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Arbeitszeiten Deutschland, deine Frühaufsteher

 ·  Von wegen Langschläfer: Viele Akademiker müssen zeitig an die Arbeit, ob sie wollen oder nicht. Nicht immer sind sie von Natur aus Frühaufsteher, doch attraktive Stellen sorgen für die nötige Motivation. Wir haben drei Frühaufsteher im Alltag begleitet.

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3.43 Uhr, Berlin: Winfried Schröder, Leiter des Büros der grünen Bundestagsabgeordneten Cornelia Behm, schläft. Robert Ellis, Presseleser der Britischen Botschaft in Berlin, schläft. Dunja Hayali macht den Wecker aus. „Gewöhnen tut man sich ans Aufstehen um die Uhrzeit nie“, sagt die 36-Jährige trocken. Doch beklagen will sie sich nicht. Die Sport- und Medienwissenschaftlerin mit den kurzen, abstehenden Haaren ist Hauptmoderatorin des ZDF-Morgenmagazins (Moma).

4.30 Uhr: Hayali trägt eine graue Jogginghose, den grünen Kapuzenpullover hat sie über den Kopf gezogen. Das Taxi kommt. Hayali hört Musik und liest Nachrichten auf dem Handy.

4.44 Uhr: Die Moderatorin läuft über die Moma-Bühne im Innenhof der ZDF-Hauptstadtzentrale. „Ich bin übrigens nicht aus Unhöflichkeit so still“, sagt Hayali unvermittelt. Sie sei ein Morgenmuffel. Und dann dieser Job? Hayali lacht. „Ja, verrückt, nicht? Aber der bringt einfach so wahnsinnig viel Spaß.“

4.45 Uhr: Robert Ellis steht auf.

4.50 Uhr: Hayali stößt fast mit Thomas Gill zusammen, dem Supervisor des Moma. Sie gehen ins Büro. Hayali fährt ihren Rechner hoch. Das Gespräch mit Gill ist für Außenstehende etwas kryptisch. Gill: „Hast du das Topthema?“ Hayali: „Ja, Bundeswehrreform.“ Gill: „Und den O-Ton?“ Hayali: „Danach. Macht Wulf. Ramsauer so wie gestern, wie Kohl - na ja, nicht ganz so, aber so ähnlich.“ Wulf Schmiese ist ihr Comoderator.

5.05 Uhr: Die Journalistin beginnt Anmoderationen zu schreiben und bereitet Fragen für ihre Live-Gespräche vor.

5.30 Uhr: Ellis schwingt sich aufs Fahrrad. Der 31 Jahre alte studierte Mathematiker und Politologe nimmt es bei jedem Wetter, auch bei Schnee. Fünf Minuten später kommt er an der Botschaft an, die unmittelbar um die Ecke vom Brandenburger Tor liegt. Wenige Minuten später begrüßt er seine Kollegin Hannah Boley. Ellis und Boley teilen sich acht überregionale Zeitungen auf, die sie vom Titelblatt bis zur letzten Seite lesen. Der Pressebericht „Guide to the German Press“ ist für die politischen Analysten der Botschaft und die britischen Ministerien in London.

5.47 Uhr: Die Sonne geht auf.

5.45 Uhr: Der Wecker von Winfried Schröder klingelt. Er dreht sich noch einmal um.

6.00 Uhr: Hayali schaltet den Fernseher ein, die ZDF-Nachrichten laufen. Schröder schreckt hoch. Bei ihm ist es nicht der Beruf, der ihn zum Frühaufsteher macht - zumindest nicht nur. „Als Student hat man sich das ein bisschen anders vorgestellt. Aber dann bekommst du fünf Kinder, einen Job und musst um 6 Uhr aufstehen“, sagt der 37 Jahre alte Sozialwissenschaftler.

6.34 Uhr: Hayali zieht sich um. „Ich glaube, ich habe Hemden in allen möglichen Farben dieser Welt“, witzelt sie und sprintet raus in den Flur.

6.40 Uhr: Hayali ist in der Maske. Es ist ein kleiner, brutal heller Raum, an der Wand hängt eine Parfümwerbung mit fröhlich aussehenden jungen Menschen. Familie Schröder-Krause nimmt Platz am halbrunden Küchentisch.

6.56 Uhr: Im Studio im Erdgeschoss verkabeln zwei Techniker Hayali.

6.59 Uhr: Die Moderatorin springt neben Kollege Schmiese aufs weiße Sofa. „Einen schönen Morgen von uns“, begrüßt sie die Zuschauer.

7.15 Uhr: Robert Ellis und Hannah Boley hören auf zu lesen. Sie vergleichen Notizen. Nach knapp 15 Minuten Diskussion beginnen die beiden, auf ihre Tastaturen zu hämmern.

7.42 Uhr: Hayali hat inzwischen das „Top-Thema“ anmoderiert, eine Live-Schaltung mit dem Korrespondenten in Jordanien abgehalten, die Presseschau mit einem Kollegen von der „Bild“-Zeitung absolviert und ist geschätzte zwanzig Mal übers Set gelaufen, hat sich Notizen gemacht sowie zwischendurch einen kurzen Plausch mit Schmiese gehalten. Jetzt steht sie vor einem Schminkspiegel und zupft an ihren Haaren. „Kann ich das Nächste mit Wulf zusammen machen?“, fragt sie den Aufnahmeleiter. „Na, wenn ihr euch kurzfasst“, sagt der. Hayali nickt und läuft zurück aufs Sofa, um über Hundehaftpflicht zu sprechen.

