Home
http://www.faz.net/-gym-7ax9y
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Arbeitgebernahes Institut Ein guter Chef wirkt Wunder

Deutschlands Führungskräfte haben Nachholbedarf. Das hat das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) festgestellt. Nur 69 Prozent der Arbeitnehmer erfahren einer IW-Studie zufolge immerhin manchmal Unterstützung durch ihren Chef.

© dpa Vergrößern Aus dem Takt: Zu wenige Chefs gehen richtig auf ihre Untergebenen ein.

Anerkennung, Respekt und Motivation für die Mitarbeiter fällt vielen Führungskräften noch schwer. Nach einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft erfahren nur 69 Prozent der Beschäftigten zumindest manchmal Unterstützung durch ihren Chef. Im EU-Durchschnitt sind es 81 Prozent. „Auf die Führungskräfte kommt es an“, sagte IW-Direktor Michael Hüther am Montag in Berlin. Die Arbeitszufriedenheit sei für viele Beschäftigte entscheidender als die Bezahlung. Ein guter Chef wirke Wunder.

Das Institut wertete Daten der EU-Organisation Eurofund mit 2000 Befragten in Deutschland aus. Hinzu kamen weitere inländische Daten aus den Jahren 2010 bis 2012. Demnach sind hierzulande 88 Prozent der Beschäftigten mit ihrer Arbeit zufrieden - ein über die Jahre weitgehend konstanter Wert. Deutschland liegt damit unter den 31 untersuchten Ländern an neunter Stelle. Spitzenreiter ist Dänemark, Schlusslicht Albanien. Das Ergebnis für Deutschland deckt sich in etwa mit Befunden der OECD.

Mehr zum Thema

Dass laut Krankenkassen mehr Beschäftigte wegen psychischer Erkrankungen in Frührente gehen, führt das Institut darauf zurück, dass Depressionen und andere psychische Leiden häufiger diagnostiziert würden als früher. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fühlen sich viele dadurch belastet, dass sie sich um mehrere Aufgaben gleichzeitig kümmern müssen. Termin- und Leistungsdruck sowie ständige Unterbrechungen stressen demnach einen großen Teil der Beschäftigten.

„Es kann keine Rede davon sein, dass sich die Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren systematisch verschlechtert haben“, betonte Hüther. Viele hätten gerade unter Stress und Zeitdruck Spaß bei der Arbeit, ergab die Institutsstudie. Das gelte zumindest zeitweise, etwa in Projektphasen, schränkte Studienleiter Oliver Stettes ein. „Stress wirkt sich negativ aus, wenn er auf Dauer zur Überlastung führt.“

Geld spielt in Deutschland eine kleinere Rolle

Geld spielt nach der Untersuchung bei den deutschen Beschäftigten nicht so eine so große Rolle wie in vielen südeuropäischen Ländern. 82 Prozent derer, die meinen, zu wenig zu bekommen, sind dennoch mit ihrer Arbeit zufrieden. Bei denen, die mit ihrem Gehalt zufrieden sind, sind es zwar 95 Prozent. Dieser Unterschied ist in vielen Ländern aber größer.

„Ein hohes Gehalt, gute Karrierechancen und ein sicherer Arbeitsplatz sorgen dafür, dass die Beschäftigten zufrieden sind“, sagte Hüther. Wichtig ist nach der Umfrage aber auch, Einfluss zu nehmen, etwa auf die Arbeitsorganisation, die Wahl der Teamkollegen und auf Zielvereinbarungen. Nach Daten des IW trainieren etwa die Hälfte der Unternehmen ihre Führungskräfte. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte ermittelt, dass die Führungsqualität in Deutschland Mittelmaß ist.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Am Limit Arbeitnehmer gestresster als noch vor fünf Jahren

Deutsche Arbeitnehmer sind gestresst. Doch anderen Nationen geht es nicht besser: Globaler Spitzenreiter in Sachen Burn-Out ist China. Als Stressproduzenten werden immer wieder die gleichen Faktoren genannt. Mehr

19.01.2015, 14:00 Uhr | Beruf-Chance
Sparpolitik Briten sind gegen den deutschen Sparkurs

In London nimmt die Kritik am deutschen Sparkurs zu: Denn die "German Austerity" gefährde die Eurozone und darunter leide auch die Wirtschaft in Großbritannien. "Die Leute verstehen Deutschland nicht", sagt Quentin Peel, Kolumnist bei der führenden Wirtschaftszeitung Financial Times. Die deutsche Wirtschaftspolitik ist aus Sicht vieler britischer Kommentatoren völlig falsch. Mehr

21.01.2015, 18:21 Uhr | Wirtschaft
Ab 48 Wochenstunden Mehr Arbeit, mehr Alkohol

Menschen, die überdurchschnittlich viel arbeiten, legen einen bedenklichen Umgang mit Alkohol an den Tag - und das weltweit. Bewiesen haben das nun die Finnen. Mehr

16.01.2015, 16:00 Uhr | Beruf-Chance
Stress im Alltag Verein für Entschleunigung hilft zu entspannen

Alltag bedeutet für viele Menschen Stress - der österreichische Verein zur Verzögerung der Zeit will helfen, in einer schnelllebigen Welt wieder mehr Balance zu finden. Der Verein, ein Teil der internationalen Entschleunigungs-Bewegung, hat auch in Deutschland zahlreiche Anhänger. Mehr

30.11.2014, 10:58 Uhr | Gesellschaft
Opel-Gesamtbetriebsratschef Wir sind wieder die Gewinner

In schwerer Zeit wurde Wolfgang Schäfer-Klug bei Opel zum obersten Arbeitnehmervertreter gewählt. Nun sieht er die Marke mit dem Blitz auf der Überholspur und nennt neue Stellen ein Dauerthema. Mehr

21.01.2015, 14:26 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.07.2013, 14:39 Uhr

Stellensuche
Was
Wo