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Veröffentlicht: 02.02.2012, 09:54 Uhr

Arbeitsklima Mobbing ist Chefsache

Eine Studie zeigt: Hinter Mobbing steckt meist ein schlechtes Klima. Und dafür tragen die Vorgesetzten die Verantwortung.

von Tomasz Kurianowicz
© Andy Ridder / VISUM Offener Umgang: Bei unterschwelligen Spannungen sollte der Vorgesetzte nicht wegschauen

Mobbing am Arbeitsplatz - die meisten Beschäftigten glauben, das könne nur konfliktscheue Menschen treffen, die zu introvertiertem Verhalten neigen. Doch eine aktuelle Studie räumt mit diesen Vorurteilen auf: Weder die psychologische Disposition noch der Zufall entscheiden darüber, wer Opfer einer Mobbingattacke wird - es kann prinzipiell jeden Beschäftigten treffen. Denn zentral für die Häufigkeit von Mobbing ist das Verhältnis zwischen Mitarbeiter und Chef. Das haben Wissenschaftler des Arbeitsbereichs "Wirtschafts- und Sozialpsychologie" der Freien Universität Berlin in einer Befragung von über 4000 Arbeitnehmern herausgefunden.

Als Studienobjekte dienten dem Psychologen Jens Eisermann Behördenmitarbeiter aus zwei Bundesländern. "Wir konnten feststellen, dass in Abteilungen mit einer günstigen Beziehung zum direkten Vorgesetzten nahezu niemand angegeben hat, Opfer einer Mobbingattacke geworden zu sein", sagt Eisermann. In Abteilungen hingegen, wo Mitarbeiter mit der Betriebsführung unzufrieden sind, hätten sich die Vorfälle geradezu geballt.

Oft ist der Chef sogar der Aggressor

Dieser Befund wirft so manche Klischees über den Haufen: Etwa die Vorstellung, Mobbing spiele sich zwischen hierarchisch gleichgestellten Mitarbeitern ab, die ohne das Wissen des Abteilungsleiters agierten. In Wahrheit hat sich gezeigt, dass sogar in 50 Prozent der Fälle der Chef der primäre Aggressor ist. "In weiteren 20 Prozent ist der Vorgesetzte an den Schikanen zumindest beteiligt. Und bei den letzten 30 Prozent konnten wir feststellen, dass der Vorgesetzte nichts von den Mobbingattacken wusste, was im Umkehrschluss heißt, dass er das soziale Gefüge in seiner Abteilung nicht kennt. Der Ball liegt also auf alle Fälle im Spielfeld der Chefs." Eisermann folgert daraus: Das Problem kann ohne die Führung nicht gelöst werden.

Der Psychologe will mit der Studie keine moralischen Urteile fällen, sondern ein neues unternehmerisches Problembewusstsein entwickeln. Oft sei sich ein Abteilungsleiter seiner Handlungen gar nicht bewusst: Im Glauben, ein rationales Management zu betreiben - etwa dadurch, dass er aus seiner Sicht notwendige, aus Sicht der Mitarbeiter überraschende Entscheidungen trifft, indem er Arbeitsaufgaben neu verteilt - erreiche der Chef aber genau das Gegenteil. Durch unzureichend kommunizierte Strategiewechsel und spontane Abstrafungen würde die Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern wachsen. Die Konsequenzen seien fatal: "Wenn Mitarbeiter Mobbing erfahren, steigt das Risiko von Depressivität um das Doppelte. Im schlimmsten Fall mündet der empfundene Druck in krankheitsbedingtem Ausfall. Das kann keine Unternehmensführung wollen."

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Hinzu kommt, dass viele Opfer die Fehler bei sich selbst suchten oder sich als Verlierer in einem harten Wettbewerbskampf sähen. Dabei zeigen die Studienergebnisse, dass es im Grunde jeden Mitarbeiter treffen kann: "Zwischen charakterlicher Disposition und Mobbing konnte kein Zusammenhang festgestellt werden", sagt Jens Eisermann. Auch sei es falsch - wie auf Arbeitgeberseite oft behauptet wird -, dass Betroffene ihre Probleme von zu Hause mitbringen würden und sich dann am Arbeitsplatz grundlos angefeindet fühlten. "Unsere Daten sprechen eine andere Sprache: Zwischen privaten Krisen und Mobbing gibt es keine Relation. Es handelt sich um ein soziales Problem, dessen Wurzel im betrieblichen Führungsstil steckt."

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