7.55 Uhr: Winfried Schröder hat seine braune Hose und Poloshirt gegen einen grauen Anzug und ein weißes Hemd getauscht. Es geht los zur Schule, mit dem Fahrrad.

8.09 Uhr: Ankunft an der Schule. Schröder verabschiedet seine Kinder und schwingt sich abermals aufs Rad.

8.27 Uhr: Hayali und Schmiese gehen aus dem Studio in den Hof ins Moma-Café. Aufgeregtes Klatschen der Gäste.

8.30 Uhr: Ellis und Boley lesen Korrektur und arbeiten Änderungen ein. Das Gespräch läuft auf Englisch und ist etwas hektisch. „Stranger powers? Funktioniert das hier?“, fragt Boley.

8.33 Uhr: Schröder schließt sein Rad vor dem Jakob-Kaiser-Haus beim Bundestag an. Hayali setzt sich zwischen Schüler an die Moma-Bar und moderiert den Fall Kachelmann an. Während der Beitrag läuft, gibt der Aufnahmeleiter ihr eine CD der Band. „Kennt ihr die?“ fragt sie die Schüler. „Nö.“

8.43 Uhr: Schröder nimmt den Fahrstuhl in den zweiten Stock. Zwei Minuten später ist er im Büro. Der erste Griff gilt der Filterkaffeemaschine, die sich hinter der Schrankwand versteckt. Hayali stellt sich für ein kurzes Interview zu den Musikern auf die Bühne. Ellis wirft einen Blick zur runden Uhr über der Tür. Es bleibt noch kurz Zeit, um am Layout zu arbeiten.

9.00 Uhr: Das ZDF-Moma ist zu Ende. Hayali verabschiedet sich, Techniker ziehen ihr die Kabel aus dem Hemd. Ellis und Boley gehen mit dem Bericht zum Chef. Nach konzentriertem Lesen und leisen Kommentaren zu den aktuellen Nachrichten entlässt er sie zehn Minuten später: „Gut, vielen Dank.“

9.03 Uhr: In der Maske wirft sich Hayali Wasser ins Gesicht und rubbelt das Make-up ab. Es riecht nach Zitronenseife. Bei Schröder ist der Kaffee fertig. Er trinkt ihn schwarz.

9.12 Uhr: Die Presseleser schicken den Bericht raus. Das Timing ist gut, in London ist es eine Stunde früher. Die Besprechung in der Schlussredaktion hat angefangen. Hayali setzt sich aufs Fensterbrett. Das Team diskutiert, wie die Sendung gelaufen ist.

9.25 Uhr: Pause. Ellis und Boley laufen zur Kantine. Die britischen Presseleser entscheiden sich für Kaffee statt Tee.

9.27 Uhr: Schröder liest das Protokoll einer gestrigen Bundestagssitzung zur Kohlendioxidspeicherung unter der Erde, er muss eine Pressemitteilung (PM) dazu schreiben. Schröder schenkt Kaffee nach. „Du auch?“, fragt er seine Kollegin. Sie blickt angestrengt auf eine lange Liste Termine. „Nein, danke, mir ist schon schlecht.“ Beide lachen.

9.55 Uhr: Ellis und Boley arbeiten jetzt am zweiten Pressebericht des Tages. Die Presseleser gucken sich etwa zwanzig Nachrichtenseiten im Internet an. „Es kommt häufiger vor, dass die persönliche Assistentin vom Europaminister oder die des Außenministers anruft und nach einer Nachrichteneinschätzung fragt“, sagt Ellis.

10.00 Uhr: Hayali ist wieder in ihrem Büro, greift nach den Sportklamotten, um gleich zur nächsten Konferenz zu laufen. Jetzt werden die Themen für die nächste Sendung besprochen.

10.46 Uhr: Behm ruft an. Schröder: „Ja, ich bin in den letzten Zügen der PM, soll ich dir das gleich aufs Handy schicken oder sagen?“

11.36 Uhr: Hayali verlässt die Redaktion und ruft sich ein Taxi.

12.00 Uhr: Schröder und Uhl gehen Mittagessen. Ellis geht zu einer Sitzung zum Thema Außenhandelsförderung.

12.01 Uhr: Hayali kommt zu Hause an. Jetzt wird sie sich eine Stunde hinlegen, dann gibt's Frühstück, Mails sind zu beantworten, und sie recherchiert.

12.38 Uhr: Behm kommt rein: „Geht noch jemand mit mir essen?“ Schröder verweist auf seinen Kollegen und senkt den Kopf wieder über ein Papier.

13.00 Uhr: Ellis macht heute eine Stunde früher als gewohnt Schluss, er hat am Wochenende sein erstes Kind bekommen. Boley wird das Update des Presseberichtes rausschicken.

17.30 Uhr: Schröder verlässt das Büro.

19.30 Uhr: Hayali hat eine Telefonkonferenz zur morgigen Sendung. Gern geht sie dabei mit ihrem Hund joggen. Danach ist Feierabend für sie.

20.45 Uhr: Schröders Kinder sind im Bett. Er setzt sich an den Schreibtisch, um noch einen Beitrag für ein Positionspapier fertig machen.

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