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Berufe im Handwerk Die Anspruchsvollen

Von wegen Bier holen und Werkstatt fegen: Manche Lehren im Handwerk haben ein ausgezeichnetes Image. Wir erzählen, wie vier junge Menschen ihre ehrgeizigen Pläne umsetzen.

© Müller, Andreas Vergrößern Zupfinstrumente bauen: ein hoch komplexes Handwerk

Die Schneiderin: Vom Tierkostüm zur Robe

Pailletten und Glitzer mag sie gern. Und das Gefühl, wenn seidiger Stoff unter ihren Händen Gestalt annimmt und zu einer traumhaften Robe wird. Marie-Sophie Kellermann ist 23 Jahre alt und Schneiderin im Münchener Atelier von Talbot Runhof. Zurzeit ist im Glockenbachviertel viel zu tun, Anfang März ist die Defilee-Schau in Paris. Die zierliche, brünette Frau arbeitet an einem Abendkleid aus zartem, grau-braun meliertem Stoff. „Es ist schön, mit dem tollen Material zu arbeiten und ein Kleid fertigzustellen, dass vor einem Tag noch eine Stoffrolle war. Bald trägt es ein Modell im Scheinwerferlicht, das fasziniert mich.“ Zu den Kunden gehören Schauspielerinnen und Moderatorinnen, die in der benachbarten Boutique ihre Kleider auswählen. Mit 15 Jahren liebäugelte auch Kellermann mit der Schauspielerei. Zum Glück hätten ihre Eltern sie „in Richtung Handwerk beeinflusst“. Schon als Kind hat sie viel gebastelt und Schmuck angefertigt. Ihr Schülerpraktikum machte sie bei einer Modedesignerin und verließ deren Atelier mit einem selbstgenähten Tulpenform-Wollrock und dem Gefühl, ihren Traumberuf gefunden zu haben.

23474959 © Privat Vergrößern Marie-Sophie Kellermann schneidert Kleider.

Sie informierte sich bei der Innung der Maßschneider und machte nach dem Abitur eine Schneiderlehre beim „Kostümverleih Breuer“ in Schwabing. „Ich wollte etwas Handfestes haben. Alles von der Pike auf lernen und wissen, was mit welchen Stoffen möglich ist.“ In ihrer ersten Tagen nähte sie eine König-Ludwig-Schärpe. „Wir durften sofort ran. Die Meisterin hat Schritt für Schritt erklärt, stand beim Zuschnitt neben uns und sagte: ,Ja, mach!’“ Lehrling Kellermann machte viel, schneiderte Biedermeierkostüme, Charlestonkleider, aber auch Tierkostüme wie den „Sid“, das Faultier aus „Ice Age“.

Fürs Gesellenstück nach drei Lehrjahren nähte sie vier Tage unter Aufsicht aus marineblauem Lodenflanell Rock und Kurzmantel, handgestochene Knopflöcher inklusive. Zuvor hatte sie bei der Theorieprüfung unter anderem bewiesen, dass sie fit in Fachrechnen und Kostümkunde ist. Maschinenkunde fand sie etwas fad, „da musste man viel auswendig lernen“. Keineswegs fad fanden die Prüfer ihren Zweiteiler: Kellermann wurde Landessiegerin. Vorab hatte sie sich bei Talbot Runhof beworben, wurde zum Probearbeiten eingeladen und genommen. Ihr Wunschtraum, nachdem sie eine Show-Kollektion der Designer in der „Vogue“ gesehen hatte. „Seitdem habe ich das verfolgt, all die raffiniert geschnittenen Paillettenkleider, die auf dem roten Teppich getragen werden und ausschließlich in Deutschland hergestellt werden.“

Welche Eigenschaften sollen Schneiderinnen mitbringen? „Geduld und einen gewissen Ehrgeiz.“ Geduld, weil Auftrennen zum Alltag der 42,5-Stunden-Woche gehört wie die Nadel zum Faden. „Man darf nicht genervt sein, ein Teil umzuändern, etwas auch mehrfach aufzutrennen.“ Der übliche Ablauf: Die Designer geben ihre Skizzen an die Schnittmacher weiter, welche die Ideen in einen Schnitt umsetzen. „Wir nähen zunächst aus Probestoff, sehen, wie es ausschaut am Model.“ Danach werde überlegt: die Ärmel etwas länger, der Ausschnitt etwas tiefer. „Auch unsere Vorschläge sind gefragt.“

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