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Boom-Branche Alles Bio

29.06.2010 ·  Vorbei die Zeiten, als der Zusatz „Bio“ noch Reformhäusern vorbehalten war. Auf dem Markt für ökologische Produkte werden Milliarden umgesetzt. Allein für gesunde Lebensmittel geben die Deutschen jährlich fast 6 Milliarden Euro aus. Wir stellen fünf Personen vor, die mit dem Bioboom ihr Geld verdienen.

Von Christine Scharrenbroch und Lisa Becker
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Pionier im Lebensmittelhandel

Vor einem Vierteljahrhundert war die deutsche Welt des Verkaufs von Biolebensmitteln eine ganz andere als heute. Für viele aus der Ökobranche war es undenkbar, Bioprodukte in einer konventionellen Handelsform zu vertreiben: dem Supermarkt. Götz Rehn ließ sich vom Geist der Zeit freilich nicht beirren. Er besorgte sich mühevoll 600.000 DM und eröffnete 1987 in Mannheim den ersten deutschen Bio-Supermarkt. Mit diesem verdiente er vom ersten Tag an Geld.

Wenn Rehn seitdem über die Geschäftszahlen seines Unternehmens Alnatura berichtet, dann sagt er immer dasselbe: dass der Umsatz gegenüber dem Vorjahr zweistellig gewachsen sei. So setzte Alnatura im vergangenen Jahr 361 Millionen Euro um, 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Erlöse der gesamten Branche stagnierten bei rund 5,8 Milliarden Euro. 55 Alnatura-Märkte gibt es inzwischen, vor vier Jahren waren es erst 25. In ihnen bietet Alnatura auch 950 eigene Produkte an. Wenn an einem neuen Produkt gefeilt wird, dann testet Rehn selbst den Geschmack, und die Rezeptur wird verändert, bis es schmeckt.

Alnatura ist eine der großen Erfolgsgeschichten in der Biolebensmittelbranche. Wenn man den Unternehmensgründer und alleinigen Gesellschafter nach der Bedeutung von Erfolg fragt, bekommt man allerdings eine nüchterne Antwort. Wirtschaftlicher Erfolg bedeute ihm nichts. Er brauche ihn nur, um seine Ideen verbreiten zu können. Wirtschaften heiße ohnehin, für andere tätig zu sein. Ist dies die Koketterie eines erfolgreichen Mannes? Man kauft Rehn ab, dass es ihm um Inhalte geht. Der große, geschmackvoll gekleidete und gebildete Mann, der im März seinen 60. Geburtstag gefeiert hat, ist freundlich und aufgeschlossen, wirkt aber auch willensstark und etwas ungeduldig. Jedenfalls bringt es ihn auf die Palme, wenn „Mitarbeiter gedanken- und lieblos handeln oder vor allem sich selbst sehen“.

Rehn ist Anthroposoph, besuchte die Waldorfschule und hat als Kind Himbeeren und Gemüse angepflanzt. Gleichzeitig begeisterte er sich für Technik, baute Seifenkisten und Schlitten. Der Vater war Chirurg, Rehn wollte auch Arzt werden. Er studierte aber Volkswirtschaft und promovierte. Danach tat er etwas, was für viele umweltorientierte Menschen undenkbar wäre. Er arbeitete für den Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé und führte zum Beispiel „Yes Torti“ auf dem Markt ein. Nach „tollen“ sieben Jahren konnte er dort nicht mehr genug gestalten. Er gründete Alnatura.

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Jahrgang 1970, freie Autorin im Wirtschaftsteil.

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Jahrgang 1966, Redakteurin in der Wirtschaft

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