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Veröffentlicht: 20.01.2016, 05:14 Uhr

Sitzen, stehen, lümmeln Willkommen im Büro der Zukunft!

Sitzen oder stehen? Schreibtischstuhl oder Sofa? Sesshaft oder Nomade? In Rosenheim wird mit modernen Raumkonzepten experimentiert - die Mitarbeiter dienen als Versuchskaninchen.

von Eva Heidenfelder
© Steelcase Plauschen, essen, arbeiten: Das „Work Café“ in Rosenheim soll als offenes Konzept verschiedene Arbeitsbereiche vereinen.

Thomas Stickelbroeck schließt die Tür des kleinen Zimmers, in dem ein in Grau und Lila gehaltener Teppich verlegt ist. Er lässt sich auf einen senfgelben Sessel plumpsen, klappt die Fußstütze des Möbels aus und legt die Beine hoch. Nachdem er eine Leselampe angeknipst hat, die den Raum in warmes Licht taucht, lehnt er sich mit einem wohligen Seufzer zurück und beginnt, etwas auf seinem Skizzenblock zu zeichnen. „Das ist mein absoluter Lieblingsplatz hier im Büro“, sagt er. „Es ist ruhig, ich kann mich entspannen, hier kommen mir die besten Ideen.“

Ein konservativer Chef würde ihm sicher zurufen: „Lümmeln Sie nicht so rum, nehmen Sie Haltung an!“ Bei seinem Arbeitgeber, dem Büromöbelhersteller Steelcase, ist es jedoch absolut erwünscht, es sich bequem zu machen. Steelcase ist ursprünglich ein amerikanischer Konzern, gegründet 1912 in Michigan. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen mehr als 10.000 Mitarbeiter rund um den Globus, in Deutschland gibt es Standorte in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und Rosenheim.

Dort in Bayern präsentiert das Unternehmen jedoch nicht nur seine Möbel, es forscht auch an innovativen Raumkonzepten - und zwar an den eigenen Mitarbeitern. „Wir sind unsere eigenen Versuchskaninchen“, scherzt Stickelbroeck. Der Innenarchitekt arbeitet am Steelcase-Standort Rosenheim, der 1999 durch die Übernahme des dort ansässigen Büromöbelproduzenten Werndl durch Steelcase entstand.

Es jedem Einzelnen recht machen

Laut einer Umfrage aus dem Mai 2015 im Auftrag des amerikanischen Unternehmens Citrix, das vor allem Software für ortsunabhängiges Arbeiten anbietet, sind mehr als 40 Prozent der 166 befragten Führungskräfte davon überzeugt, dass mobile Arbeitsplätze das klassische Büro verdrängen. Daran glauben also nicht mehr nur junge, technikaffine Firmen wie Google oder Facebook, die ihren Mitarbeitern Billardtische ins Büro, Swimmingpools aufs Dach und Wlan-Router in jede Ecke setzen.

38118005 © Steelcase Vergrößern Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten oder eine Pause sind bei Steelcase häufig zu finden.

Hinzu kommt der Eintritt der selbstbewussten Generation Y in die Arbeitswelt, der eine gute Balance zwischen Arbeit und Privatleben wichtig ist und die das gegenüber den Arbeitgebern auch besser durchsetzen kann als die Generation ihrer Eltern. Denn die nach 1980 Geborenen sind nicht mehr so zahlreich wie die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer, sie müssen umworben werden - allerdings nicht nur mit Gehalt. Wichtig sind ihnen flache Hierarchien und eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen. Oder wie Innenarchitekt Stickelbroeck es zusammenfasst: „Büros müssen heutzutage stark individualisierte Lebensentwürfe abbilden.“ Warum es jedem Einzelnen recht gemacht werden muss? Die Gleichung ist einfach: Wer sich im Büro wohl fühlt, erledigt seine Arbeit motivierter, ist also produktiver.

Flexible Nomaden

Laut einer Umfrage des Bürodienstleisters Regus gaben gut 70 Prozent der 22.000 befragten Berufstätigen aus hundert Ländern an, einen Teil ihrer Arbeitszeit außerhalb ihres Büros zu verbringen - in den Vereinigten Staaten waren es sogar 80 Prozent. Das spiegelt sich auch bei Steelcase wider. Nur noch rund 20 Prozent der Mitarbeiter, die intern „Residents“ genannt werden, benötigen einen stationären Arbeitsplatz samt Stauraum, der ausschließlich ihnen zur Verfügung steht. Diese Mitarbeiter sind beruflich wenig bis gar nicht unterwegs oder arbeiten nicht im Home Office. Zudem legen sie großen Wert auf einen Arbeitsplatz mit hoher Privatsphäre, an dem sie konzentriert und ungestört arbeiten können.

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