15.11.2008 · Er hat Jura studiert und sich dann auf die Fachgebiete Kapitalmärkte und Börsengänge spezialisiert. Doch in Krisenzeiten geht kaum ein Unternehmen an die Börse. Nach nicht einmal einem halben Jahr hat der Anwalt seinen Job wieder verloren.
Nach nicht einmal einem halben Jahr in Deutschland hat er seinen Job verloren. Der Anwalt hat seinen Jura-Abschluss in den Vereinigten Staaten gemacht und einige Jahre dort gearbeitet. Doch er wollte nach Europa und nahm Anfang des Jahres eine Stelle in einer internationalen Kanzlei in Frankfurt an. „Ich bin nur wegen des Jobs nach Frankfurt gezogen“, erzählt er. Jetzt muss er seine Wohnung kündigen und eine neue Stelle suchen. Kurz vor Ende der Probezeit bat ihn sein Chef zu sich und sagte ihm, dass er gehen müsse. „Das war ein Schock. Niemand hatte mir vorher etwas angedeutet.“ In den vergangenen Monaten hatte er stets gut zu tun gehabt - allerdings nicht in dem Bereich, für den er eingestellt wurde: Kapitalmärkte.
Denn in Krisenzeiten geht kaum ein Unternehmen an die Börse. „Mein Chef hat mir klar gesagt: Die Finanzkrise ist schuld, dass ich entlassen werde. Es gibt zu wenig Arbeit.“ Dass der Anwalt auch das Team gewechselt hätte oder in eine andere Stadt gezogen wäre, nützte ihm nichts. „Er sagte: Nein, es gibt keine andere Möglichkeit bei uns.“
„Jeder ist nervös“
Er ist nicht der Einzige, den es getroffen hat. In seinem Fachbereich haben alle jüngeren Anwälte die Kanzlei verlassen - er vermutet, nicht alle freiwillig. Die Stimmung unter den Verbliebenen ist schlecht. „Jeder ist nervös“, sagt er. Und in anderen Kanzleien, die ähnlich arbeiten, sei es nicht anders. „Besonders die internationalen Kanzleien in Europa haben Probleme. Sie sind nicht besonders breit aufgestellt. Sie machen vor allem Kapitalmarktsachen und Börsengänge. Klar, dass sie jetzt Probleme bekommen.“ Allerdings, findet er, hätte man das schon vor einem halben Jahr voraussehen können. „Ich verstehe nicht, wieso mein Chef mich damals eingestellt hat, wenn es so schlecht aussah.“
Die Folgen der Fehlentscheidung sind beachtlich. Da der Anwalt erst so kurz in Deutschland ist, kann er keine Arbeitslosenversicherung beaanspruchen. Seine Firma bezahlt ihn nur noch für einen Monat. Danach muss er etwas haben. „Viele Firmen haben gerade Einstellungsstopp“, sagt er. „Das wird sehr schwierig.“ Trotzdem ist er zuversichtlich: „Ich bin flexibel. Ich habe gehört, im Nahen Osten oder in Asien soll es gut aussehen. Vielleicht gehe ich dorthin.“
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