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Arbeitsmarkt Die größten Job-Schaffer in Deutschland

17.07.2007 ·  Das Blatt hat sich gewendet: Nach dunklen Jahren am Arbeitsmarkt bauen Unternehmen in Deutschland im Saldo wieder mehr Stellen auf als ab, wie aus der Halbjahresbilanz der Einstellungen und Entlassungen der F.A.Z. hervorgeht.

Von Georg Giersberg
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Die deutsche Wirtschaft schafft immer mehr Arbeitsplätze: Knapp 60.000 Stellen wurden allein von jenen Unternehmen im ersten Halbjahr neu ausgeschrieben, die öffentlich mehr als 100 Mitarbeiter zusätzlich einstellen wollen. Abgebaut wurden in der Größenordnung mehr als 100 Mitarbeiter dagegen "nur" knapp 25.000 Stellen. Erstmals seit langem ist ein eindeutiger Saldo zugunsten der Einstellungen zu verzeichnen. Hinzu kommt, dass es sich bei diesen Veröffentlichungen fast immer um qualifizierte Mitarbeiter handelt, die man sucht. Das sind in der Regel dauerhafte Stellen, die geschaffen werden.

Diese Stellen kosten die Unternehmen denn auch viel Geld. Allein in der Elektroindustrie werden von den Unternehmen 23.000 Euro in diesem Jahr ausgegeben, um einen Arbeitsplatz wettbewerbsfähig zu halten. Diese Aufwendungen summieren sich für die ganze Branche mit ihren 800.000 Beschäftigten auf fast 18 Milliarden Euro. Davon entfallen je Arbeitsplatz etwa 12.000 Euro auf Forschung und Entwicklung neuer Produkte, 9000 Euro je Arbeitsplatz auf den Erwerb neuer Maschinen (Anlageinvestitionen) und immerhin noch 2000 Euro je Arbeitsplatz und Jahr auf die Ausgaben für Fort- und Weiterbildung des Mitarbeiters. Das kann die deutsche Elektroindustrie ausgeben, weil sie aufgrund ihrer internationalen Spitzenstellung wieder Geld verdient: 5,5 Prozent Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern im vergangenen Jahr und "spürbar mehr" (ZVEI-Hauptgeschäftsführer Gotthard Graß) in diesem Jahr.

Manager scheuen noch das Risiko

Es wird aber immer schwieriger, die teuer eingerichteten Arbeitsplätze mit Experten zu besetzen. Nicht nur Ingenieure sind knapp, fast überall fehlt es an guten Fachkräften. Beratungsunternehmen klagen ebenso über Fachkräftemangel wie Maschinenhersteller, Gebäudemanagementfirmen und Softwareentwickler. Bei dem einen oder anderen Unternehmen dürfte es aber auch daran liegen, dass nur ganz bestimmte Qualifikationen nachgefragt werden. "Die Bereitschaft deutscher Manager, Risiken einzugehen, indem man auch einmal fachfremde Mitarbeiter einstellt, ist noch immer gering", bestätigt Erik Meyer, geschäftsführender Gesellschafter der auf Personalsuche (Headhunting) spezialisierten Stanton Chase International GmbH in Frankfurt. Nur die Kreditkartenunternehmen hätten in den neunziger Jahren, statt Kreditkartenexperten bei den Banken abzuwerben, ihre Organisation mit branchenfremden Mitarbeitern aufgebaut "und damit gute Erfahrungen gemacht". Aber auf andere Unternehmen abgefärbt habe diese Vorgehensweise dennoch nicht.

Stattdessen gehen immer mehr Unternehmen immer früher auf Mitarbeitersuche. An Schulen und Hochschulen hole man sich heute Praktikanten, die man auf diese Weise schon früh an das Unternehmen binden könne. Meyer geht davon aus, dass die integrierten Studiengänge, wie sie Berufsakademien, aber auch Privathochschulen anbieten, immer stärker in Anspruch genommen werden. Die Studenten sind dann bei einem Unternehmen angestellt und absolvieren das Studium parallel zur beruflichen Tätigkeit.

Ideenlose Personalsuche

Je teurer die Suche und Einstellung neuer Mitarbeiter wird, umso wichtiger wird es, die eigenen schon vorhandenen Mitarbeiter zu halten. Allerdings nehmen viele Unternehmen den Wert ihrer Mitarbeiter erst sehr spät wahr. Meyer beobachtet eine deutliche Zunahme der Fälle, in denen Kandidaten kurz vor der Unterschrift unter einen Arbeitsvertrag bei einem neuen Arbeitgeber abspringen und dann doch in ihrem bisherigen Unternehmen bleiben. "Oft hat ihnen dann im letzten Augenblick ihr bisheriger Arbeitgeber doch noch eine Karriere eröffnet", sagt Meyer. Durch eine aktive Personalplanung mit persönlicher Perspektive ließen sich viele Mitarbeiter halten, weil sie sich dann betreut und anerkannt fühlen. "Da hat es der Headhunter schwer", resümiert Meyer. Schwerer wird es aber auch für das suchende Unternehmen. Um gute Leute von anderen Firmen abwerben zu können, müsse man heute mehr bieten als nur ein höheres Gehalt. Das hätten noch nicht alle Unternehmen verstanden, beklagt er. Es fehle oft an den richtigen Anreizen, um neue Mitarbeiter zu bekommen.

Aber noch gibt es auch viele Menschen, die eine neue Arbeitsstelle oder überhaupt eine Arbeit suchen. Trotz der Lücke von geschätzt fast 50.000 Ingenieuren sagt Kay Tangermann von der gleichnamigen Hamburger Werbeagentur, er habe bisher jede offene Stelle besetzen können. Für seine Theorie, dass die Lage für die suchenden Unternehmen viel weniger dramatisch sei, spreche die Zahl von 200.000 Blindbewerbungen bei BMW etwa. Auch Porsche habe keine Schwierigkeiten, Ingenieure zu finden. Tangermann glaubt, dass es oft an mangelnder Kommunikation liegt, wenn offene Stellen nicht zu besetzen sind. Man habe dann nicht richtig dafür geworben. Außerdem fehle es oft an der Attraktivität der Stelle oder der Attraktivität des Unternehmens. "Was der große Unternehmer und Philosoph Walther Rathenau vor 100 Jahren sagte, gilt auch heute noch: Die Klage über die Schärfe der Konkurrenz ist in Wirklichkeit nur eine Klage über den Mangel an eigenen Einfällen", zieht Tangermann das Fazit seiner Erkenntnisse.

Die Umwelttechnik macht Arbeit

Für Arbeitnehmer bleiben die Aussichten in jedem Fall gut. Sowohl die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen als auch die Einstellbereitschaft der Unternehmen war in diesem Jahrtausend nie höher als heute. Ändern werden sich eventuell die Branchen, in denen die meisten neuen Stellen entstehen. War es in den vergangenen Jahrzehnten häufig die Automobilindustrie, von der die meisten Impulse ausgingen, so könnte es zukünftig die Umwelttechnik sein. Nach einer Schätzung der Allianz werden in der Umwelttechnik bis zum Jahr 2030 gut 700.000 neue Stellen entstehen. Der Dienstleistungsbereich, so eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHT), werde allein in diesem Jahr 450.000 neue Stellen schaffen.

Quelle: F.A.Z., 16.07.2007, Nr. 162 / Seite 14
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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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