24.03.2010 · Anonyme Lebensläufe sollen die Chancen von Bewerbern mit Zuwanderungshintergrund steigern. Das zumindest fordert die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle. Frankreich probiert das Verfahren schon länger - mit gemischten Resultaten.
Von Kerstin SchwennAusländische Bewerber sollen es auf dem deutschen Arbeitsmarkt künftig leichter haben. Die neue Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, hat die Wirtschaft aufgefordert, sich in Bewerbungsverfahren zunächst mit anonymisierten Lebensläufen zufriedenzugeben. Personalchefs sollen dabei auf Angaben zu Alter, Herkunft und Geschlecht verzichten. „Ich möchte Lebensläufe, auf denen weder ein Foto zu sehen ist noch Name, Adresse, Geburtsdatum oder Familienstand erkennbar sind. So erreichen wir mehr Chancengleichheit“, sagte Lüders in Berlin.
Untersuchungen zeigten, dass etwa türkischstämmige Bewerber zum Teil eklatant benachteiligt würden. Lüders verwies auf eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), nach der allein ein türkischer Nachname ausreiche, um die Chancen auf Einladung um 14 Prozent sinken zu lassen. Anonymisierte Lebensläufe erhöhten die Chancen, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Wenn ein qualifizierter Bewerber erst einmal vor einem Gremium sitze, verliere manches Vorurteil seine Kraft.
Französische Regierung testet das System seit einigen Monaten
Mit der Initiative würde Deutschland dem Beispiel Frankreichs nacheifern. Dort testet die Regierung das System der anonymen Bewerbungen seit einigen Monaten in sieben Départements. Insgesamt rund hundert große und mittlere Unternehmen – darunter L’Oréal, Accor, Axa und PSA Peugeot Citroën – nehmen an dem Modellversuch teil, der verhindern soll, dass Einladungen schon daran scheitern, dass dem Arbeitgeber Name, Adresse oder Geschlecht des Bewerbers suspekt sind.
Das französische Beispiel zeigt indes, dass anonyme Bewerbungen die Bürokratie vermehren dürften. Um einen Kontakt zwischen Bewerber und Arbeitgeber herstellen zu können, muss zwangsläufig eine dritte „neutrale“ Stelle eingeschaltet sein. In Frankreich stehen den Unternehmen das Arbeitsamt sowie die Personalberater wie Adecco, Adia und Manpower „beratend zur Seite“.
So werden zunächst automatisch aus der Bewerbung Name, Vorname, Alter, Adresse, Geschlecht und Fotos entfernt. Die Anonymität wird in einem zweiten Schritt aufgehoben, wenn das Unternehmen den Bewerber näher kennenlernen will.
Kritiker monieren, dass anonyme Bewerbungen zu viele nachteilige Spekulationen erlaubten. So ließen sich aus den Daten zu Schul- und Studienabschlüssen, vorherigen Arbeitsverhältnissen, Auslandsaufenthalten, Sprach- und Computerkenntnissen ebenfalls Informationen erschließen, deren Interpretation Raum für Diskriminierung lasse: Das Alter lasse sich womöglich schätzen und exotische Sprachkenntnisse gäben eventuell Aufschluss über die Nationalität.
Da wird sich die Antidiskriminierungsstelle aber ärgern...
Thomas Berger (tberger)
- 24.03.2010, 07:38 Uhr
Hip Hip Hurra, die neuste Schnapsidee ist da!
Ralf Sträter (Ralf1969)
- 24.03.2010, 08:38 Uhr
"Christine Lüders verfügt über langjährige Erfahrungen und vielfältige ...
Ralf Sträter (Ralf1969)
- 24.03.2010, 08:58 Uhr
Zeugnisse?
Christian Tauber (CJTauber)
- 24.03.2010, 09:40 Uhr
Wasser predigen, Wein trinken
Mathias Goldstein (saphit)
- 24.03.2010, 10:01 Uhr