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Arbeiten und Leben Lob der Faulheit

04.07.2007 ·  Es ist elf Uhr, und Sie haben das Gefühl, dass es Zeit für eine Pause ist? Machen Sie eine! Müßiggang ist kein Laster. Wer sich Ruhe gönnt, arbeitet produktiver. Hier sind die besten Tricks.

Von Friederike Haupt
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Müßiggang ist kein Laster. Im Gegenteil: Wer sich Ruhe gönnt, arbeitet produktiver. Hier sind die besten Tricks.

1. Langsam aufstehen

Für die meisten beginnt der Arbeitstag quälend, mit dem Klingeln des Weckers nämlich. Den Trick, den Plattenspieler frühmorgens eine Ramones-Platte in ohrenbetäubender Lautstärke abspielen zu lassen, verwarf Faulheitsexperte Tom Hodgkinson als Student, nachdem er festgestellt hatte, dass er dann nur aufstand, um den Ton auszuschalten und weiterzuschlafen. "Der glücklichste Teil im Leben eines Menschen ist der, den er morgens wach im Bett verbringt", heißt es, und daher rät Hodgkinson, nach dem Aufwachen noch eine Weile liegen zu bleiben. Diese Zeit verschwendet der Faulpelz aber nicht etwa, sondern kann sich dösend auf die Herausforderungen des Tages einstellen. Er trennt Wichtiges von Belanglosem, reflektiert die Leistungen und Fehler vom Vortag und kann später im Büro koordiniert an die Arbeit gehen.

2. Pausen machen

Es ist elf Uhr, und Sie haben das Gefühl, dass es Zeit für eine Pause ist? Machen Sie eine! "Zu viel zu tun" gilt nicht, stellt Hodgkinson fest, denn: "Es macht keinen Spaß, nichts zu tun, wenn man nichts zu tun hat." Fünfzehn Minuten Pause an einem stressigen Vormittag erscheinen wertvoller als eine Stunde auf dem Sofa an einem vertrödelten Sonntag. Autor Thomas Hohensee rät sogar zu 15-minütigen Pausen im Abstand von etwa zwei Stunden. Der Trick bestehe darin, sich zu erholen, bevor man erschöpft sei. Dies nennt Hohensee das "Prinzip der subjektiven Unterforderung", das es ermögliche, die Erholungsphasen insgesamt kürzer zu halten, als wenn man sich völlig erschöpft regenerieren müsste. Der Faule befindet sich dabei in prominenter Gesellschaft: Auf seiner halbstündigen Mittagspause bestand schon Winston Churchill. "Leider tun viele in Zeiten des Stresses das Gegenteil. Sie verringern ihre Erholungspausen, anstatt sie zu erhöhen", kritisiert Hohensee. Auch Hodgkinson sieht in der Pause nicht nur einen Ausdruck von Müßiggängertum, sondern auch die Möglichkeit, Abstand von aufreibender Arbeit zu gewinnen und einen klaren Blick auf Probleme zu entwickeln.

3. Das richtige Mittagessen

Das Mittagessen darf nicht zum bloßen Magenfüller degradiert werden. Das gebietet nicht nur das Lebensgefühl des Nichtstuers, sondern sogar die Vernunft. Wird zwischen zwei Terminen ein Burger hinuntergeschlungen, bleibt die belebende Wirkung der Mahlzeit weitgehend aus. Es gehe nicht darum, mit einem Minimum an Aufwand den Hunger zu stillen, schreibt Hodgkinson, sondern um Geselligkeit, die es auch erlaube, am Rande kleine geschäftliche Dinge zu klären. Von einer ausschließlich rational motivierten Nahrungsaufnahme im Eiltempo rät er dringend ab. Eine im heiteren Kollegenkreis eingenommene Mahlzeit dagegen stärke einen für die Arbeit danach.

4. Mittagsruhe

Einer speziellen Form der Pause widmen Faulheitsexperten besonders viel Aufmerksamkeit: der Mittagspause, gern auch mit Schlaf verbunden. Brite Hodgkinson verweist auf südeuropäische Verhältnisse: "In Spanien zum Beispiel ist das Nickerchen fest in den Arbeitstag integriert." Er erinnert an ein Experiment des Wissenschaftlers Stanley Coren, der es den Mitgliedern einer Versuchsgruppe freistellte, zu schlafen, wie und wann sie wollten. Nach etwa einer Woche hätten alle Versuchspersonen ein- bis zweistündige Mittagsschläfchen gemacht. Zudem seien die Probanden weniger anfällig für Infektionskrankheiten geworden. Überzeugt von der Wichtigkeit des Mittagsschlafs, rät Hodgkinson Büroangestellten, sich notfalls für ein Nickerchen auf der Toilette einzuschließen. Wem das dann doch zu viel des Guten ist, der kann auch schlicht den Kopf auf den Tisch sinken lassen. Beim sogenannten "power nap" schöpft dann der Erholungsbedürftige neue Kraft (lesen Sie auch Powernapping: Nur ein Viertelstündchen).

5. Nein sagen können

Zu den Maximen des Faulen gehört es, nicht jedes Angebot anzunehmen. Dabei widersetzt er sich dem Gründungsmythos der Leistungsgesellschaft, der gebietet, keine Karrierechance auszuschlagen und jede Gelegenheit, vorwärtszukommen, zu nutzen. "Machen Sie sich nicht zum Opfer des eigenen Erfolgs", raten die Autoren Axel Braig und Ulrich Renz. Lohnt es sich wirklich, ein Magengeschwür in Kauf zu nehmen für 700 Euro mehr Gehalt? Wer die Fähigkeit zur materiellen Selbstbeschränkung habe, könne auch die karrieremäßige Selbsteinschränkung vorantreiben und sich dafür persönlichen Zielen widmen.

