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Gap year : Abitur, und dann?

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Abitur, und dann? - Viele junge Leute wissen nach ihrem Abitur nicht direkt, was als nächstes kommen soll. Bild: dpa

Die Mehrheit der Schüler macht nach dem Abitur erst mal ein „gap year“. Gibt es dann noch Kindergeld? Wer zahlt für die Krankenkasse? Und wie geht es danach eigentlich weiter? An der Schule haben wir das nicht gelernt.

          Die Ferien sind vorüber, das Schuljahr beginnt wieder – zum ersten Mal ohne mich. Wenn meine kleinen Geschwister frühmorgens zur Schule los radeln, kann ich im Bett liegen bleiben: Ich hab’s geschafft. Ich habe Abitur. Anfang Juni waren die letzten Prüfungen, vor acht Wochen wurde mir mein Abiturzeugnis ausgehändigt. Und nun? Mein innerer Kalender reichte die ganze Zeit bis zur Entlassungsfeier am Gymnasium – und keinen einzigen Tag weiter.

          Jetzt sind all die Feierlichkeiten vorbei, der kurze Abi-Urlaub mit meinen beiden besten Freundinnen auch. Nur: Was kommt jetzt? Abitur, und dann? Ich bin 17, habe die Allgemeine Hochschulreife, aber keinen Plan. Mit dem „danach“ habe ich mich nie groß beschäftigt, das würde sich nach den Prüfungen klären, so dachte ich stets, während der ein oder andere Mitschüler schon Bewerbungen schrieb, sich Unis anschaute und uns anderen, planlosen Schülern ein schlechtes Gewissen machte.

          Also mache ich jetzt erst mal was ganz Tolles. Ich nehme mir eine Auszeit. „Gap year“ sagen wir dazu, wenn wir nach dem Abitur erst mal pausieren. „Faulenzer-Jahr“ nennen das meine Eltern an humorlosen Tagen. Sollen sie nur, ich brauche die Zeit, um etwas von der Welt zu sehen, um herauszufinden, was ich später machen will.

          Studieren will ich in jedem Fall, so viel steht fest, nur nicht jetzt gleich. Ich möchte nicht schon wieder lernen. Psychologie könnte ich mir vorstellen, Marketing oder auch Medizin, so genau weiß ich das noch nicht. Woher auch? Die Schule war dafür keine große Hilfe. Französisch spreche ich ziemlich fließend, Englisch auch. Ich kann berechnen, mit welcher Wucht eine Bierflasche unten aufprallt, die vom Frankfurter Messeturm fällt, oder wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich a) studiere, b) mein Studienfach wechsle oder c) abbreche.

          Nur, was genau aus mir werden soll, wofür ich im Berufsleben gebraucht werde, das steht in den Sternen. Dafür hilft nicht mal mein Abi-Schnitt von 1,3 weiter, „G8“ war auch eher kontraproduktiv: Mit 17 ist man zu jung, um sich festzulegen, bestätigen mir heute manche Lehrer.

          Die Idee von G8, dem „Turboabi“ nach acht Jahren Gymnasium, war eigentlich, uns Jugendliche möglichst schnell durch Schule und Ausbildung zum Arbeiten zu bringen. Die Wirtschaft wolle junge Absolventen, hieß es, um im globalen Wettbewerb mitzuhalten. Die Rechnung ist nicht aufgegangen, im Gegenteil: Ganz viele G8-Absolventen machen wie ich erst mal ein „gap year“. Eine Freundin bringt südafrikanischen Kindern im Township Handball bei, eine andere zählt Fische vor Madagaskar. Einige gehen als Au-pair nach Neuseeland oder pflücken Obst in Australien; wir sind die „Work&Travel“-Generation. Ich stelle mir meine Auszeit in etwa so vor: Erst mal jobben und Geld verdienen, dann nach Australien fliegen. Praktika in Bereichen, die spannend klingen, kommen hinterher. Das hilft mir hoffentlich für die Wahl eines Studiengangs.

          Zunächst sind allerdings viele, ganz praktische Dinge zu klären, die mich vorher nie gekümmert haben: Bekommen meine Eltern weiterhin Kindergeld für mich? Bin ich noch krankenversichert? Welchen Status habe ich aus Sicht des Staates überhaupt – als Mensch zwischen Schule und Studium? In der Schule war das nie ein Thema. Das rächt sich jetzt. In den Bewerbungsbögen für Jobs, die ich im Internet ausfülle, werde ich immer gefragt, was ich bin: Arbeitssuchende, Sozialhilfeempfängerin, Studentin, Schülerin, Studienbewerberin, Rentnerin, Hausfrau. „Gap-year-lerin“ ist nicht vorgesehen. Dabei sind wir so viele.

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