19.07.2004 · Nach Berechnungen des sogenannten Sozio-Oekonomischen Panels stieg von 1992 bis 2002 die Zahl jener, die innerhalb eines Jahres eine Arbeitsstelle neu angetreten haben, um mehr als 30 Prozent.
In Deutschland nahm die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt in den vergangenen zehn Jahren deutlich zu. Dies berichtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW in Berlin in einer Studie zur Mobilität. Nach Berechnungen des sogenannten Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) stieg von 1992 bis 2002 die Zahl jener, die innerhalb eines Jahres eine Arbeitsstelle neu angetreten haben, um mehr als 30 Prozent auf knapp 6,3 Millionen Personen. Bei einer insgesamt sinkenden Erwerbstätigenzahl gehe diese Dynamik vor allem auf Frauen und jüngere Arbeitnehmer zurück.
Die im Zuge der Maßnahmen zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes entstandenen befristeten Beschäftigungen könnten den Arbeitsmarkteintritt erleichtern, heißt es in der Studie. So liege der Anteil befristeter Verträge bei neuen Beschäftigungsverhältnissen aktuell bei einem Drittel. Insbesondere jüngere Arbeitnehmer würden immer öfter befristet beschäftigt. Weiter sei eine steigende Erwerbsorientierung von Frauen zu beobachten, während sich Männer vielfach vorzeitig vom Arbeitsmarkt zurückgezogen und dabei arbeitsmarktpolitische Maßnahmen in Anspruch genommen hätten, die zur Reduzierung des Arbeitsangebots dienen. In Ostdeutschland ist nach Angaben des DIW die Erwerbsorientierung der Frauen nach wie vor deutlich höher als in Westdeutschland. Zugleich sinke deren Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt vor allem aufgrund der Abwanderung jüngerer Frauen in die alten Bundesländer.
Bedeutung des Internet ist sehr gering
Die Studie hat auch untersucht, welche Strategien die Befragten bei beruflichen Veränderungen angewandt hatten. Danach spielte für eine erfolgreiche Stellensuche die Vermittlung über das Arbeitsamt eine vergleichsweise geringe Rolle. Nur 11 Prozent der Befragten fanden eine Stelle über die staatliche Arbeitsvermittlung. Von der Stelle erfahren hatten Bewerber vor allem von Freunden und Verwandten. Eine neue Beschäftigung über eine Stellenanzeige in der Zeitung gefunden zu haben gaben 14 Prozent an. Die Bedeutung des Internet ist insgesamt noch sehr gering; vor allem bereits Erwerbstätige nutzen es.
Vor Stellenantritt besonders aktiv gesucht hatten mit 66 Prozent Frauen und jüngere Arbeitnehmer. Der Weg in die Selbständigkeit scheint keine erklärte Strategie zu sein. Für die meisten der Befragten (72 Prozent) hatten sich diese "so ergeben". Der Stellenwechsel führte für mehr als 40 Prozent der Befragten zu einer Verbesserung, sowohl bezogen auf den Verdienst als auch auf die Art der Tätigkeit und die Aufstiegschancen.