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Serie: Arbeiten ohne Geld Gemeinsam die Kurve kriegen

 ·  Peter Kleinz ist Berater für FacilityManagement und Mentor des 10 Jahre alten Leonhard. Einmal in der Woche verausgaben sich die beiden beim Sport und führen Männergespräche. Teil 4 der Sommerserie „Arbeiten ohne Geld“.

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© Jockisch, Anna Vergrößern Seit einem Jahr ein Team: Der zehn Jahre alte Leonhard und der Facility-Manager Peter Kleinz.

Ein Interview zu geben, das geht schon in Ordnung. Aber über die Mountainbike-Strecke zu heizen, das ist an diesem waschküchenschwülen Münchener Sommertag eindeutig schöner. Leonhard ist höflich, aber keineswegs unfroh, als wir das Gespräch über ihn und seinen Mentor Peter Kleinz unterbrechen und er nach Herzenslust bei bulliger Hitze über die Erdhügel der staubtrockenen Sandstrecke rasen kann - ausgestattet mit Helm und freundlichen Tipps seines Mentors, wie man hier am besten die Kurve kriegt. Nach halsbrecherischen Runden sind die beiden so richtig schön eingesaut, verschwitzt und mit ihrer sportlichen Leistung zufrieden.

Sie nehmen die Helme ab und wechseln zum Fußball, gleich gegenüber auf die Wiese der Bezirkssportanlage im Münchener Stadtteil Solln. Einmal in der Woche, meist an einem Samstag, trifft sich das Duo. Zusammengefunden haben sie über das Münchener Regionalbüro von „Big Brothers Big Sisters“. Die Idee der gemeinnützigen Gesellschaft ist mehr als 100 Jahre alt, kommt aus Amerika und ist ungebrochen aktuell: Gestandene Erwachsene begleiten ein Kind ins Leben und übernehmen eine Patenschaft auf Zeit. Längst gibt es unter dem Stichwort Bildungspaten auch in Deutschland mehrere Initiativen, die diesen Gedanken verfolgen: Studenten bei „Balu und Du“ gehen mit Kindern ins Museum, die sonst vor dem Nintendo abhängen. Senioren helfen Kindern aus Migrantenfamilien, die daheim kein deutsches Wort hören, bei den Hausaufgaben.

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© Jockisch, Anna Vergrößern Leonhard und sein Mentor verbringen viel Zeit beim Sport.

Und es gibt die Münchener „Mentoren für Kinder und Jugendliche“, von Paten spricht keiner, denn das Tandem ist zunächst auf ein Jahr ausgerichtet. Die durch eine Stiftung und mit Hilfe von Sponsoren finanzierte gemeinnützige Organisation gibt es in sechs Regionen. In München sind mehr als 70 Prozent der Mentoren zwischen 30 und 49 Jahre alt, darunter Unternehmensberater, Flugbegleiter, Sekretärinnen und Anwältinnen.

Verena Mohr leitet das Büro und räumt sofort mit Vorurteilen auf: Für Sozialromantiker sei sie nicht zuständig. Als naiv-idealistischer Gutmensch mal eben ein verwahrlostes Kind bildungsferner Schichten vor dem weiteren Abstieg retten, darum gehe es hier nicht: „Wir suchen Menschen, die offen und zuverlässig sind und Geduld haben, ein Kind in einer möglicherweise schwierigen Lebenssituation zu unterstützen.“ Die Diplompädagogin skizziert den ehrgeizigen Anspruch: „Wir möchten Kindern Impulse für informelles Lernen geben und ihnen helfen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.“

Die Chemie muss stimmen

Die Mentoren verbringen mit den Kindern rund acht Stunden im Monat, treffen sich entweder einmal in der Woche oder alle zwei Wochen. Zuvor müssen die Bewerber „eine dreistufige Sicherheitsprüfung“ absolvieren: ein Führungszeugnis beibringen, im persönlichen Gespräch überzeugen und einen Workshop zur Vorbereitung mitmachen. Dort gibt es unter anderem eine Tandemtasche mit Umsonst-Tipps, was man in München alles unternehmen kann. „Viele Kinder hier kennen weder den Marienplatz, noch haben sie je am Isarufer gespielt“, bedauert Verena Mohr.

Ein Mentoringteam schaut sorgfältig darauf, welche Tandems zusammenpassen könnten. Klar, dass eine gemütliche Theatergängerin nicht gut zu einem Mädchen mit einem ausgeprägten Drang zum Toben passt. Oder dass eine aufgeräumte Plaudertasche ein eher schüchternes Kind überfordert. „Die Chemie muss stimmen“, sagt Verena Mohr. Zurzeit gibt es in München 85 Tandems, in ganz Deutschland sind es mehr als 1000. Auch beim Kennenlerntreffen ist ein Berater dabei: „Die Eltern setzen ihr Vertrauen in uns“, sagt Verena Mohr.

Hat sich ein Tandem gefunden - wobei immer Männer für Jungs und Frauen für Mädchen vermittelt werden -, fragen die Mitarbeiter einmal im Monat nach, ob alles klappt oder ob es Probleme gibt. Denn die können aus den geringsten Anlässen in allerbester Absicht entstehen. Ein typisches Beispiel ist eine Einladung zum Abendessen: Dankbare Eltern laden den Mentor spontan zum Essen ein und sind danach plötzlich unsicher, ob das der Gast nun jedes Mal erwartet. „Nun stellen Sie sich vor, dass da noch Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten aufeinandertreffen und übersetzt werden muss. In solchen Fällen moderiert der Berater“, erklärt Verena Mohr.

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Nächste Woche, Folge 5: Ein Arzt hilft Menschen ohne Krankenversicherung.

Lesen Sie die anderen Teile unserer Sommerserie unter www.faz.net/ehrenamt

Quelle: F.A.Z.
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