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Cybermobbing Rufmord in der virtuellen Kaffeeküche

Mobbing unter Kollegen findet längst nicht mehr nur im Büro statt. Auch im Internet wird mancher Mitarbeiter systematisch fertig gemacht. Viele Chefs schauen hilflos zu.

© Thomas Trutschel/photothek.net, Montage F.A.Z. Lästern online: Mobbing-Opfer können sich oft nur schwer wehren.

Im Internet braucht es nicht viel, um den Ruf zu ruinieren. Ein paar missliebige Einträge in einem Blog, einige Anschuldigen in Internetforen oder Links auf zwielichtige Porno-Portale und schnell wird der eigene Name in der Google-Suche zum Karrierekiller. Besonders wirkungsvoll und perfide ist alles, was mit Sex zu tun hat. Im Netz ist das geradezu ein Selbstläufer. Der Rufmord kennt keine Grenzen, weder räumlich noch zeitlich.

Corinna Budras Folgen:

Treffen kann es jeden: Da ist die Mitarbeiterin eines konservativen Finanzunternehmens, die den nächsten Schritt auf der Karriereleiter macht. Plötzlich taucht ihr Name in Suchmaschinen im Zusammenhang mit Porno-Portalen auf. Die Links gehen ins Leere, doch das kann im schlimmsten Fall die Spannung noch erhöhen. Nichts ist prickelnder als eine verruchte Vergangenheit, die mit aller Macht im Verborgenen gehalten werden soll. Nach umständlicher Recherche wird klar: Gesetzt hat den Link ein Mitarbeiter, der seiner Kollegin die Karriere geneidet hat. „Es sind häufig die Arbeitskollegen“, sagt Christian Scherg, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungsunternehmens „Revolvermänner“. Er ist auf das Reparieren von Reputationsschäden spezialisiert und kennt die miesesten Tricks im Netz.

Der Fall gehört zu den extremen Fällen des „Cybermobbing“, wie der Angriff aus dem Netz genannt wird. Häufig geht es harmloser zu, doch auch diese Attacken haben es in sich. Auf der Facebook-Seite wird dann schon einmal im Austausch über ein geplantes Projekt gezielt die noch geheime Information plaziert, die Kollegin sei doch ohnehin schwanger. Der Hinweis, dass sich schon deshalb ihre Einbindung erübrigt, muss gar nicht erst gebracht werden. Früher wurden solche Themen in der Kaffeeküche diskutiert, heutzutage läuft die Verbreitung über das Internet – und damit wesentlich effektiver als früher. „Die sozialen Medien haben die Kaffeeküche längst abgelöst“, beobachtet Scherg. Nicht umsonst erfreuen sich die einschlägigen sozialen Netzwerke auch während der Arbeitszeit erstaunlicher Beliebtheit. Selbst Kollegen, die nur ein Zimmer weiter sitzen, kommunizieren lieber über Facebook anstatt mal nach nebenan zu schauen.

Die Weste im Internet wieder reinzuwaschen ist schwierig

Ist der Ruf erst einmal ruiniert, kosten die Aufräumarbeiten viel Zeit und Mühe. Bei missliebigen Einträgen müssen die Betreiber der Seite angeschrieben werden, in der Hoffnung, dass sie diese wieder streichen. Immerhin: Von seriösen Betreibern sei selten Gegenwehr zu erwarten, berichtet Scherg. Gegen ausländische Portale gibt es dagegen kaum eine rechtliche Handhabe.

Wie schwer es ist, im Internet seine Weste wieder reinzuwaschen, musste auch der ehemalige Teilhaber einer Firma erfahren, der im Streit mit den anderen Gesellschaftern das Unternehmen verließ. Aus Rache streuten die ehemaligen Kollegen Vorwürfe im Internet, bald zeigte die Autovervollständigungsfunktion im Suchfenster in Verbindung mit seinem Namen den Begriff „Betrüger“. Die Noch-Ehefrau des ehemaligen Bundespräsidenten, Bettina Wulf, kann davon ein Lied singen. Sie trieb den Streit gegen die populäre Funktion der Suchmaschine Google bis vor den Bundesgerichtshof – und bekam im Wesentlichen recht. Seitdem ist klar, dass Google solche unvorteilhaften Wortpaare streichen muss, wenn sie nicht stimmen. Allerdings erst, nachdem das Unternehmen darauf hingewiesen wurde.

Doch dann ist das Kind meist schon in den Brunnen gefallen. Kein Wunder, wenn es mit dem Neustart in einem anderen Unternehmen nicht klappen möchte. Schließlich hat sich bei Arbeitgebern schon lange rumgesprochen, dass man zentrale Informationen zu Kandidaten nicht nur in deren Bewerbungsunterlagen finden kann, sondern – viel wichtiger – auch im Netz. Eine Internetrecherche gehört deshalb heutzutage zu den Standardmaßnahmen bei der Personalplanung.

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