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Veröffentlicht: 21.03.2013, 13:00 Uhr

2500 Startups Wir gründen in Berlin!

Flughafen-Debakel, S-Bahn-Dauerkrise, Milliardenschulden. In Berlin scheint alles möglich, nur nicht, ordentlich zu wirtschaften. Ein Vorurteil. In der Hauptstadt gibt es 2500 Startups.

© Julia Zimmermann / F.A.Z. Anziehend für Eltern und Gründer: Der Prenzlauer Berg.

Berlin ist in die Schlagzeilen geraten: Flughafen-Debakel, S-Bahn-Dauerkrise, Milliardenschulden. In Berlin, „arm aber sexy“, scheint alles möglich, nur nicht, ordentlich zu wirtschaften. Ein Vorurteil. Zur Wahrheit gehört: Mehr und mehr junge Unternehmen beziehen seit einigen Jahren die Gewerbeflächen in der Hauptstadt. Gründer tauschen sich aus, geben Ideen weiter. Sie schätzen, dass Innovationen in diesem „Ökosystem“ besonders gut gedeihen. Das schlägt sich in Fakten nieder: Seit 2005 wächst die Berliner Wirtschaft stärker als der Bundesdurchschnitt.

Mitten im Stadtteil Prenzlauer Berg, eher ein Ausgehviertel, hat 2011 das Internet-Startup Bonusbox eine Vierzimmerwohnung bezogen, es ist der Hauptsitz des jungen Unternehmens. Für dieses Jahr peilen die Gründer mit 20 Mitarbeitern einen Umsatz von 2 Millionen Euro an. Bonusbox lässt Kunden von Internethändlern, nachdem sie die Anwendung des Unternehmens auf ihrem Facebook-Profil installiert haben, bei jedem Einkauf Punkte sammeln.

„Im Silicon Valley gibt es keine Flohmärkte“

Damit erhalten Versandhäuser wie Zalando oder Amazon Daten darüber, wer bei ihnen kauft. Auf diese Art können sie personalisierte Werbung schalten. Dafür bezahlen die rund 800 Partner das Unternehmen aus dem Prenzlauer Berg. Bereits eine Million Menschen habe Bonusbox installiert, Tendenz steigend. „Die Zahl verdoppelt sich ungefähr jeden Monat“, sagt Gründer Paul Gebhardt. Dass er und sein Mitgründer Robert Heesen nach Berlin kamen, hat mit dem Flair der Stadt zu tun. „Im Silicon Valley gibt es keine Flohmärkte“, sagt Gebhardt.

Auf der Liste der Vorzüge Berlins, die Gebhardt aufstellt, steht seine „Work-Life-Balance“ weit vorne. Arbeit und Freizeit könne er hier optimal verbinden. Deshalb habe er das Unternehmen in Berlin gegründet, sagt der 27 Jahre alten Gründer. Der promovierte Volkswirt arbeitete schon für Hedgefonds und Investmentbanken, wollte aber lieber sein eigener Chef sein. Das Ersparte und ein Gründerkredit hätten zusammen 100 000 Euro ergeben, genug um das Unternehmen aus der Taufe zu heben. Inzwischen sei es auch in Brasilien aktiv, dem Land mit den nach Amerika meisten Facebook-Nutzern.

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Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) kennt viele solcher Gründer. Mehrere hundert Internet-Startups gingen jedes Jahr in der Hauptstadt an den Start, berichtete sie jüngst. Alles heiße Luft und bald wieder vom Markt verschwunden, wie Kritiker monieren? Die staatliche Förderbank KfW verneint. Nach ihrem „Gründungsmonitor 2012“ sind nach einem Jahr noch 86 Prozent aller Gründungen in Deutschland am Markt, nach drei Jahren immerhin noch zwei Drittel.

In Berlin sind 2500 Startups aktiv, schätzt deren frisch gegründeter Bundesverband. Zwischen 10 000 und 30 000 Menschen arbeiteten dort in jungen Unternehmen, 2 Prozent aller 1,2 Millionen Beschäftigten. Die lokale IT-Branche wuchs durch die Startups kräftig, bestätigt der Wirtschaftssenat. Die Beschäftigtenzahl stieg 2012 um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, auf fast 64 000. Gerne hat man in der Hauptstadt vermerkt, dass die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes Berlin unlängst als den „wichtigsten Internet-Standort Europas“ adelte.

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