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Arbeitslosigkeit Überbrückungshilfe für junge Franzosen

 ·  Fast ein Viertel der 15- bis 24-Jährigen in Frankreich sind arbeitslos. Die Regierung will ihnen mit subventionierten Stellen helfen

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Kleine Reihenhäuser an einer ruhigen Straße, ein Postamt, eine Bäckerei, eine Grundschule. In dem unscheinbaren Vorort Courtry, etwa 20 Kilometer von Paris, soll für den neunzehnjährigen Gaëtan Briois eine bessere Zukunft beginnen. Er hat im Kinderhort „Jacques Brel“ einen der sogenannten „Zukunftjobs“ (Emplois d’avenir) angetreten, eine staatlich gestützte Stelle. Bis Ende 2014 sollen insgesamt 150.000 solcher Arbeitsplätze in Frankreich entstehen. Für Präsident François Hollande sind sie eine der wichtigsten Waffen im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit.

Ein Dutzend Kinder haben sich auf dem Boden um Gaëtan geschart. Die Jungen und Mädchen recken die Finger hoch. Zwischen den Kindern sieht der junge Mann mit seinen fast zwei Metern aus wie ein freundlicher Riese, sein wuscheliges Haar macht ihn noch ein wenig größer. Gaëtan legt den Finger an die Lippen - „Pssst“ - alle sind still, damit er die Spielregeln erklären kann.

Animateur, Friseurlehrling, arbeitslos

Gaëtans neue Stelle besteht aus Kinderspielen - seine Arbeitssuche war lange Zeit alles andere als das. Zwei Jahre schlug er sich herum mit Nebenjobs, als Animateur in Ferienfreizeiten, mit einer angefangenen Friseurlehre und vielen Stunden im Arbeitsamt. Die Chancen standen schlecht und wurden in der Wirtschaftskrise immer schlechter: Mehr als 23 Prozent der 15- bis 24-Jährigen, die in Frankreich weder die Schulbank drückten noch in einer Ausbildung steckten, waren im dritten Quartal dieses Jahres arbeitslos. Das ist weniger als in den Krisenländern Spanien und Griechenland, aber deutlich mehr als beispielsweise in Deutschland, wo die Arbeitslosenquote von Jugendlichen etwa 8 Prozent beträgt.

Mit den neuen Stellen löst Präsident François Hollande ein Versprechen ein, das er schon wenige Tage nach seinem Amtsantritt machte - als er sich selbst als „Präsident der Jugend“ titulierte. Die Jugendlichen bekommen eine Vollzeitstelle mit einer Vertragsdauer von ein bis drei Jahren und eine Bezahlung auf dem Niveau des staatlichen Mindestlohnes, der derzeit 1425,67 Euro brutto beträgt. Daneben sollen sich die Jugendlichen weiterbilden können.

Attraktive Konditionen

Die Konditionen gelten als nahezu luxuriös, bedenkt man, dass sich die Stellen an junge Menschen ohne Abschluss oder mit maximal einer schulischen Berufsausbildung richten. Wer das Bildungssystem ohne Abschluss verlässt, hat in Frankreich ein zweieinhalb mal so hohes Risiko arbeitslos zu werden wie mit Abitur.

Der Staat zahlt für die „Zukunftsjobs“ kräftig drauf: Er kommt für 75 Prozent des Mindestlohns auf, sofern es sich um eine Stelle im öffentlichen oder gemeinnützigen Bereich handelt. Dort sollen die meisten der Arbeitsplätze entstehen. Für Jobs in gewinnorientierten Unternehmen gibt es 35 Prozent des Mindestlohns.

Abgebrochene Ausbildung

„Die Stelle ist für mich ein Glücksfall“, sagt Gaëtan Briois. Die Schule besuchte er erst in Frankreich, später im Übersee-Departement La Réunion, wo seine Familie herkommt. Danach sollte er an der Berufsschule zum Mechaniker für Gartengeräte ausgebildet werden. „Das war eigentlich gar nicht das, was ich machen wollte“, sagt er, „ich hatte auch nie Lust auf die Schule.“ Die Quittung dafür kam vor zwei Jahren: Er schaffte den Abschluss nicht.

