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Der letzte Tag im alten Job Abgang mit Stil

 ·  Für den Start am neuen Arbeitsplatz gibt es tausend Ratschläge. Wie der letzte Tag aussehen soll, darüber macht sich dagegen kaum jemand Gedanken.

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Es war kein Tag wie jeder andere. Morgens um halb acht betrat die Chefsekretärin das Büro, hörte als Erstes den Anrufbeantworter ab und wandte sich dann dem Posteingangskörbchen zu, in dem dieses Mal - anders als sonst - nur ein paar Blättchen lagen. An ihrem letzten Arbeitstag hatte sie so wenig zu tun, dass sie das Büro pünktlich um 16 Uhr verlassen konnte. Den Schlüssel ließ sie auf dem Schreibtisch und warf den Kollegen auf dem Flur noch einen kurzen Gruß zu - das war's, acht Jahre ihres Lebens einfach vorbei. "Die Tränen flossen erst im Auto", sagt sie heute. Und das, obwohl sie eigentlich keinen Grund zum Weinen hatte. Schließlich war sie es, die das Arbeitsverhältnis gekündigt hatte.

Scheiden tut weh, ganz gleich, welche Seite den Vertrag aufgelöst hat. Mag es dabei auch nicht immer so stillos zugehen wie im Fall der Chefsekretärin, der sich erst kürzlich in einem großen Münchner Unternehmen abspielte. Eine große Ausnahme sind formlose Abgänge in deutschen Unternehmen jedoch nicht. Anders als in anderen Ländern gibt es hierzulande überhaupt keine Abschiedskultur, bedauert nicht nur Rolf van Dick, Wirtschaftspsychologe an der Universität Frankfurt. Schlimmer noch: Man sieht in den Unternehmen in der Regel auch überhaupt keinen Handlungsbedarf.

„Wir lassen Euch nicht im Stich“

Wenn überhaupt, dann ist bestenfalls die Verabschiedung in den Ruhestand geregelt. "Alles andere überlassen wir den Vorgesetzten", heißt es fast unisono in den Personalabteilungen großer wie kleiner Unternehmen. Und auch die Verbände fühlen sich von dem Thema nicht angesprochen. Die Gewerkschaften verweisen die Frage nach gängigen Praktiken und Hilfestellungen vom Bundesverband zu den Einzelgewerkschaften und wieder zurück; und auch bei den Arbeitgeberverbänden lässt sich kein Ansprechpartner ausmachen.

Wie der erste Arbeitstag gestaltet werden soll, darüber gibt es zahlreiche Ratgeber. Wie der letzte aussehen kann, darüber kennt auch Experte Dick weder Literatur noch Untersuchungen. Selbst wenn im Rahmen von großen Entlassungswellen eigens Outplacementberater hinzugezogen werden, dann geht es dabei im Wesentlichen darum, den Bleibenden zu signalisieren: Wir lassen euch nicht in Stich. "Um den Ablauf des letzten Arbeitstages kümmern wir uns nicht", so eine Sprecherin von Mühlenhoff und Partner, einer der größten Beratungen in Deutschland. Und sie fügt verschämt hinzu: "Aber ich weiß von vielen Betroffenen, dass sie ihn als sehr schlimm erleben."

Schalen Nachgeschmack vermeiden

Manche haben sogar so große Angst davor, dass sie sich am letzten oder sogar an den letzen Tagen krankmelden. Eine Statistik darüber gibt es zwar nicht, aber "wer kennt das Phänomen nicht", seufzt der Abteilungsleiter einer Frankfurter Bank. Dabei sind Vorgesetzte keineswegs immer unbeteiligt daran, wenn der Abschied misslingt - besonders dann, wenn der Mitarbeiter aus freien Stücken geht. Oft ist es persönliche Verletztheit, weiß die Münchner Karriereberaterin Madeleine Leitner, die dazu führt, dass der scheidende Kollege schikaniert, mit Arbeit zugeschüttet oder wie im Fall der Sekretärin am Ende einfach ignoriert wird.

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Quelle: F.A.Z., 10.11.2007, Nr. 262 / Seite C5
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