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Beruflicher Erfolg Die Stimme macht's

11.04.2010 ·  Jeder fünfte Deutsche mag seine Stimme nicht. Dabei beeinflusst sie auch den beruflichen Erfolg. Denn wie wir auf andere wirken, bestimmt nur zu 7 Prozent der Inhalt, 55 Prozent werden visuell bewertet, zu 38 Prozent entscheidet der Klang der Stimme.

Von Ursula Kals
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Die zwei Frauen stehen sich in dem hellen Souterrainbüro gegenüber, beide sehr schlank und groß, die Lehrerin blond, ihre Schülerin dunkelhaarig. Sie machen Atem- und Artikulationsübungen. Ihr Dialog ist gewöhnungsbedürftig und besteht aus konzentriert gesprochenen Konsonantenketten: „ptkptk . . . ptkptk.“ „Bitte mit guter Anbindung an das Zwerchfell“, erinnert die Trainerin und fordert ein „f“. „Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Airbag unter dem Arm. Fff, bitte zur Luft kommen, sss, schschsch.“ Nachhaltig wehen die Töne durch das mit einem Flügel, einem Biedermeiersekretär und einem Sofa möblierte Zimmer.

„Unglaublich viel hängt vom richtigen Atmen ab, das machen viele Menschen falsch. Stimmtraining ist eine sehr körperliche Arbeit“, erläutert die Münchener Sprechtrainerin Monika Klinger. „Ich muss nicht schreien, ich muss schwingen. Personare heißt durchtönen. So stellt man Lautstärke her.“ An diesem Nachmittag im März verhilft sie Nina Sophia Rangger zu mehr Klang und Volumen. Die 35 Jahre alte ehemalige Immobilienmaklerin moderiert in Innsbruck eine Radiosendung „Aktuelle Debatten“ mit Live-Gästen und möchte ihrer Stimme mehr Ausdruck verleihen.

Dabei hört sie sich für Laienohren bereits gut an und wurde so auf einem Kinofestival fürs Radio entdeckt. „Aber ich möchte noch besser werden.“ Motiviert sind die meisten jungen wie alten Schüler, die sich bei Monika Klinger im Olympiadorf einfinden. Die Musiklehrerin, die an einem Gymnasium drei Chöre leitet, unterrichtet sowohl Berufseinsteiger, die mit ihrer Dialektfärbung hadern, als auch auch Manager, die sich mehr Gehör verschaffen möchten. Sie alle wollen mehr Bestimmtheit erlangen.

Wie wir wirken bestimmt nur zu 7 Prozent der Inhalt

Wie wir auf andere wirken, bestimmt nur zu 7 Prozent der Inhalt, 55 Prozent werden visuell bewertet, zu 38 Prozent der Klang der Stimme, haben Wissenschaftler herausgefunden. In einer Untersuchung des Netzwerks Stimme.at, in dem 70 Stimm- und Sprechspezialisten ihr Wissen weitergeben, sagen 91 Prozent der Befragten, dass sie Bewerber mit guter Stimme und Sprechweise anderen Bewerbern vorziehen. Jedoch mangelt es an objektiven Kriterien, den Karrierefaktor Stimme zu bewerten. Eines steht aber fest, fasst die Autorin der Studie, Unternehmensberaterin Helene Karmasin, zusammen: „Gut an kommt, wer stimmlich sicher wirkt und seine Stimme führen und flexibel einsetzen kann. Vollklingende mittlere Stimmlagen werden hohen oder betont tiefen vorgezogen.“ Also lieber eher den Durchschnitt repräsentieren, als mit Pieps- oder Knarzstimme die anderen zu irritieren.

Jeder Fünfte mag seine Stimme nicht, hat die Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts ergeben. Sprechtrainerin Ingrid Amon, Autorin des Buchs „Die Macht der Stimme“, nennt Gründe dafür: „Gepresste, flache Stimmen irritieren und ermüden die Zuhörer. Zu hohe oder zu tiefe Stimmlagen wirken gestresst und strengen Sprecher und Zuhörer an. Monotones Sprechen langweilt und lenkt vom Inhalt ab.“

