02.03.2008 · Die kalifornische Technologieregion strotzt wieder vor Kraft. Überall stehen die Zeichen auf Investition. Es gibt Karrierechancen zuhauf.
Von Roland LindnerDer „Highway 101“ ist eines der treffsichersten Stimmungsbarometer in der amerikanischen Technologiehochburg Silicon Valley. Die Hauptverkehrsader im Valley führt von San Francisco nach San José, vorbei an all den Orten, die als Heimat der größten Technologieadressen Amerikas bekannt sind: Mountain View, Palo Alto, Sunnyvale oder Santa Clara. Hier sitzen Unternehmen wie Google, Hewlett-Packard, Yahoo oder Intel.
„Der Highway 101 ist im Moment wieder chronisch verstopft. Daran sieht man am besten, wie gut die Dinge hier laufen“, erzählt Martin Roscheisen, Gründer und Vorstandschef des Solarzellenunternehmens Nanosolar aus San José. Der in Deutschland geborene Roscheisen steht hier oft genug im Stau, wenn er von seinem Wohnort Los Gatos nach San José fährt. Er beobachtet heute ein ähnliches Verkehrsaufkommen wie in der Hochphase der Technologiebegeisterung Ende der neunziger Jahre und Anfang dieses Jahrzehnts. Nach dem Platzen der Technologieblase war zwischenzeitlich freilich Krisenstimmung angesagt, und auf dem Highway 101 gab es freie Fahrt.
Neue Erfolgsgeschichten
Doch nun herrscht wieder Goldgräberstimmung im Silicon Valley. Es werden Erfolgsgeschichten geschrieben. Die Gründer der Internetgesellschaft Google, Sergey Brin und Larry Page, sind innerhalb weniger Jahre zu Multimilliardären geworden und gehören heute zu den zehn reichsten Amerikanern. Und hinter den beiden Superstars von Google drängt schon die nächste Generation von blutjungen Unternehmern ins Rampenlicht, allen voran Mark Zuckerberg, das 23 Jahre alte Milchgesicht hinter der Online-Gemeinde Facebook. Zuckerberg hat vor wenigen Monaten dem Softwaregiganten Microsoft 240 Millionen Dollar für einen Minianteil von 1,6 Prozent abgeschwatzt.
Solche Erfolgsbeispiele sorgen für eine Welle an Neugründungen, und Wagniskapitalgesellschaften pumpen viel Geld in junge Unternehmen, in der Hoffnung, damit auf den nächsten Superstar in der Art von Facebook zu wetten. Überall stehen die Zeichen auf Investition – das macht das Silicon Valley zur Region der unbegrenzten Karrieremöglichkeiten.
Der aktuelle Ablsolventenjahrgang - weitgehend abgegrast
Die Unternehmen liefern sich regelrechte Kämpfe um die talentiertesten Mitarbeiter. Den größten Bedarf gibt es an Softwareentwicklern: Das sind meist studierte Computerwissenschaftler, die in den Unternehmen an neuen Programmen arbeiten. Unternehmen wie Google und Facebook holen sich viele Absolventen von der Elite-Universität Stanford im Herzen des Silicon Valley. Der aktuelle Jahrgang, der im Mai sein Studium abschließt, soll bereits weitgehend abgegrast sein. Kein Wunder – die Internetbranche gehört im Moment zu den dynamischsten Bereichen.
Daneben entstehen im Silicon Valley auch immer mehr Unternehmen, die sich mit Umwelttechnologien beschäftigen und die unter Schlagworten wie „Green Tech“ oder „Clean Tech“ laufen. Nanosolar von Martin Roscheisen ist ein Beispiel dafür. Roscheisen ist selbst ein ehemaliger Stanford-Computerwissenschaftler und hat zunächst einige Unternehmen im Bereich Informationstechnologie gegründet. Im Jahr 2002 rief er Nanosolar ins Leben, zu den frühen Investoren gehörten damals die Google-Gründer. Heute arbeiten knapp 200 Menschen für Nanosolar, und nach den Worten von Roscheisen ist die Mitarbeitersuche nicht einfach. „Besonders schwer ist es, gute Ingenieure zu finden“, sagt er.
Das heißt nicht, dass es keine harte Konkurrenz um begehrte Jobs gibt: „Der Aufschwung im Silicon Valley hat viele Leute hierhergelockt. Das heißt, der Pool an möglichen Arbeitskräften ist auch größer geworden“, sagt Roscheisen. Zwar jagen sich Unternehmen im Valley regelmäßig Topmitarbeiter ab. Und in jüngster Zeit sind häufig Geschichten von Mitarbeitern zu hören, die große Internetkonzerne wie Google verlassen und stattdessen zu einem aufstrebenden Unternehmen wie Facebook wechseln, wo es die Aussicht auf einen großen Zahltag im Rahmen eines noch bevorstehenden Börsengangs gibt. Gleichwohl ist es alles andere als einfach, bei Google unterzukommen. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr rund zwei Millionen Bewerbungen bekommen, aber nur gut 6000 Mitarbeiter eingestellt. Der Einstellungsprozess ist als langwierig und knallhart berüchtigt.
Hohe Ansprüche
Auch das im Silicon Valley ansässige Design- und Beratungsunternehmen Frog Design, das seine Wurzeln in Deutschland hat, stellt hohe Ansprüche: „Wir nehmen ein Prozent der Leute, die sich bei uns bewerben“, sagt Vorstandsmitglied Doreen Lorenzo. Dabei stehen die Zeichen für Frog durchaus auf Expansion: Das Unternehmen wird die Zahl seiner Mitarbeiter in der Region im laufenden Geschäftsjahr um 25 auf 137 ausbauen. Frog braucht vor allem Softwareentwickler und Designer für digitale Medien, und nach den Worten von Lorenzo gehört die Persönlichkeit der Bewerber zu den wichtigsten Kriterien: „Wir brauchen Leute, die ein gutes Auftreten haben und mit Kunden reden können. Ein Softwareingenieur, der nur in seiner Ecke sitzt, bringt uns nichts“, sagt sie.
Trotz des derzeitigen Booms sind die Erinnerungen an den vergangenen Absturz vor einigen Jahren im Silicon Valley noch sehr präsent. Die Frage, ob es die Gefahr einer Überhitzung oder gar einer neuen Blase gibt, steht immer im Raum. Nach Meinung von Frog-Fachfrau Lorenzo ist die Ausgangsposition heute aber viel besser, trotz der gegenwärtigen wirtschaftlichen Unsicherheit in Amerika: „Damals gab es so viele Neugründungen, über deren Produkte man nur den Kopf schütteln konnte. Heute beherrschen Unternehmen mit wirklichen Geschäftsplänen die Szene.“
Paßt nicht ganz
Lutz Jansen (LJA)
- 02.03.2008, 13:23 Uhr
Do you know the way to San Jose?
Günther Randolph (henryrun)
- 03.03.2008, 01:10 Uhr