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Veröffentlicht: 15.09.2016, 05:22 Uhr

Bewerbungen Lügenfalle Lebenslauf

Der Fall der Bundestagsabgeordneten Petra Hinz hat es gezeigt: Wer bei Bewerbungen die Biographie frisiert, riskiert viel. Viele versuchen es trotzdem.

von Annika Fröhlich
© Colourbox.com Eigenmarketing: Fakten zur Person müssen präzise und wahr sein.

Der Fall Petra Hinz war eine kleine Sensation. Die SPD-Bundestagsabgeordnete hatte mehr als elf Jahre lang mit einem stark gefälschten Lebenslauf Karriere gemacht - bis die Sache aufflog. Auch wenn es nicht immer derart dramatische Ausmaße annimmt: Kleine Lügen und Halbwahrheiten stecken in vielen Lebensläufen. Das erlebt auch Andreas Fröhlich, Chef der Film-Produktionsfirma Headquarter in Köln. Er stößt bei Bewerbern meist auf die gleichen auffälligen Angaben im Lebenslauf. Mittlerweile erkennt er sie schnell, denn in der Vergangenheit flog bei ihm schon die eine oder andere Lüge auf. Ein Bewerber hatte zum Beispiel behauptet, er sei zwei Jahre im Ausland gewesen. Später stellte sich heraus, dass er damit einfach nur eine Lücke kaschierte, in der er gar nicht gearbeitet hatte. Ein anderer konnte keinerlei Belege für ein angebliches Auslandssemester vorlegen. „So was kommt häufiger vor, als man denkt“, sagt Fröhlich.

Eigentlich kein Wunder. Denn gerade auf jungen Bewerbern lastet hoher Konkurrenz- und Erfolgsdruck. Selten bekommen sie auf Anhieb ihren Traumjob, selten können sie direkt nach dem Studium alle Qualifikationen vorweisen, die Arbeitgeber in ihren Ausschreibungen verlangen. Es gibt drei typische Betrugsversuche im Lebenslauf: Bewerber verschleiern eine Lücke, in der sie weder studiert noch gearbeitet haben. Sie kaschieren eine schlechte Note. Oder sie erfinden fehlende Qualifikationen. Klappern gehört zwar zum Handwerk. „Man sollte aber nicht lügen und nichts dazudichten“, sagt Martin Wehrle, Karriereberater und Autor des Buchs „Sei einzig, nicht artig“. Vielmehr gehe es um „gelungene Selbst-PR“.

 
Wer bei Bewerbungen die Biographie frisiert, riskiert viel. Viele versuchen es trotzdem.

Nicht jeder Abiturient findet auf Anhieb einen Studienplatz, Absolventen müssen manchmal auf den Beginn ihres Masterstudiums warten und später auf den Beginn des ersten Jobs. In solchen Übergangsphasen entstehen typische Lücken im Lebenslauf. Bewerber X kann seinen Studienplatz erst im Sommer annehmen, also fährt er für einen Monat in den Urlaub nach Südamerika. Danach absolviert er ein einmonatiges Praktikum. Dann fehlen ihm immer noch vier Monate, in denen er gar nichts macht, außer hier und da zu jobben. Das will er in seinem Lebenslauf kaschieren - also verlängert er den Auslandsaufenthalt und füllt ihn mit einem erfundenen Freiwilligendienst. Beim Praktikum lässt er einfach die Monatsangaben weg. „Das sind offensichtliche Techniken, die Arbeitgeber verärgern“, warnt die Kölner Karriereberaterin Inga Freienstein. Die meisten Arbeitgeber, denen solche Tricks im Lebenslauf auffallen, würden gleich absagen. Fällt der Betrug erst später auf, kann es ungemütlich werden. Dann droht die fristlose Kündigung.

„Kein Kavaliersdelikt“

Anderen Bewerbern fehlt ganz knapp die geforderte Note. Sie glauben, dass sie für die Stelle wie gemacht sind. Sie wissen aber auch, dass der Personaler sie mit einem Ausreichend in der Abschlussprüfung gleich aussortieren wird. Also wird aus dem Ausreichend im Lebenslauf ein Befriedigend, aus dem Gut ein Sehr Gut. „Falschaussagen sind ein absolutes ,No- Gos und kein Kavaliersdelikt“, sagt Freienstein. Ein solcher Fehler begleite die Betroffenen das gesamte Berufsleben und könne sich noch Jahre später auswirken. Wer Noten oder andere Angaben sogar im Zeugnis fälscht, kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden, denn das gilt als Urkundenfälschung.

Gerade wenn die Noten nicht spitze sind, braucht es schon Auslandserfahrung, Praktika, erste Erfahrungen, selbständige Projekte oder freiwilliges Engagement. Dazu kommen die weichen Faktoren: Kommunikativ sollen Bewerber sein, selbständig“ und natürlich voller Motivation und Kreativität. Das bringt nicht jeder mit, also ist die Versuchung groß, mittels Lebenslauf-Tuning nachzuhelfen. Bei einer Umfrage der Personalberatung Robert Half unter 1200 befragten Personalmanagern stellte sich heraus, dass rund 30 Prozent aller Bewerber über ihre Berufserfahrungen nicht die ganze Wahrheit sagen.

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Der Studie nach übertreiben 22 Prozent bei ihren Managementfähigkeiten, 16 Prozent geben zu gute Sprachkenntnisse an. „Bewerber sollten alles, was sie angeben, auch sehr gut in einem Bewerbungsgespräch darlegen können“, rät Karriereberaterin Freienstein. Haben sie ein Projekt wirklich initiiert und geleitet oder nur daran mitgewirkt? Dasselbe gilt für IT- und Softwarekenntnisse, die es überhaupt nicht gibt. Wer so weit geht, Zeugnisse und Beurteilungen zu fälschen, macht sich unter Umständen sogar strafbar. Kündigen können Arbeitgeber, die ihre Leute bei Lebenslauf-Lügen ertappen, ohnehin. Im Extremfall können sie sogar Schadensersatz geltend machen.

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