Singen hilft

Wer früh Freude am Singen entwickelt, tut sich mit seiner Stimme leichter. Gymnasiallehrerin Monika Klinger leitet drei Chöre und ist überzeugt: „Es gibt wirklich ganz wenige, die nicht singen können.“ Die Mutter von zwei Söhnen, die mit einem Musiker verheiratet ist, legt bei all ihren Schülern Wert auf die Haltung. Das heißt, alle stellen sich aufrecht hin, die Füße hüftbreit auseinander, schieben das Becken nach vorne, nehmen die Schultern leicht nach hinten und beugen leicht die Knie. Dann die Arme weit strecken. „Sie kommen als geschlossenes Akkordeon herein und gehen als Flügel wieder hinaus“, sagt sie ihren Schülern, mit denen sie gerne und oft lacht. Und dann die Gesichtsmuskeln entspannen und die Zunge in den Unterkiefer senken. „Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Luftkugel im Mund.“

Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass es zwar vordergründig um Stimmtraining geht, im Grunde genommen aber um eine kraftvolle Grundhaltung dem Leben, gerade auch dem Berufsleben gegenüber. Denn häufig erlebt Monika Klinger Klienten, die die Schultern unnatürlich hochziehen, um den Nacken zu schützen, und sich verkrampfen, um gegen die Anstrengungen im Büro gewappnet zu sein.

„Wir stehen nicht zu dem, was wir sagen, uns fehlt die Erdung, die Bodenhaftung und damit das Gefühl, man kann wachsen“, sagt Monika Hein aus Hamburg. Die Sprecherzieherin, die eine Musicalausbildung absolviert und in Phonetik promoviert hat, bedauert: „Wir sprechen nicht aus dem Bauch heraus, der Atem wird nicht aus der Mitte herausgeschickt, wie das zum Beispiel Babys machen.“ Denn die werden nicht heiser und seien äußerst zielgerichtet. „Das Baby will etwas rüberbringen, viele haben das vor lauter Inhalte-Vermitteln vergessen.“

„Wir verlernen die Bauchatmung“

Zurück zum Stimmtraining im Olympiadorf. „Wer gut sprechen will, muss sehr kontrolliert die Luft abgeben und schnell wieder zu Luft kommen. Nicht einfach nur einatmen. Das ist ein großer Unterschied“, erklärt Monika Klinger. „Gut geatmet wird dann, wenn man vom Atem nichts hört.“ Nach einzelnen Buchstaben widmen sich die Frauen nun Fließlauten am Beispiel eines Goethe-Gedichts, diese zu lesen sei Musik: „Über allen Gipfeln ist Ruh, spürest Du kaum einen Hauch.“ Nina Sophia Rangger bildet „ein leichtes H“ und übt das kraftvolle Amten.

„Das läuft bei den meisten falsch“, bestätigt Grit Hollack, Sprecherzieherin aus Berlin. „Wir verlernen die Bauchatmung, atmen flach nach oben. Wir brauchen beim Sprechen eine kurze Einatem- und eine lange Ausatemphase. Nur so erzeugen wir einen ordentlichen Körperschall.“

Eine der Artikulationsübungen, die Laien leicht nachahmen können, ist das Korkensprechen. Dazu nimmt man einen Korken locker zwischen die Schneidezähne und liest einen Text laut und natürlich möglichst verständlich. Danach diesen Text ohne Korken lesen und sich daran freuen, wie viel deutlicher die Aussprache geworden ist. Allerdings sollte man diese Übung nur kurz betreiben, sonst schmerzt der Kiefer. Die Hamburgerin Monika Hein empfiehlt die klassische Übung, eine Kerze auszupusten, um „den kleinen Impuls im Bauch zu spüren“.

Am Schwäbeln scheitern

Die Nähe zur Rhetorik ist bei allen Trainern erwünscht, zum Beispiel beim Denksprechen und bei Übungen, bei denen die Betonung die Bedeutung erzeugt. „Ich gehe nach Hause“: So ein Satz erlangt eine andere Bedeutung, je nachdem, ob man das Subjekt oder das Verb hervorhebt. Redner, die die Vorlagen ihrer Ghostwriter nicht gründlich studiert haben, scheitern daran immer mal wieder. Sie betonen falsch, weil sie den Inhalt nicht kennen. Ohnehin sei es immer überzeugender, möglichst frei zu sprechen, Inhalte zu beherrschen.

Gut bei Stimme sein hat je nach Region auch mit dem Dialekt zu tun. So hatte eine Stuttgarter Architektin, die sich auf Baustellen in München Gehör verschaffen musste, Verständigungs- und Autoritätsprobleme. Sie drohte am Schwäbeln zu scheitern. Heute ist sie im Hochdeutschen firm, „aber hat ihre regionale Färbung behalten, das finde ich gut“, sagt Monika Klinger.

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Jahrgang 1964, Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

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