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Debatte Frauen - qualifiziert und ignoriert

Während Siemens-Chef Joe Kaeser zum Frauenquoten-Fan mutiert, bescheinigt ein Ranking Deutschland einen Rückschritt in Sachen Frauen-Teilhabe. Überhaupt sagen Forscher: Eine Quote allein bringt auch nichts.

© dpa Selbst wenn Frauen es ganz nach oben schaffen, bekommen sie noch immer die unwichtigeren Projekte. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie.

Joe Kaeser, der Vorstandsvorsitzende von Siemens macht Schlagzeilen. Gar nicht so übel findet er auf einmal eine gesetzliche Frauenquote, so lässt er sich zitieren; ausgerechnet er, dem man nachsagt, sich im eigenen Vorstand gerade wieder eine Männerdomäne gebastelt zu haben. Die Aussage kommt zeitgleich mit einem Befund des World Economic Forums (WEF), der zeigt: Es geht voran mit der Teilhabe von Frauen in Politik und Wirtschaft, aber bei weitem noch nicht so, dass man von Gleichberechtigung sprechen kann. Deutschland ist im WEF-Ranking im Vergleich zum Vorjahr sogar zurückgefallen und kann den skandinavischen Ländern noch immer nicht das Wasser reichen.

Ursula  Kals Folgen:

Das alles sorgt dafür, dass das Thema Quote abermals in aller Munde ist - auch in den anstehenden Koalitionsgesprächen von Union und SPD könnte es wieder brandaktuell werden. Ob eine harte Frauenquote, zu deren Fans nun offenbar auch der Siemens-Chef gehört, tatsächlich ein Allheilmittel ist, bleibt aber zweifelhaft. Fehlende Möglichkeiten zur Führung in Teilzeit etwa sprechen dafür, dass es noch mehr Faktoren als nur die „gläserne Decke“ gibt, die Frauen am Aufstieg hindern.

Andererseits: Laut einer aktuellen Studie erhalten Männer und Frauen schon jetzt gleichermaßen Führungsverantwortung für Projekte ihrer Arbeitgeber. Auch der Startschuss fällt zum selben Zeitpunkt: im Durchschnitt rund 18 Monate, nachdem die Beschäftigten ihren MBA, also den betriebswirtschaftlichen Hochschulabschluss, gemacht haben. Doch der Eindruck ändert sich, wenn man sich anschaut, welche Projekte an wen vergeben werden. Während Männern die verantwortungs- und risikoreichen Projekte anvertraut werden, müssen sich Frauen oft mit kleinen, weniger wichtigen Projekten begnügen. Die Budgets der Projekte der Männer sind durchschnittlich doppelt so hoch wie die der Frauen und die Teams dreimal so groß. Dass solche Aufgaben mehr Aufmerksamkeit in der Vorstandsetage erlangen und Beförderungen beflügeln, verwundert nicht. Also doch ein Problem der von Männern dominierten Strukturen in den Unternehmen?

Frauen sind auf Führungspositionen vorbereitet - aber bekommen sie nicht

Ja, findet Sibylle Rupprecht, „es liegt nicht an den Frauen. Sie müssen nur endlich in den Unternehmen wahrgenommen werden.“ Rupprecht ist Europa-Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation Catalyst, die sich für die Förderung von Frauen im Berufsleben einsetzt. Für die Studie befragte Catalyst rund um die Welt 1660 Personen im durchschnittlichen Alter von 40 Jahren mit MBA-Abschluss und mehrjähriger Anstellung in einem Unternehmen. Untersucht wurde, wie die Chancen von Frauen und Männern auf Führungspositionen sind und welche Kriterien tatsächlich Einfluss auf eine Beförderung haben. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen und Männer zwar den gleichen Zugang zu relevanten Faktoren haben, Frauen aber trotzdem nicht die gleichen Aufstiegschancen haben. Im Topmanagement der 500 größten deutschen Konzerne beträgt der Frauenanteil nur 2,4 Prozent.

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