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Coach Felicitas von Elverfeldt „Jeder will an der Spitze sein“

27.09.2010 ·  Wirtschaftspsychologin und Coach Felicitas von Elverfeldt erklärt, warum so viele Menschen Chefs werden wollen, obgleich sie sich gar nicht so gut dafür eignen. Wie gut kann man Führungsqualitäten trainieren, wie viel ist Talent? Ein Interview.

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Warum streben so viele Menschen eine Führungsposition an, ohne zu hinterfragen, ob sie dafür eigentlich geeignet sind?

Weil es dabei um Status geht. Die meisten Menschen werten eine Führungskarriere höher als eine Fachkarriere. Mit einer Führungsposition wird assoziiert: Die Person ist erfolgreich, wichtig und gefragt. Oftmals sind es vermutete Erwartungen von außen, nach denen man strebt, ohne zu hinterfragen, ob es einem selbst entspricht und ob es einen glücklich macht. Über den Beruf wird leider der eigene Selbstwert definiert, da möchte jeder über dem Durchschnitt und möglichst an der Spitze sein.

Wann zeigt sich, wer sich für eine Führungsposition eignet und wer nicht?

Schon im Kindergarten gibt es Anführer auf der einen Seite und stille Beobachter auf der anderen. In der Schule hat der Klassensprecher eine hervorgehobene Rolle, genießt besondere Anerkennung und das Vertrauen der anderen. Und auch später auf Partys zeigt sich schnell, an wem sich die anderen orientieren. Gleiches gilt für berufliche Besprechungen: Macht es einem Mitarbeiter Spaß, fällt es ihm leicht, in Führung zu gehen? Kann er die anderen hinter sich bringen, glaubwürdig überzeugen und sich auch mal gegen den Strom durchsetzen?

Also alles eine Frage des Charakters?

Zu unterscheiden ist zunächst zwischen dem natürlichen Talent für das Thema Führung, was sich bereits im Kindergarten zeigen kann, und dem, was sich später erlernen lässt. Belastbarkeit, strategisches Denkvermögen und Menschenkenntnis sind bis zu einem gewissen Grad erlernbar. So wie im Sport: Jeder kann mit Training ein gewisses Niveau erreichen. Aber nicht jeder hat das Potential, damit bis zur Olympiade zu kommen. Wer keinen Spaß daran hat, ständig Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen, ständig zu improvisieren, zu überzeugen und im Mittelpunkt zu stehen, der ist schnell gestresst und unzufrieden.

Ist es tatsächlich so, dass viele Frauen gar keine Führungsposition anstreben, wie Headhunter oft beklagen?

Das männliche Verhalten ist stark auf Wettbewerb ausgerichtet, es herrscht eine Lust am permanenten Austesten der Hackordnung. Die Anzahl der Mitarbeiter kann ein Kriterium sein, um sich im Wettbewerb mit anderen zu messen. Ein Mann würde nie einen Titel ausschlagen, Frauen manchmal schon. Sie sind viel selbstkritischer und rennen weniger Rollenklischees hinterher. Und: Sie arbeiten auch mehr an sich, um den Anforderungen einer solchen Position zu genügen. Männer erzählen sich ihre Heldentaten, Frauen erzählen sich eher ihre Probleme.

Welche Fehler machen Führungskräfte am häufigsten?

Es gibt zum einen die Versuchung, den Status wichtiger zu nehmen als die Ergebnisse. Eine gute Führungskraft sollte die Ergebnisse ihres Bereiches zur wichtigsten Messlatte für ihren persönlichen Erfolg machen. Ein weiterer verbreiteter Fehler: Beliebtheit über Verantwortung stellen. Man sollte nie versuchen, sich bei Untergebenen beliebt zu machen. Respekt ist wichtiger als Beliebtheit. Und man sollte niemals den Eindruck erwecken, unverletzbar zu sein, sondern die Mitarbeiter ermutigen, die eigenen Ideen zu kritisieren.

Das Gespräch führte Julia Löhr.

Quelle: F.A.Z.
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