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Arbeiten im Luxus Wo das oberste Prozent einkauft

 ·  Das Luxuskaufhaus Bergdorf Goodman ist eine New Yorker Institution und stellt hohe Ansprüche an seine Mitarbeiter. Hier bedient man die Extravaganzen des Geldadels der Stadt.

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© AFP Kunst oder Kommerz? Bergdorf Goodman vereint beides

Sonderwünsche gehören zum Alltag für Todd Okerstrom. Angenommen, man fand die Ohrringe, die Angelina Jolie bei der Oscar-Verleihung getragen hat, unwiderstehlich und will sie unbedingt haben. Der Chef der Abteilung „Personal Shopping“ im New Yorker Luxuskaufhaus Bergdorf Goodman könnte weiterhelfen.

Vor ein paar Jahren hat er genau das für eine seiner Kundinnen arrangiert. Jolie trug Ohrringe bei den Oscars, und keine 24 Stunden später war exakt dieses Paar auf dem Weg von Los Angeles zur Kundin, dank der guten Drähte von Okerstrom zum Designer, von dem die Schauspielerin den Schmuck als Leihgabe hatte.

Okerstrom kann viele Geschichten erzählen, wie Bergdorf Goodman die Extravaganzen seiner Kunden bedient. Er erinnert sich an die Frau aus Mumbai, die für die 28 Badezimmer ihres neuen Hauses an die hundert Accessoires auf einmal kaufte und alles innerhalb einer Stunde in ihr Hotel geliefert haben wollte. Okerstrom hat Hochzeitskleider im Hubschrauber zum Bestimmungsort kommen lassen, und er lässt schon mal eine Näherin seines Hauses nach Florida fliegen, damit sie dort einen Anzug ändert („Das haben wir erst vor ein paar Tagen gemacht“). Seine Klientel ist „das eine Prozent“, sagt er und bedient sich der griffigen Beschreibung der Protestbewegung „Occupy“ für die kleine Gruppe der Superreichen.

Handtaschen für einige tausend Dollar

Okerstroms Abteilung ist so etwas wie das Allerheiligste von Bergdorf Goodman, eine separate kleine Welt, versteckt gelegen im vierten Stock mit eigener Rezeption. Aber nicht nur hier, sondern auf allen neun Etagen ist Bergdorf Goodman Luxus pur. Geschäftsführer Bill Brobston gibt zu: "Der Laden kann einen schon erst einmal einschüchtern. Man kommt herein und hat gleich lauter Handtaschen vor sich, die einige tausend Dollar kosten."

New York ist wahrlich nicht arm an Edelkaufhäusern, von Barneys über Saks Fifth Avenue bis zu Bloomingdale's. Aber unter all diesen Luxusadressen hat Bergdorf Goodman eine Sonderstellung. Fast direkt am Central Park gelegen, an der Fifth Avenue neben dem altehrwürdigen Plaza-Hotel, ist Bergdorf Goodman seit vielen Jahrzehnten eine New Yorker Institution.

Hier geht der Geldadel von der Upper East Side ein und aus. Carrie Bradshaw und ihre luxusverliebten Freundinnen aus der Fernsehserie "Sex and the City" kauften besonders gern bei Bergdorf Goodman ein. Anders als Wettbewerber wie Saks, die auch Filialen in anderen Städten haben, gibt es Bergdorf Goodman nur hier. Und im Gegensatz zu Konkurrenten verzichtet Bergdorf Goodman auf Hausmarken, denn die Kunden hier wollen Designernamen und nichts anderes.

Ein Haarschnitt wie Catherine Zeta-Jones

Und so kann einem bei einem Streifzug durch den Laden schon etwas schwindelig werden, wenn man sich die Preisschilder ansieht: Hier 4000 Dollar für ein weißes Jäckchen in der kürzlich eröffneten Damenboutique des Designers Tom Ford, dort in der Schuhabteilung ein Paar von Christian Louboutin für 3295 Dollar. In der Kinderabteilung ist ein Kleidchen von Dior für 345 Dollar fast noch erschwinglich neben den Kommunionkleidern von Joan Calabrese, die 995 Dollar kosten. Geschäftsführer Brobston weiß keine konkrete Antwort, was der billigste Artikel bei Bergdorf Goodman ist, aber er versichert, dass man hier T-Shirts für unter 100 Dollar finden kann. Auf der anderen Seite des Spektrums können Kunden in der Schmuckabteilung auch schon mal mehr als 100 000 Dollar für ein einzelnes Stück ausgeben.

