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Serie: Arbeiten ohne Geld Raus aus dem Knast

Nach der Arbeit ist Norbert Gürtler Bewährungshelfer. Dieses Ehrenamt verlangt Mut - und viel Überzeugungsarbeit. Teil 3 der Sommerserie „Arbeiten ohne Geld“.

© Rainer Wohlfahrt / F.A.Z. Vergrößern Anpacken, abhaken: Das ist die Devise von Norbert Gürtler

„Warum tust du dir das an?“, fragte ein Freund, als Norbert Gürtler ihm von seinem neuen Ehrenamt berichtete. Tja, warum? Warum war er nicht im Kirchengemeinderat geblieben? Warum wollte er unbedingt den Rentnern den Rücken kehren und sich mehrmals im Monat allein mit ehemaligen Kriminellen treffen? „Ihnen muss klar sein, dass Ihre neuen Klienten nicht alle juhu rufen, wenn sie Sie sehen“, hatte man ihm am Anfang gesagt. Die Betreuung durch den Bewährungshelfer wird vom Richter verordnet.

Norbert Gürtler ließ sich weder davon noch von den Bedenken seines Freundes abschrecken - eine der Voraussetzungen, um in Baden-Württemberg ehrenamtlich in der Bewährungshilfe zu arbeiten. Außerdem mitzubringen: ein stabiles Umfeld und eine gefestigte Persönlichkeit. Gürtler ist 60 Jahre alt, kommt aus der Nähe von Stuttgart und arbeitet bei Daimler in der Prüfplanung. Er hat eine Frau und zwei Kinder. Konflikte löst er im Normalfall nicht mit Fäusten, sondern indem er darüber spricht. Die Eckdaten stimmen.

Umstrittenes Ehrenamt

Auch wenn die Neustart gGmbH ihre Freiwilligen nach bestem Gewissen aussucht und längst nicht jeden nimmt, der sich bewirbt, ist das Ehrenamt von Gürtler umstritten. Als das Land Baden-Württemberg die Bewährungshilfe 2007 an die gemeinnützige GmbH übertrug, kam von vielen Seiten Kritik. Es hieß, das Land stehle sich aus der Verantwortung. Neustart setzt zum großen Teil auf Ehrenamtler. 450 hauptamtliche Bewährungshelfer werden im Moment von 517 Ehrenamtlichen unterstützt. Gürtler findet das richtig: „Es braucht Ehrenamtler. Die Hauptamtler können das gar nicht alles leisten.“

Drei Tage dauerte seine Grundausbildung bei der Neustart gGmbH, dann bekam Gürtler seine erste „Akte“. Den Familienvater dahinter lernte er wenige Tage später kennen: Marian Bach - so soll er hier zumindest genannt werden. Er möchte nicht, dass man seinen richtigen Namen in der Zeitung lesen kann. Sein Chef weiß nicht, dass er zwei Jahre im Gefängnis saß, weil er Drogen verkauft hat. Gürtler war zwar anderer Meinung: „Sag es ihm doch, er wird dich schon nicht rauswerfen“, hatte er gemeint. Aber der Norbert glaube ja auch immer an das Gute, sagt Bach.

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Er selbst gehe seit seinem Gefängnisaufenthalt immer vom Schlimmsten aus. Bis heute hat er sich nicht getraut, seinem Chef etwas zu sagen. Gürtler akzeptiert das. Er kann nur beraten. Leben und entscheiden muss Bach selbst. „Ich will ihn wieder aufbauen, ihm sein Selbstbewusstsein zurückgeben“, beschreibt Gürtler seine Aufgabe: „Resozialisation. Es geht darum, den Menschen wieder lebensfähig zu machen.“

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Veröffentlicht: 26.07.2012, 06:00 Uhr

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