Home
http://www.faz.net/-gym-73ue7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Burnout-Gefahr Werksärzte warnen vor zu viel Stress

Wegen psychischer Belastungen vernachlässigen Millionen Arbeitnehmer ihren Job. Mehr als jeder Vierte schafft es einer Studie der Werksärzte zufolge nicht, seine Arbeit so sorgfältig wie gewünscht zu erledigen.

© Daniel Pilar / F.A.Z. Vergrößern Wenn alles aus den Händen gleitet: Psychische Probleme werden mehr und mehr zum Problem am Arbeitsplatz

Stress und andere psychische Belastungen wirken sich nach Angaben von Betriebsärzten bei immer mehr Arbeitnehmern auf den Berufsalltag aus. In einer Online-Umfrage im Auftrag des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte gaben etwa 30 Prozent der 240 Befragten an, ihre Arbeit wegen seelischer Probleme zu vernachlässigen.

40 Prozent führten zudem an, dass ihre Arbeit Stress erzeuge, der es für sie schwierig mache, privaten oder familiären Verpflichtungen nachzukommen. Die vom Forschungsinstitut GfK Mitte Oktober erhobenen Daten sind nicht repräsentativ. Sie werfen den Werksärzten zufolge aber ein Schlaglicht auf die deutsche Arbeitswelt.

70.000 Beschäftigte schieden wegen psychischer Leiden aus

Umgekehrt belasten die psychischen Leiden auch die Betriebe. „Die Zunahme an psychischen Erkrankungen und die damit verbundenen Fehlzeiten der Beschäftigten fordern Unternehmen und Betriebsärzte heraus“, sagte Verbandspräsident Wolfgang Panter am Dienstag in Berlin. Hier müsse es nachhaltige betriebliche Lösungen geben, die die gesamte Kette von Prävention, Früherkennung und Therapie bis zur Wiedereingliederung umfassten, betonten die Werksärzte.

In Deutschland schieden 2010 den Angaben zufolge rund 70.000 Beschäftigte wegen psychischer oder psychosomatischer Erkrankungen vorzeitig aus dem Beruf.

Mehr zum Thema

Panter sieht vor allem Führungskräfte in der Verantwortung, gefährdete Mitarbeiter frühzeitig anzusprechen. Zugleich warnte er Laien davor, den Arzt zu spielen: „Stellt um Gottes Willen keine Diagnose! Da können Sie soviel kaputt machen, dass irgendwann gar nichts mehr geht.“ Stattdessen sollten Vorgesetzte ihren Mitarbeitern aber stets sagen können, wer ihnen bei psychischen Problemen helfen kann.

Zugleich wiesen die Werksärzte darauf hin, dass Arbeit nicht nur krank machen, sondern Menschen auch gesund halten könne. Für viele sei der Job ein wichtiger Anker in ihren sozialen Beziehungen.

Quelle: DAP/DAPD

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Cannabis als Schmerzmittel Gras geben

Cannabis ist in Deutschland das mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Rauschmittel. Ein paar hundert Schmerzpatienten dürfen es ganz legal in der Apotheke kaufen. Eine gesunde Psyche ist dafür nicht unbedingt eine Bedingung. Ist das unverantwortlich? Mehr

17.07.2014, 07:39 Uhr | Gesellschaft
Studie Frauen bekommen viel mehr Arbeit

Frauen sind die Gewinner der vergangenen zehn Jahre auf dem Arbeitsmarkt. Ihre Arbeitsstellen wachsen doppelt so schnell wie die der Männer. Besonders groß ist das Wachstum in den Klischee-Berufen. Mehr

28.07.2014, 16:37 Uhr | Wirtschaft
Industrie baut Gesundheitsvorsorge aus Reha auf dem Werksgelände

Im Rhein-Main-Gebiet tut sich was in Sachen Mitarbeiterfitness, denn die Industriebetriebe bauen ihre Gesundheitszentren aus. Wie beide Seiten davon profitieren. Mehr

27.07.2014, 12:10 Uhr | Rhein-Main