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Besuch in der Burnout-Klinik Ausgebrannt am Scharmützelsee

Bis zu 30 Prozent der Berufstätigen in Deutschland droht der Burnout. Die Arbeit ist dabei oft nur der Auslöser, nicht der Grund für den Zusammenbruch. Ein Besuch in einer psychosomatischen Klinik.

© Cyprian Koscielniak / F.A.Z. Vergrößern

Klausursitzung. Dem leitenden Manager der Frankfurter Beratungsgesellschaft wird schwindlig, dann schwarz vor Augen. Er fällt in Ohnmacht. Gleich zweimal während der Sitzung. „Hinterher dachte ich, dass ich ein bisschen zu müde war“, sagt er. „Oder dass es mit dem frischen O-Saft zu tun hatte, den ich vorher getrunken hatte. Vielleicht war der schlecht.“ Der Mann wird von seinen Kollegen zum Arzt geschickt, der gibt ihm eine Spritze. Am nächsten Tag ist er wieder im Büro. Übelkeit und Schwindel kehren immer wieder. „Ich habe dann halt einen Kaffee getrunken, und es ging weiter“, sagt der Vierzigjährige mit dem offenen, eher jungenhaften Gesicht, seine Hände liegen auf den Lehnen des Bürosessels. Das Möbelstück steht jedoch nicht in einem Büro, sondern in einer psychosomatischen Klinik in Brandenburg.

Die Gegend, etwa eine Stunde von Berlin entfernt, dient seit Ende des 19. Jahrhunderts den Städtern als Erholungsgebiet. Die Oberbergkliniken haben einen Standort am Rande des Örtchens Wendisch Rietz direkt am Scharmützelsee. Ansonsten gibt es hier vor allem viele Kiefern. Für Adrenalin sorgen nur die schmalen, zu matschigen Gräben hin abfallenden Straßen, in die der Frost Schlaglöcher gerissen hat.

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Die Arbeit ist oft nur der Auslöser

Spezialisiert ist die Oberbergklinik auf Sucht, Depression und Burnout. Es gibt einen Streit in der Psychiatrie, ob das „Ausgebranntsein“ nicht eigentlich eine schwere Depression ist, die manche Leute so nur nicht nennen wollten. Eine Art Modewort für die Menschen, die nicht gerne zugeben, dass sie in ihrem Leben etwas nicht im Griff haben. „Beim Burnout können Sie sagen: ,Ach, ich habe zu viel gearbeitet! Ansonsten habe ich kein Problem', sagt eine Ärztin lakonisch beim Mittagessen. Burnout, sagen andere, ist jedoch mehr als bloßer Stress. Die Arbeit ist oft nur der Auslöser, nicht der Grund für einen Burnout.

„Stress hat jeder“, sagt Götz Mundle, ärztlicher Geschäftsführer der Oberbergkliniken. Es sei ein Fakt, dass die Arbeitswelt heute hohe Anforderungen stelle. Ausschlaggebend für einen Burnout seien aber nicht nur äußere, sondern auch innere Stressfaktoren. „Wenn der Mensch vor lauter Leistungsansprüchen den Kontakt zu sich verloren hat, keine Grenzen setzen und keine Pausen mehr einlegen kann, kommt der Zusammenbruch“, sagt er. Bei Burnout handele sich um eine starke körperliche und geistige Erschöpfung.

Entscheidend ist für Mundle, dass ein Berufstätiger seine Potentiale entsprechend seinen Fähigkeiten entfalten kann, ohne sich dabei an zu hohen Ansprüchen zu messen. Sonst ist der Zusammenbruch programmiert. „Für einen Burnoutpatienten ist etwas nie gut genug, was er tut. Er erlaubt sich kein Scheitern“, sagt der Psychiatrie-Professor. Der Betroffene suche in der Regel wie besessen nach Anerkennung. Innerlich verkümmere er dabei immer mehr. Zugrunde lägen extreme Leistungsverhaltensmuster, oft seien sie schon in der Kindheit angelegt.

Engagierte sind besonders anfällig

Schätzungen zufolge sind 20 bis 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung burnoutgefährdet, 3 bis 5 Prozent der besonders schweren Fälle müssen stationär behandelt werden. Anfällig sind laut Mundle vor allem beruflich erfolgreiche und engagierte Menschen wie Führungskräfte und Selbständige. Unter den Berufsgruppen seien Lehrer, Ärzte und Polizisten häufig vertreten.

Einem Burnout gehen in der Regel körperliche Symptome voraus. Magen-Darm-Erkrankungen stellen sich ein, ein Tinnitus beginnt, oder der Blutdruck steigt. Häufig auftretende Symptome in der Endphase der mehrmonatigen Krankheitsentwicklung sind Schlaf- und Appetitlosigkeit. Doch ein burnoutgefährdeter Mensch tut sie ab, nimmt sie nicht ernst, so wie die Führungskraft aus Frankfurt.

Nachdem er Mitte 2009 in Ohnmacht gefallen war, ließ er sich beim Arzt durchchecken. Er sei gesund, hieß es, vielleicht ein bisschen überarbeitet. Der Manager bekam Beruhigungstabletten und ein paar Vitamine. Er machte weiter wie bisher. Seine Arbeitszeit pro Woche kann er kaum schätzen. „70 Stunden, vielleicht mehr?“ Er zuckt mit den Schultern.

„Wenn ich geschlafen habe, habe ich von der Arbeit geträumt“

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Veröffentlicht: 23.02.2011, 00:05 Uhr