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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Anstößige Anzeige Zeitarbeitsunternehmen wirbt mit Rabatt-Aktion

21.05.2009 ·  Mit dem Slogan: „Alle müssen raus“ hat eine Zeitarbeitsfirma für eine Rabatt-Aktion geworben, in der sie 15 Prozent Ermäßigung auf alle Hilfs- und Fachkräfte versprach. Die Kampagne rief Entrüstung hervor. Die IG Metall sprach gar von modernem Sklavenhandel.

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svs. FRANKFURT, 19. Mai. Die Werbeaktion eines Zeitarbeitsunternehmens aus dem Sauerland versetzt die gesamte Branche in Aufruhr. Die S&F Personal-Dienstleistungen aus Olpe hat vor kurzem ein "Wirtschaftskrisen-Rabatt-Angebot" an ihre Kunden verschickt. Die Aufmachung ist optisch und inhaltlich stark angelehnt an die Kampagnen von Elektronik-Discountern und Baumarktketten. "Damit Sie schwarze Zahlen schreiben, setzen wir den Rotstift an", heißt es dort. 15 Prozent Rabatt auf alle Hilfs- und Fachkräfte werden versprochen. Die Offerte endet mit einem Gruppenbild sowie dem Satz: "Alle müssen raus!" inklusive einer Fußnote und dem Hinweis auf die Befristung der Aktion bis Ende Juni.

Nachdem die Aktion zunächst in den lokalen Medien für Aufruhr sorgte, hat die IG Metall am Dienstag einen offenen Brief an die Mitglieder des Bundestages geschrieben. Das Degradieren von Menschen zu Waren nennt sie darin "eine Form von modernem Sklavenhandel". Berthold Huber und Detlef Wetzel, die Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft, fordern die Bundespolitiker auf, die Leiharbeitsbranche strenger zu regulieren, um solche Geschäftspraktiken zu verhindern. Auch in der Branche stößt das Vorgehen auf harsche Kritik. Werner Stolz, Bundesgeschäftsführer des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen, sagte: "Der Vorgang ist ebenso geschmacklos wie unsensibel." Immerhin habe sich die Geschäftsführung von S&F einsichtig und reuevoll gezeigt. Stolz hofft, "dass es ein einmaliger Fauxpas bleiben wird". Dass die IG Metall nun wegen eines Einzelfalls die ganze Branche diskreditiert, hält er indessen für unredlich.

"Die Aktion ist wahnsinnig unglücklich gelaufen", sagte S&F-Geschäftsführer Dominik Bangert dieser Zeitung am Dienstag. Man habe angesichts des seit Herbst drastisch rückläufigen Geschäfts versucht, neue Wege zu finden, um die Beschäftigten zu halten. Wie viele Mitarbeiter der Mittelständler beschäftigt, gab er nicht an. Bangert wehrte sich aber gegen den Eindruck, der Rabatt werde durch "Lohndumping" gegenfinanziert. Das Unternehmen verzichte auf einen Teil seiner Gewinnmarge. Diese Preispolitik sei legitim. "Allerdings würden wir eine solche Werbekampagne heute nicht mehr machen."

In Berlin hat der Fall eine Diskussion um mögliche Konsequenzen entfacht. Brigitte Pothmer, Arbeitsmarktexpertin der Grünen, sieht durch das Geiz-ist-geil-Marketing für Arbeitskräfte eindeutig Grenzen überschritten. Zeitarbeit dürfe nicht länger für Lohndumping und den Ersatz von Stammbelegschaften missbraucht werden. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Ralf Brauksiepe, zieht daraus keine neuen Schlüsse für die Frage nach einem Mindestlohn. Eine Aufnahme der Zeitarbeit ins Arbeitnehmerentsendegesetz, wie sie die IG Metall fordert, dürfe nicht die Tarifautonomie verletzen. Daran ändere auch eine Werbekampagne nichts.

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