6. Privatleben schützen

"Lasst uns faul in allen Sachen, nur nicht faul zu Lieb' und Wein, nur nicht faul zur Faulheit sein", schrieb Lessing. Dies sollte die, die regelmäßig bis spätabends im Büro bleiben, nachdenklich stimmen. Überstunden machen Sie nicht immer beim Chef beliebt, sondern können auch den Verdacht erwecken, dass Sie Ihr Pensum in der regulären Arbeitszeit nicht bewältigen. Zwängen Sie Ihr Privatleben in den Rest, den die Arbeit übrig lässt, kommen Sie nie dazu. Hilfreich sind fixe Termine, die freigehalten werden für Privates. Ob Sie nun donnerstags schon um 16 Uhr das Büro verlassen, um Tennis zu spielen, oder einmal pro Woche mit Ihrem Partner zu Mittag essen: Verbieten Sie es sich, sich voll und ganz von der Arbeit in Beschlag nehmen zu lassen.

7. Beschäftigt tun

Eine eher resignative These vertritt Corinne Maier, die dazu rät, sich unter geringstmöglichem Aufwand in eine Nische des Unternehmens zurückzuziehen und dort seine Untätigkeit mit Alibi-Aktionen zu kaschieren. Beschäftigt wirken, jeden Gang über den Flur mit Dokumenten unter dem Arm antreten und möglichst keine Arbeit annehmen, deren Erfolge exakt nachzuweisen sind, rät die französische Autorin den Faulpelzen. Stattdessen sollten diese sich auf den Ausbau ihrer sozialen Netzwerke und ihre Selbstvermarktung konzentrieren, um im Falle einer Kündigungswelle hilfreiche Kontakte nutzen zu können.

8. Krank ist krank

Arbeitnehmer müssen lernen, Krankheit nicht als schlechtes Benehmen zu sehen, findet Autor Hodgkinson. Anstatt sich angeschlagen ins Büro zu schleppen und den halben Kollegenkreis anzustecken, sei es für den Erkrankten wichtig, die Genesung als Erholungspause zu betrachten und nicht auf sein schlechtes Gewissen zu hören, das ihm einrede, er stürze den Arbeitgeber in eine tiefe Krise. "Ihre Firma wäre nicht die erste, die ohne einen unersetzbaren Mitarbeiter auskommt", schreiben Braig und Renz. Habe man nach Alkoholgenuss am Abend zuvor einen Kater, nütze es nichts, diesen zu bekämpfen, rät Hodgkinson Trinkfreudigen. Der Versuch, "wie ein normaler Mensch zu funktionieren", sei zum Scheitern verurteilt. Besser sei es, man widme sich an dem Tag leichteren Aufgaben und plane grundsätzlich feucht-fröhliche Abende so, dass ihre Auswirkungen nicht die Arbeit am nächsten Tag gefährden.

9. Ziele überdenken

Ist das, wofür Sie so hart arbeiten, wirklich das, was Sie wollen? "Machen Sie sich bewusst, dass Sie alle Güter nicht nur mit Geld, sondern auch mit Ihrer Zeit, Ihrer Freizeit bezahlen", raten Braig und Renz. Allzu oft rackere man sich für Unnötiges ab, dabei sei der Lebensstandard nicht gleichzusetzen mit der Lebensqualität. Hat der Faule vielleicht weniger Geld, weil er nur halbtags arbeitet, hat er dafür mehr Zeit. Die wenigsten dürften am Ende ihres Lebens bedauern, zu wenig Zeit im Büro verbracht zu haben. Gestalten Sie Ihr Leben nach dem Motto "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen", könnte es passieren, dass Sie im Rentenalter einige Ihrer Träume und Ziele verpasst haben.

10. Jobs für Faule

Zu Hochform läuft der Faule auf, wenn er eine Arbeit findet, die zu ihm passt. Dies muss nicht immer eine sein, die mit wenig Betätigung verbunden ist. Auch das Vorurteil, die Beamtenlaufbahn eröffne dem Müßiggänger ein Leben ganz nach seinem Geschmack, lässt sich nicht grundsätzlich bestätigen. Wichtig ist vielmehr, dass er seinen Arbeitstag selbst strukturieren, Pausen einlegen und phasenweise arbeiten kann. Hodgkinson etwa berichtet davon, dass er einen Aushilfsjob als Möbelpacker gern ausgeübt habe, da nach ein paar Stunden intensiver Arbeit eine ausgiebige Pause gemacht und endlose Langeweile vermieden worden sei. Wohl den wenigsten ist es dagegen vergönnt, den Traumjob jedes Faulenzers ausüben zu können: den des Bettentesters.

Literatur:

  • Axel Braig/Ulrich Renz: Die Kunst, weniger zu arbeiten, Fischer Taschenbuch Verlag, 219 Seiten
  • Tom Hodgkinson: Anleitung zum Müßiggang, Heyne Verlag, 365 Seiten
  • Thomas Hohensee: Das Erfolgsbuch für Faule, Kösel Verlag, 197 Seiten
  • Corinne Maier: Die Entdeckung der Faulheit, Goldmann Verlag, 156 Seiten

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.07.2007, Nr. 26 / Seite V15
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