Bundespräsident Wulff ist wegen seiner nun bekanntgewordenen Versuche, mit Anrufen bei der Chefredaktion und der Verlagsspitze eine kritische Berichterstattung der „Bild“-Zeitung zu unterbinden, vom Deutschen Journalistenverband sowie von der SPD kritisiert worden. Wulff ließ daher am Montag die Erklärung verbreiten, ihm sei die Presse- und Rundfunkfreiheit „ein hohes Gut“. Er habe deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten „Transparenz hergestellt, Erklärungen abgegeben und mehrere hundert Medienanfragen beantwortet“.
Doch gebe der Bundespräsident über „Vieraugengespräche und Telefonate“ grundsätzlich nicht Auskunft, sagte eine Sprecherin. Die „Bild“-Zeitung legte am Montag dar, Wulff habe am 12. Dezember ihrem Chefredakteur eine längere Nachricht auf der Mailbox des Mobiltelefons hinterlassen. Darin habe er sich „empört über die Recherchen zu dem Hauskredit“ gezeigt und „unter anderem mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen ,Bild‘-Redakteur“ gedroht.
Zuvor habe die Zeitung den Bundespräsidenten über ihre Recherchen informiert und ihn um eine Stellungnahme gebeten. Die habe Wulff erst abgeben und dann zurückziehen lassen. Über die Mailbox-Nachricht hatte zunächst die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet. Die „Bild“-Zeitung teilte mit, ihre Redaktion habe zunächst entschieden, davon abzusehen, „eigens über den Vorfall zu berichten“.
Anruf auch bei Friede Springer
Doch wurde außerdem – diesmal über die „Süddeutsche Zeitung“ – bekannt, dass Wulff auch den Vorstandsvorsitzenden des Axel-Springer-Verlages, zu dem die „Bild“ gehört, damals angerufen habe. Der Verlag teilte mit: „Es ist korrekt, dass der Bundespräsident auch Mathias Döpfner in dieser Angelegenheit angerufen hat und es ist auch korrekt, dass Herr Döpfner auf die Unabhängigkeit der Redaktion hingewiesen hat.“
Der Internetdienst „Cicero online“ berichtet, ein „dritter Anruf Wulffs“ bei Friede Springer habe für den Bundespräsidenten ebenfalls nicht zum gewünschten Ergebnis geführt. Das Telefonat soll vielmehr mit der kühlen Auskunft geendet haben, dass die Witwe des Verlagsgründers Axel Springer keinen Einfluss auf ihre Chefredakteure zu nehmen pflege.
Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbands, Konken, sagte: „Prominente müssen sich kritische Berichterstattung als Teil der Meinungsfreiheit gefallen lassen.“ Bundespräsident Wulff habe in dieser Hinsicht auch eine Vorbildfunktion.
Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Heil forderte eine neue persönliche Erklärung Wulffs. Grundsätzlich gelte: „Es wäre unwürdig, wenn ein Staatsoberhaupt versucht, kritische Berichterstattung zu unterbinden“, sagte Heil in Berlin.
Die „Bild“-Zeitung teilte außerdem mit, zwei Tage nach ihrer ersten Veröffentlichung zu dem Hauskredit habe Wulff aufs Neue den Kontakt zu ihrem Chefredakteur gesucht und ihn in einem Telefonat um Entschuldigung für Ton und Inhalt seiner Äußerungen auf der Handy-Mailbox gebeten. Deshalb habe die Zeitung „nach breiter redaktioneller Debatte“ davon abgesehen, eigens über den Vorfall zu berichten. „Dieser Verzicht hatte und hat jedoch keinerlei Auswirkungen auf die weiteren Recherchen in allen offenen Fragen, die sich u. a. im Zusammenhang mit dem Hauskredit stellten oder noch stellen könnten.“ Nach dem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte Wulff auf der Mailbox von einer „unglaublichen“ Geschichte gesprochen, die über ihn vorbereitet werde, und für den Fall einer Veröffentlichung den „endgültigen Bruch“ mit dem Springer-Verlag angekündigt. Er habe vom „Kriegführen“ gesprochen. Für ihn und seine Frau sei der „Rubikon“ überschritten.
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