09.10.2007 · Die Lust am Lesen reicht nicht, sagt Monika Kolb-Klausch - wer mit und von Büchern leben will, der muss vor allem betriebswirtschaftlich fit sein. Ein Interview mit der Bildungsdirektorin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Die Lust am Lesen reicht nicht, sagt Monika Kolb-Klausch, Bildungsdirektorin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Wer mit und von Büchern leben will, der muss vor allem betriebswirtschaftlich fit sein.
Welchen Einstieg empfehlen Sie Menschen, die mit und von Büchern leben wollen?
Das hängt von der individuellen Lebens- und Karriereplanung ab – ob man zuerst eine Lehre und danach ein Studium macht oder umgekehrt, oder ob man sich mit einem der beiden Bildungsgänge begnügt. In der Buchhändlerschule in Seckbach gibt es auch viele Quereinsteiger aus anderen Berufen; und auf der Akademie des Deutschen Buchhandels in München bilden wir Führungskräfte für das Management aus.
Das Büchermachen ist ein traditionsreiches Geschäft – aber es ist zugleich auch eines im Wandel. Welche Entwicklungen fordern Sie zurzeit besonders heraus?
Zwei Dinge verändern die Branche grundlegend. Das ist einerseits die zu beobachtende Kauflust der großen Buchhandlungen wie Hugendubel, Weltbild und Thalia; kleine haben es immer schwerer. Andererseits ist die Digitalisierung eine wichtige Herausforderung für die Verlage, für den Vertrieb und für den Handel. Bei der Vernetzung von Print und Online muss der Buchhandel schauen, dass er an der Entwicklung dran bleibt.
Aber gibt es unter diesen Bedingungen überhaupt Chancen für Berufsanfänger? Immerhin haben die Verlage in den vergangenen Jahren viele Stellen gestrichen.
Der Personalabbau führte letztlich auch zu einer Professionalisierung. Gute Chancen haben jetzt Bewerber mit großem betriebswirtschaftlichem Verständnis. Im Buchhandel etwa geht es darum, schon bei einer Dekoration daran zu denken, wie sie sich auf die Verkaufbarkeit, den Warenumschlag und das Lager insgesamt auswirken wird. Kurz gesagt: Alles, was wir tun, muss mit der Planung, der Kalkulation von Umsatz, Kosten und Vertrieb einhergehen.
Wie reagiert der Börsenverein auf diese Notwendigkeit?
Für die Verlage wurde das Berufsbild des Medienkaufmanns deutlich weiter entwickelt, das des Buchhändlers dagegen wurde seit vielen Jahren nicht verändert. Da muss sich etwas tun, wir müssen nachziehen, stärker auf Medien- und Vertriebskompetenz setzen und die Attraktivität des Berufs steigern – etwa durch Präsentationen an Schulen, aber auch durch unseren Internet-Auftritt. In der Lehrbuchhandlung der Buchhändlerschule in Seckbach werden künftig alle neuen Medienformen – bis hin zur Online-Buchhandlung und einer Internetstation – integriert werden. Auch das Thema Veranstaltungsmanagement wird deutlich mehr in den Mittelpunkt gestellt werden, vor allem um den jungen Menschen zu zeigen, wie man Kunden in Buchhandlungen holt und bindet.
Wäre es dann nicht richtiger, von Medien- statt von Buchhändlern zu sprechen?
Viele fordern das, andere wollen an der alten Bezeichnung festhalten. Unsere Strategie ist, im Ergebnis die Vielfältigkeit des Berufes deutlich und den jungen Menschen bewusst zu machen.
Stimmt das noch mit den Wünschen der Berufsanfänger überein?
Viele sagen, sie wählen diesen Beruf, weil sie Bücher und das Lesen lieben. Andere wollen gerne mit Menschen zusammenarbeiten. Noch geht es nur vereinzelt um die Faszination durch die Medienvielfalt. Aber in diese Richtung müssen wir uns bewegen.
Was wird dann aus der „geheiligten Ware Buch“, wie Bert Brecht sie genannt hat?
Von einer Ware möchte ich gar nicht sprechen. Das Buch bleibt ein Produkt mit sehr hoher kultureller Wertigkeit, mit einer unvergleichbaren Bedeutung für die Entwicklung und Bildung der Menschen. Deshalb engagieren wir uns in der Leseförderung, deshalb gibt es die Sonderstellung mit der reduzierten Mehrwertsteuer auf Bücher. Aber am Ende des Tages kann auch der Buchhändler nur überleben, wenn die Kasse stimmt.