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Bossing Der Feind vor meinem Büro

Drangsalieren, Intrigieren, Schikanieren, das ist die böse Fratze des Mobbing. Bossing heißt eine besonders belastende Variante dieses psychischen Drucks am Arbeitsplatz. Dann nämlich ist es der Chef persönlich, der den Mitarbeiter schlecht behandelt.

© Cyprian Koscielniak / F.A.Z.

Sie war jung, frisch verliebt und voller Tatendrang, als sie von Bielefeld nach München zu ihrem Freund zog. Das Glück schien perfekt, als die Mediengestalterin eine Stelle als Werbeassistentin fand. Die Aufgabe war zwar unterhalb ihrer Qualifikation, aber vielleicht bot die mittelgroße Agentur Aufstiegsmöglichkeiten. Die Zweiunddreißigjährige sollte sich täuschen. Ihre Arbeit bestand darin, Telefon-, Postdienst und Ablage zu erledigen, CDs zu archivieren und am Empfang zu sitzen. „Vielleicht war ich einfach zu blauäugig und habe manches nicht sehen wollen“, sagt Eva Koch (Name geändert).

Ursula  Kals Folgen:

Ausgeblendet hat sie ihr größtes Problem: das schlechte Verhältnis zu ihrer Chefin. Diese beschreibt Koch als eine unterkühlte, „geradezu einschüchternde Person“, die nicht nur Bitten nach anspruchsvolleren Tätigkeiten ignorierte, sondern deren Rückmeldungen - bevorzugt vor anderen Kollegen - sich in dem Vorwurf erschöpften: „Warum machen Sie das so schludrig?“ Wenn Eva Koch an diese Monate denkt, schleichen sich Sorgenfalten in ihr schmales Gesicht. „Ich konnte ihr nichts recht machen. Eine Einarbeitung fand nicht statt, ständig hieß es: ,Hier, machen Sie mal!' Endlich bekam ich spannende Aufgaben, aber mit zu eng gesetzten Terminen. Das war einfach nicht zu schaffen.“ Eine Aussprache, die die junge Frau einforderte, brachte nichts. „Im Gegenteil, danach wurde alles noch verkrampfter.“ Eva Koch resignierte - und kündigte.

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Die böse Fratze des Mobbing

Drangsalieren, Intrigieren, Schikanieren, das ist die böse Fratze des Mobbing. Bossing heißt eine besonders belastende Variante dieses psychischen Drucks am Arbeitsplatz. Dann nämlich ist es der Chef persönlich, der den Mitarbeiter schlecht behandelt. Sich an eine nächsthöhere Hierarchiestufe zu wenden, um sich zur Wehr zu setzen, ist schwer. Denn wem glaubt die Geschäftsführung - dem Mitarbeiter oder der Führungskraft?

Mitarbeiter weit unter ihrer Qualifikation einzusetzen ist eine klassische Bossing-Variante. „Zu mir kommen häufig Mandanten, die die schleichende Entwertung ihres Aufgabengebietes erleben“, sagt Frank Linzer. Der Anwalt aus Wiesbaden hat sich auf Bossing-Opfer spezialisiert, die folgende Situation beklagen: Jahrelang machen sie ihren Job gut, fallen in Ungnade, verlieren die Arbeit, die sie erfüllt hat, stattdessen gibt es Routinearbeiten. „Das habe ich von der leitenden Altenpflegerin bis zur Vertriebsleiterin, der man die Kunden wegnimmt, hin zu Bankangestellten, denen die spannenden Prüfungsaufgaben entzogen werden, häufig erlebt“, sagt Linzer.

Was ist der Auslöser für diese Degradierungen? Das sei oft ein Chefwechsel, sagt der Anwalt. „Mit dem alten Chef hat alles gut geklappt, dann kommt ein Neuer, der meint, alles anders machen zu müssen. Ein neuer Vorgesetzter hat auch neue Lieblinge, die er fördert. Dann ist, zum Beispiel in einem mittelständischen Unternehmen, der alte Vertriebsleiter nicht mehr gut genug.“ Was manchen Mitarbeitern nicht klar ist: Ändert sich das Aufgabengebiet dauerhaft um mehr als 50 Prozent, ist das rechtlich gesehen eine Versetzung. Da kann nicht nur der Betriebsrat protestieren. Solche Schritte müssen aber wohlüberlegt sein.

Gleichgültigkeit kann man trainieren

Wenn klärende Gespräche nichts zur Klärung beitragen, raten Fachleute, sich offiziell zur Wehr zu setzen, den Betriebsrat, die Gewerkschaft, die Gleichstellungsbeauftragte einzuschalten. „Ob das in der Praxis immer funktioniert, das ist eine andere Sache“, sagt Jürgen Fuchs. Der Wirtschaftspsychologe hat ein Buch über Bossing geschrieben und gibt zu bedenken: „Damit tritt man eine Lawine los, zunächst erhöht sich der Druck. Die Frage ist, hält man dem stand? Ich neige eher zu dem amerikanischen Klischee: Love it, change it or leave it.“

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