Das elitär ausgerichtete Schulsystem in Frankreich macht es Jugendlichen wie Gaëtan schwer. Schwache Schüler haben größere Schwierigkeiten und erhalten weniger Unterstützung, wie die PISA-Studien der OECD zeigen. Soziale Herkunft und ein möglicher Migrationshintergrund prägen in dem Land der Egalité das Ergebnis der Schulausbildung. Zwar schaffen immer mehr Schüler das Abitur. Wer scheitert, steht damit aber umso schlechter da. „In der französischen Gesellschaft haben Diplome einen besonders hohen Stellenwert“, sagt Bernard Gomel, Experte am Zentrum für Beschäftigungsstudien.

Vorbild aus dem Jahr 1997

Jugendlichen mit subventionierten Stellen zu helfen, ist keine Erfindung der neuen Regierung. 1997 rief der sozialistische Premierminister Lionel Jospin ein ähnliches Programm mit dem Namen „Emplois Jeunes“ (Jugendbeschäftigung) ins Leben. Etwa 500.000 Jugendliche bekamen dank staatlicher Finanzspritze eine Stelle.

Eine Studie des Zentrums für Beschäftigungsstudien zeigt, dass drei Viertel der jugendlichen Teilnehmer 2008, also einige Jahre nach Ablauf des Programms, eine unbefristete Stelle hatten. Allerdings waren sie damit nicht besser gestellt als eine Vergleichsgruppe mit ähnlicher Ausbildung, die zuvor keine subventionierten Arbeitsplätze genoss.

Einbußen im Gehalt

Deutliche Spuren hinterließen die staatlich gestützten Stellen in der Gehaltskarriere: 2008 verdienten die ehemaligen „Emplois Jeunes“ durchschnittlich 230 Euro weniger als ihre Altersgenossen. Einen Grund dafür sehen die Autoren der Studie darin, dass die meisten Jobs - wie auch bei den neuen „Zukunftsjobs“ - im öffentlichen und nicht-gewinnorientierten Branchen vergeben wurden. Auch andere Studien zeigen, dass subventionierte Arbeitsverträge im staatlichen und wohltätigen Bereich kaum oder gar keine Vorteile schaffen.

Dabei waren die Jugendlichen im Jospin-Programm noch deutlich besser ausgebildet als heute: 85 Prozent hatten Abitur oder konnten gar einige Semester an der Universität vorweisen. Bernard Gomel, Autor der Studie, rechnet deswegen mit einem geringeren Erfolg des Hollande-Projekts: „Viele Jugendliche ohne Schulabschluss haben noch ganz andere Sorgen als einen Arbeitsplatz zu finden. Da spielen soziale, finanzielle und familiäre Probleme eine Rolle.“ Er fürchtet, dass nicht wenige Jugendliche das Programm oder spätere Stellen abbrechen, und hält es deshalb für besonders wichtig, dass sie eine breite Unterstützung und Ausbildungsmöglichkeiten erhalten.

Ausweitung der dualen Ausbildung

Gomel sieht aber auch Chancen in den neuen Stellen: „Sie sind Hilfe für die Jugendlichen bei ihrer sozialen und beruflichen Eingliederung sowie ein Mindesteinkommen.“ Allerdings müsse es weitere Alternativen für Schulabbrecher geben, wie etwa den freiwilligen, bezahlten Zivildienst, den es seit einigen Jahren in Frankreich gibt. Auch die Ausweitung der dualen Ausbildung in Betrieben nach deutschem System hält er für nachahmenswert.

Viele sogenannte „Zukunftsstellen“ dürften indes keine lange Zukunft haben, denn das absehbare Ende der Subventionierung werden sie nicht überleben. Auch Gaëtan weiß noch nicht, wie es in einem Jahr für ihn weitergeht. Immerhin, so sagt er, wisse er nun, dass er mit Menschen arbeiten wolle. Die neue Arbeit gebe ihm Selbstvertrauen. „Der Job ist ein erster Schritt, die Zukunft muss jeder selbst mitgestalten.“

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