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Arbeitgeber-Ranking Die Traumjobs der Frauen

17.12.2009 ·  Männer wollen bei Porsche, Siemens und der Deutschen Bank ihr Geld verdienen. Frauen mit der gleichen Hochschulausbildung zieht es zu Lufthansa, L'Oréal oder Bayer. Die Vorlieben sind unterschiedlicher als gedacht.

Von Inge Kloepfer
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Frauen lieben L’Oréal. Männer nicht. Dabei geht es nicht um die Kosmetikmarke, ihre Shampoos und Faltencremes, sondern um L'Oréal als Arbeitgeber. Wirtschaftswissenschaftlerinnen geben den französischen Konzern auffällig häufig an, wenn sie nach ihren fünf Lieblingsarbeitgebern gefragt werden (siehe Tabellen). Männer hingegen wählen L’Oréal nicht einmal unter ihre Top 100. Andersherum verhält es sich bei Finanzkonzernen wie der Deutschen Bank. Sie ist bei jungen Männern als potentieller Arbeitgeber sehr beliebt. Bei den Frauen liegt sie dagegen abgeschlagen auf Rang 26 und 27.

Das sind nur zwei Ergebnisse einer Studie der Beratungsgesellschaft Universum für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Regelmäßig befragt Universum 27.000 Männer und Frauen unter 40 Jahren mit Hochschulabschluss und bis zu acht Jahren Berufserfahrung sowie Studenten nach den beliebtesten Arbeitgebern. Für die F.A.S. hat sie die Vorlieben von Männern und Frauen herausgefiltert – und findet große Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Kosmetik, Reisen, Luftfahrt und Mobilität

Zwar sind etwa Automobilbauer wie BMW oder Porsche bei Frauen fast ebenso beliebt wie bei Männern, und Naturwissenschaftlerinnen arbeiten ebenso gerne wie ihre männlichen Kommilitonen in Forschungsinstituten der Max-Planck- oder Fraunhofer-Gesellschaft. Doch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern überwiegen.

Kosmetik, Reisen, Luftfahrt und Mobilität – das seien noch immer Branchen, die vor allem Frauen ansprächen, konstatiert Axel Keulertz, der bei Universum die Forschungsabteilung im deutschsprachigen Raum leitet.

Dass Frauen sich in der Wahl ihrer Lieblingsarbeitgeber so stark von Männern unterscheiden, führt er auch darauf zurück, dass sie schon im Studium andere Vorlieben haben. So verlegen Frauen sich in BWL traditionellerweise viel eher auf die Fachrichtungen Personal und Marketing als auf Finanzen. Da liegt ein Job bei L’Oréal näher als einer bei der Deutschen Bank.

Pharma statt Technologie

In naturwissenschaftlichen Studiengängen neigten Frauen zu Fächern wie Biologie oder Chemie, sagt Keulertz, Männer dagegen zu Physik oder Mathematik. Diese akademische Weichenstellung spiegelt sich in der Beliebtheit der Unternehmen wider. Frauen interessieren sich eher für Pharma-Unternehmen wie Bayer oder Novartis, Männer für ausgewiesene Technologie-Konzerne à la Siemens.

Vielen großen Unternehmen scheint es jedoch relativ schnuppe zu sein, wie beliebt sie bei den Frauen sind – solange sich trotzdem noch genügend Arbeitswillige bei ihnen bewerben. Siemens, bei den Männer-Naturwissenschaftlern auf Platz 4, bei den Frauen auf Platz 20, gibt sich besonders gelassen. „Solche Ranglisten sind für uns nicht viel wert“, sagt ein Sprecher. „Natürlich haben wir Programme zum Diversity-Management und zur Talentförderung entwickelt. Aber diese Programme zeigen eben erst langfristig Wirkung in den Rankings.“

Förderprogramme greifen nicht immer

Audi und Adidas verweisen auf ihre männerspezifischen Produkte. „Wir müssen bis zu einem gewissen Grad akzeptieren, dass Autos für Frauen einfach nicht so attraktive Produkte sind wie für Männer“, sagt eine Sprecherin. Adidas führt seine schlechten Umfragewerte unter Frauen auf den Männersport Fußball zurück, der im Unternehmen eine wichtige Rolle spielt. Nur die Deutsche Bank gibt sich nachdenklich. „Die Ergebnisse der Umfrage sind für uns Ansporn, noch stärker deutlich zu machen, welche Chancen die Deutsche Bank Frauen bietet“, heißt es dort.

Das ist gar nicht so einfach. Denn es ist zwar für viele Frauen zentral, ob sie erwarten, an einem Arbeitsplatz persönliche Lebensvorstellungen verwirklichen zu können. Diese Erwartungen sind allerdings recht unabhängig davon, was die Konzerne sich zur Frauenförderung einfallen lassen. So sagt Sonja Bischoff, Professorin für Betriebswirtschaft in Hamburg: „Individuelle Regelungen, die den mit Frauen sehr unterschiedlichen Lebensbedürfnissen entgegenkommen, sind viel wichtiger als die Förderprogramme für Frauen, die vor allem die großen Konzerne auflegen.“

Personalverantwortung nachrangig

Das zeigen auch die Befragungen von Universum. Für junge berufstätige Frauen und Studentinnen ist demnach ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Arbeits- und Privatleben – anders als für ihre männlichen Altersgenossen – vorrangig. Gleich danach nennen die Frauen die intellektuelle Herausforderung. Personalverantwortung hingegen, die für die Männer von erheblicher Bedeutung ist, steht weiter hinten.

Angesichts dessen mag die Beliebtheit wissenschaftlicher Institutionen bei Naturwissenschaftlerinnen kaum verwundern. Das überaus positive Abschneiden der Lufthansa als hierarchisch organisiertes Unternehmen ist allerdings überraschend. Die Beauftragte der Lufthansa für Chancengleichheit, Anne-Cécile Becker, erklärt sich das gute Image mit einer langen Tradition der Gleichbehandlung von Frauen im Unternehmen. „Die Lufthansa hat seit je einen großen Frauenanteil in der Belegschaft“, sagt sie. Schon in den sechziger Jahren habe Lufthansa als eines der ersten Unternehmen die tarifvertragliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen fest vereinbart.

Vorsichtig im eigenen Haus

Forschungsleiter Keulertz ist überzeugt, dass solche Traditionen einen starken Einfluss auf die Wahl der Frauen haben. „Die gelebte Kultur im Unternehmen und deren Kommunikation nach außen sind für das Image von erheblicher Bedeutung“, sagt er. Beides müsse übereinstimmen. Eine von der Führungsspitze propagierte Unternehmenskultur allein nütze hingegen wenig.

Das zeigt auch das Beispiel einer Mitarbeiterin der Deutschen Bank. Sie kann das schlechte Abschneiden ihres Arbeitgebers zunächst nicht nachvollziehen. Es gebe doch alles: Telearbeitsplätze, Mentoring-Programme, Frauen-Konferenzen. Dann aber möchte sie trotz ihres Lobs auf keinen Fall namentlich genannt werden. „Da bekommt man hier ganz schnell den Stempel, die mit diesem ewigen Frauenthema zu sein.“

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Jahrgang 1964, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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