen. „Ich bin ledig, kinderlos, habe viel Erfahrung. Ich werde wieder einen Job finden - und sei es in einem anderen Land oder als Sekretärin.“ Einige ihrer Kollegen aber hätten vor wenigen Jahren eine Familie gegründet oder ein Haus gebaut. „Die müssen sich jetzt richtig Sorgen machen.“ Derzeit versuchten viele Banker zwar auf cool zu machen. „Es gehört zum Spiel, keine Zweifel aufkommen zu lassen“, sagt sie dazu. „Aber die sind sicherlich nicht cool.“ Am Schlimmsten aber treffe die schlechte Lage am Arbeitsmarkt die Hochschulabsolventen. „Da wird jetzt überall dichtgemacht“, sagt die Bankerin. „Wer jetzt nicht drin ist im Arbeitsmarkt, kommt auch erst mal nicht mehr rein.“
Auch wenn sie für ihre Zukunft nicht schwarzsieht. Sie ärgert sich über die Kommentare von Kollegen aus Konkurrenzbanken. „Ein paar haben mir zu verstehen gegeben, dass ich aus einer Bank komme, der es wirtschaftlich schlechtgehe. Deshalb dürfe ich keine Ansprüche stellen. Das finde ich nicht angemessen.“ Auch das Ansehen von Bankangestellten im Allgemeinen habe einen gehörigen Knacks bekommen. Auf einer Party, wo sie nur den Gastgeber kannte, war es ihr beinahe unangenehm zu sagen, dass sie bei einer Bank arbeitet. „Früher waren die Leute beeindruckt. Heute heißt es eher: O je, bei einer Bank!“ Trotzdem will sie ihren Job behalten. „Ich bin Bankerin mit Leib und Seele, und ich glaube, dass ich meine Sache sehr gut mache. Deshalb will ich dabeibleiben - auch in schlechten Zeiten.“
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