11.08.2008 · Neben der überdurchschnittlich gestiegenen Anzahl berufstätiger Frauen hat sich auch ein höherer Anteil von Teilzeitbeschäftigten positiv auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht. Das geht aus neuen Zahlen der EU hervor.
Erst sieben von 27 Ländern der Europäischen Union (EU) haben im vergangenen Jahr die für 2010 vorgegebene Beschäftigungsquote von 70 Prozent erreicht. Dies geht aus einer Übersicht des EU-Statistikamts Eurostat hervor. Demnach waren in der Gemeinschaft zuletzt 218,5 Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren berufstätig. Dies entspricht einer Beschäftigungsquote von 65,4 Prozent und einem Anstieg um 0,9 Prozentpunkte gegenüber 2006. Während der Verabschiedung der sogenannten Lissabon-Strategie, die Europa innerhalb eines Jahrzehnts in den wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt verwandeln sollte, hatte der Beschäftigungsgrad 62,1 Prozent betragen und sich bis 2004 nur geringfügig verbessert. Der Beschäftigungsgrad von Frauen hat sich zwischen 2000 und 2007 von 53,6 auf 58,3 Prozent erhöht.
Neben der überdurchschnittlich gestiegenen Anzahl berufstätiger Frauen und dem in den vergangenen Jahren eher günstigen wirtschaftlichen Wachstumsraten hat sich auch ein höherer Anteil von Teilzeitbeschäftigten positiv auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht. Dies gilt insbesondere für die Niederlande, wo zuletzt fast jeder zweite Arbeitnehmer - 46,8 Prozent - eine Teilzeitbeschäftigung ausübte; unter den Frauen lag der Anteil sogar bei 75 Prozent. Im EU-Durchschnitt hatten 31,2 Prozent der Frauen und 7,7 Prozent der Männer einen Teilzeitjob, was einem Anteil von 18,2 Prozent an der gesamten Erwerbsbevölkerung entspricht.
Deutschland verpasst die „Lissabon-Marke“
Nach den Niederlanden wies in der EU Deutschland mit 26 Prozent (45,8 Prozent der Frauen und 9,4 Prozent der Männer) den zweithöchsten Anteil für Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse auf. Dennoch verfehlte Deutschland 2007 mit einer Erwerbstätigenquote von 69,4 Prozent knapp die "Lissabon-Marke" von 70 Prozent. Darüber lagen Dänemark (77,1 Prozent), die Niederlande (76 Prozent), Schweden (74,2 Prozent), Österreich (71,4 Prozent), Großbritannien (71,3 Prozent) Zypern (71 Prozent) sowie Finnland (70,3 Prozent). In fünf EU-Ländern erreichte der Beschäftigungsgrad nicht einmal 60 Prozent: Rumänien (58,8 Prozent), Italien (58,7 Prozent), Ungarn (57,3 Prozent), Polen (57 Prozent sowie Malta (55,7 Prozent).
Neben dem in Lissabon formulierten allgemeinen Ziel einer Erwerbstätigenquote von 70 Prozent hatten die Staats- und Regierungschefs der EU auf ihrem Stockholmer Gipfeltreffen im März 2001 ferner ein spezifisches Beschäftigungsziel für ältere Arbeitnehmer gesetzt. Demnach soll 2010 mindestens die Hälfte der erwerbsfähigen Personen zwischen 55 und 64 Jahren einen Arbeitsplatz haben. Deutschland gehört zu den Ländern, die 2007 dieses Ziel schon übertroffen haben. Die Bundesregierung hofft, die Beschäftigungsquote in dieser Altersgruppe bis 2010 von zuletzt 51,5 auf 55 Prozent steigern zu können. Im EU-Schnitt erreichte der Beschäftigungsgrad bei dieser Gruppe erst 44,7 Prozent. Dies entsprach jedoch einem deutlichen Anstieg gegenüber 2000, als der Anteil erst bei 36,8 Prozent gelegen hatte.