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Bundeswehr Für Offiziere wird die Decke zu kurz

23.04.2007 ·  Die Bundeswehr sorgt sich um qualifizierten Nachwuchs bei ihren Führungskräften. Die Konkurrenz zu anderen staatlichen Institutionen - und vor allem zur Wirtschaft - ist schärfer denn je. Geld und Perspektive fehlen.

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Die Bundeswehr plagt zunehmend die Sorge um den qualifizierten Nachwuchs bei ihren Führungskräften. „Qualität ist jetzt dringend vonnöten“, war aus Offizierskreisen am Montag in Berlin zu hören. Der jüngste Skandal, bei dem ein Offizieranwärter bei einer Ausbildung von Rekruten Afroamerikaner aus der New Yorker Bronx zum Feindbild gemacht hatte, sei auch „bundeswehrintern mit großem Schrecken zur Kenntnis genommen und als ein Qualitätsverlust beim Offiziersnachwuchs eingestuft worden“. Die Auswahl an gutem Nachwuchs für die Offiziersränge mache große Schwierigkeiten, weil die Bundeswehr zunehmend in scharfer Konkurrenz zu anderen staatlichen Institutionen und vor allem zur Wirtschaft stehe, betonten die Offiziere.

Im Bemühen um qualifiziertes Personal wird sich die Bundeswehr nach Ansicht ihres Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan darauf einstellen müssen, den Soldaten mehr Geld zu zahlen. Wie Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) forderte Schneiderhan eine Erhöhung des Verteidigungshaushalts. Er betonte, er brauche auch mehr Geld, um die Bundeswehrreform verwirklichen zu können: „Ziehe ich die Tischdecke in eine Richtung, reicht sie anderer Stelle nicht mehr aus“. (dass die Bundeswehr nicht als Kaderschmiede taugt, lesen Sie im Text Offiziere: Weggetreten!)

Geld und Perspektive zählen

Die Entscheidung für den Soldatenberuf wird nach Darstellung der Offiziere „heutzutage mehr denn je von der Attraktivität der Laufbahnen und natürlich auch vom pekuniären Nutzen bestimmt“. Hier befinde sich die Bundeswehr „nach wie vor zu sehr im Hintertreffen“. Darüber hinaus würden sich die gefährlicher werdenden Auslandseinsätze spürbar rückläufig auf die Nachwuchsgewinnung auswirken.

Die Bundeswehr braucht nach Aussage des Verteidigungsministeriums „gut ausgebildete, charakterstarke und in der Urteilskraft gefestigte Soldatinnen und Soldaten, die auch in Krisensituationen unter hohem physischem und psychischem Druck bestehen können“. Soldatische Tugenden wie Kameradschaft, Entschlussfreude, Standfestigkeit, Tapferkeit und Durchhaltevermögen würden daher für eine wirksame Aufgabenerfüllung unverzichtbar bleiben, unterstrich das Ministerium.

Neue Führungsphilosphie nötig?

Die FDP-Wehrexpertin Elke Hoff verwies auf die „Führungsphilosophie“ der Bundeswehr, die seit langem vom Koblenzer „Zentrum Innere Führung“ den Offizieren vermittelt wird. „Auch die Innere Führung muss sich an den neuen Gegebenheiten einer Armee im Einsatz ausrichten und ihre Führungskonzepte verantwortungsvoll daran anpassen und weiter entwickeln“, sagte Hoff. In der Einsatzrealität komme es auf hochqualifiziertes Führungspersonal an.

Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Bernd Siebert, vertrat den Standpunkt, dass die Bundeswehr noch stärker als bisher in die Führungsausbildung investieren müsse, auch um offensichtliche gesellschaftspolitische Defizite zu korrigieren. Bei der Gewinnung von Führungskräften dürfe es nicht zuallererst um Quotenerfüllung gehen. Vielmehr müsse die Gesamtpersönlichkeit der künftigen Offiziere im Mittelpunkt stehen, unterstrich Siebert.

Der Verteidigungsexperte der Grünen, Winfried Nachtwei, bezeichnete die Frage der Inneren Führung als aktueller denn je. Die Anforderungen an die Soldaten seien mit den Einsätzen zur Friedenssicherung und der medialen Globalisierung enorm gestiegen. Die Soldaten als „Bürger in Uniform“ müssten noch am ehesten zustande bringen, was heute bei den Friedenseinsätzen unabdingbar sei: Respekt gegenüber der jeweils einheimischen Bevölkerung aus Achtung der Menschenwürde, betonte Nachtwei.

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