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Auf der Recruiting-Messe Zweiter Frühling für Ingenieure

 ·  Eine Karrieremesse ist nur etwas für Einsteiger? Im Gegenteil. Viele erfahrene Ingenieure sehen im Moment die Chance, sich beruflich zu verbessern. Die großen Unternehmen auf den Messen freut das.

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© dapd Ein Messebesuch, ein Gespräch, ein Angebot: Im Moment ist es für erfahrene Ingenieure nicht schwer, sich beruflich zu verbessern.

Frisch rasiert stehen sie da. Feinsäuberlich aufgereiht, im Anzug und mit Aktentasche, einige haben sogar schon die Bewerbungsmappe gezückt. Dabei dauert es noch. Denn die Dame, die auf dem Recruitingtag des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) die Termine für die Karriereberatung vergibt, kommt nicht hinterher.

Rund dreißig Ingenieure stehen in der Schlange vor ihrem Schalter. Aber nicht die jungen Berufsstarter, sondern hauptsächlich Männer zwischen 40 und 50 Jahren. Sie haben Erfahrung – und eigentlich auch schon eine Festanstellung. Aber in Zeiten großer Ingenieursnachfrage sehen sie ihre Chance gekommen: Sie wollen sich beruflich noch einmal verbessern. Und deswegen heißt es nun, die eingestaubte Bewerbungsmappe vom Fachmann durchsehen lassen und sich ein paar Tipps zum nächsten Karriereschritt holen.

Am besten einer von den „Global Playern“

“Im Moment ist ein günstiger Zeitpunkt“, sagt Sebastian Krum. Seinen richtigen Namen will er lieber nicht in der Zeitung lesen, denn sein Chef fände es wohl nicht so gut, wenn er wüsste, dass er sich heute auf der Messe nach einem besseren Job umsieht. „Ich will die Gelegenheit nutzen, solange der Arbeitsmarkt so gut für mich aussieht“, sagt der Achtunddreißigjährige. Auf 100 offene Stellen für Ingenieure kommen laut Deutschem Gewerkschaftsbund derzeit weniger als 130 Arbeitssuchende. Wirtschaftsexperten nennen das Fachkräftemangel. Denn für sie gilt ein Verhältnis von drei Bewerbern pro Stelle als ausgewogen.

Sebastian Krum hat in den letzten 10 Jahren für verschiedene mittelständische Unternehmen im Sondermaschinenbau gearbeitet. Wo es als Nächstes hingehen soll, ist klar: „Ich möchte jetzt zu einem größeren Unternehmen mit klaren Strukturen und Prioritäten“, sagt er. Am liebsten wäre ihm einer von den „Global Playern“. Deswegen steuert er auf der Messe nur die großen Aussteller an: John Deere, SEW-Eurodrive und Eaton Germany.

“Es sind viele erfahrene Ingenieure da, die sich verbessern wollen“, stellt heute auch Dominicus van Esbroeck von BASF fest. „Die kommen in ihrer Firma an die Grenzen des Möglichen und wollen in ein größeres Unternehmen.“ Er und seine Mitarbeiter haben am Messestand alle Hände voll zu tun, um die Besten zu überzeugen und den Rest mit Merchandising-Artikeln zu vertrösten. Der Fachkräftemangel ist bei ihnen noch nicht angekommen.

Die Stände der kleineren Unternehmen sind kaum besucht

Bei Verigy Germany ist heute nur wenig los. Der deutsche Ableger des amerikanischen Herstellers von Testsystemen für Halbleiterbausteine beschäftigt 430 Mitarbeiter, zwei Drittel davon sind Ingenieure. Dass Katarina Oroz aus dem Personalmarketing heute 30 offene Stellen dabei hat, scheint die Messebesucher aber nicht zu interessieren. Oroz und ihre Kollegen geben sich größte Mühe, die Vorteile ihres Arbeitgebers voll zu verkörpern: Alle am Stand tragen ein schwarzes Poloshirt mit aufgedrucktem Firmenzeichen.

Das legere Auftreten soll zeigen: Bei uns herrscht eine angenehm lockere Atmosphäre, wir bieten niedrige Hierarchien und ein gutes Arbeitsklima. „Früher haben wir viel mehr Initiativbewerbungen bekommen, heute geht das meiste über persönliche Kontakte, zum Beispiel auf Messen. Wir haben es nicht mehr leicht, gutes Personal zu bekommen“, sagt Oroz.

Von einem guten in einen noch attraktiveren Job wechseln

Bis 2001 trug ihr Unternehmen noch den klangvollen Namen Hewlett Packard, dann wurde es abgespalten, und die Aura der Marke verflog. Heute muss sich Oroz einiges einfallen lassen, um Ingenieure zu werben: Wenn Nokia Siemens in München droht, Stellen zu streichen, plakatiert Verigy am nächstgelegenen S-Bahnhof den Slogan „Früher hatte ich einen super Job, heute habe ich Besseres zu tun“. Verigy spielt damit auf die Tatsache an, dass zurzeit viele Ingenieure den Luxus genießen, aus einem guten Job in einen noch attraktiveren wechseln zu können.

Die gestandenen Ingenieure zieht es zu den großen Namen, auch weil sie glauben, dort seien die Möglichkeiten grenzenlos. Sie wollen noch mal ein Feld erobern. „Über meine aktuelle Produktpalette, weiß ich so langsam alles, was man wissen kann“, sagt ein Maschinenbauer auf der Messe. Er habe bei seiner jetzigen Firma schon lange keine Fortbildung mehr besuchen dürfen. „Aber ich bin erst 43. Ich will spannende Aufgaben, neue Techniken kennenlernen. Ich will immer weiter lernen.“

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