Viel Geld kann man auch im Friseur- und Schönheitssalon von John Barrett im neunten Stock loswerden, wo bis in die neunziger Jahre hinein noch die frühere Inhaberfamilie Goodman in einem feudalen Penthouse gewohnt hat. Wer vom Chef selbst bedient werden will, zahlt 500 Dollar, kann dann aber auch sagen, bei dem Friseur gewesen zu sein, der Catherine Zeta-Jones bei ihrer Hochzeit mit Michael Douglas die Haare gemacht hat. Bei den anderen Friseuren im Salon sind 125 bis 350 Dollar fällig.

Laut Barrett ist es keine Seltenheit, dass Kundinnen bei einem Besuch 1000 bis 2000 Dollar ausgeben, wenn sie auch Farbe ins Haar wollen oder Kosmetiker und Maniküristen in Anspruch nehmen. "Manche Kundinnen planen ihren Urlaub um einen Einkaufstrip bei Bergdorf Goodman mit anschließendem Haarschnitt", sagt Barrett. Bisweilen kommen die „Personal Shopper“ im Salon vorbei und zeigen Kundinnen eine Auswahl von Kleidung, während die im Friseurstuhl sitzen.

Harte Auslese für die Personal Shopper

Bei Bergdorf Goodman zu arbeiten ist schick, aber mit Erwartungsdruck verbunden. Die elf „Personal Shopper“ in der Abteilung von Todd Okerstrom zum Beispiel haben zwar einen der prestigeträchtigsten Jobs im ganzen Geschäft (und jeweils mindestens einen Assistenten). Aber sie haben auch eine klare Vorgabe für einen Mindestumsatz.

John Barrett lässt seine Mitarbeiter erst einmal eine Reihe von Assistenzjobs durchlaufen, bis er sie direkt verantwortlich an die Kunden heranlässt - ein Prozess, der sich mehrere Jahre hinziehen kann und zu einer Auslese führt („40 Prozent schaffen es“). Ansprüche an das äußere Erscheinungsbild hat Barrett auch: "Hier sollte besser niemand mit Nasenring oder Tätowierung auf der Stirn ankommen." Wer aber in das Muster passt und die Assistenzzeit übersteht, bleibt in der Regel lange: „Wir haben sehr wenig Fluktuation.“ Der Salon hat 90 Mitarbeiter, im gesamten Kaufhaus sind es mehr als 1100 Beschäftigte.

Bergdorf Goodman verfolgt seine Wurzeln bis ins Jahr 1899 zurück, als der elsässische Einwanderer Herman Bergdorf eine Schneiderei aufmachte, damals noch am Union Square. Bergdorf heuerte bald danach Edwin Goodman als Lehrling an, machte ihn wenig später zum Geschäftspartner und verkaufte ihm schließlich den Laden. Seit 1928 ist Bergdorf Goodman in seinem heutigen Gebäude an der Fifth Avenue. Die Goodman-Familie verkaufte das Geschäft im Jahr 1972, später wurde es Teil der Kaufhausgruppe Neiman Marcus.

Zielgruppe: Hausfrauen mit 350 000 Dollar

Die Rezession hat auch Bergdorf Goodman nicht verschont: Im Geschäftsjahr 2008/2009, das am 1. August endete, stürzte der Umsatz von 580 Millionen auf 452 Millionen Dollar ab. Okerstrom erzählt, dass viele seiner Kunden nicht nur die Finanzkrise spürten, sondern auch Opfer des Anlagebetrügers Bernard Madoff waren. Mittlerweile geht es wieder aufwärts, und Geschäftsführer Brobston verspricht, dass im laufenden Geschäftsjahr erstmals wieder das Umsatzniveau vor der Krise erreicht wird.

Brobston definiert die Kernzielgruppe seines Geschäfts sehr konkret: Frauen mit einem Haushaltseinkommen von mindestens 350.000 Dollar. Er sieht seinen Laden als Trendsetter, der neben den Klassikern von Chanel bis Dior auch aufstrebenden Designern eine Bühne gibt. „Wir hatten Jason Wu, bevor Michelle Obama seine Kleidung getragen und ihn berühmt gemacht hat.“ Andererseits weiß er, dass ein großer Teil seiner Klientel nicht auf schrille Mode-Statements aus ist, sondern auf konservativ-elegante Kleidung.

Bergdorf Goodman hat auch einen eigenen Herrenladen, gegenüber vom Haupthaus auf der anderen Seite der Fifth Avenue. Aber 80 Prozent des Umsatzes entfallen laut Brobston auf die Damenmode. Beim „Personal Shopping“ sind nach Schätzung von Okerstrom sogar neun von zehn Kunden weiblich. Dabei könnte er sich einige männliche Kunden vorstellen, die er liebend gerne bedienen würde. Facebook-Chef Mark Zuckerberg zum Beispiel, dessen Standardkluft T-Shirts und Kapuzenpullis sind. „Jetzt, wo die an die Börse gehen und mit Bankern reden müssen, könnte er wirklich einen guten Anzug gebrauchen.“

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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